LVN-Mitgliederversammlung

Milcherzeugung in Zeiten von Klimawandel und polarisierter Gesellschaft

08. November 2019

Zukunftsvisionen der Milchwirtschaft, klare Worte zur Position der Milchbauern und ein eindeutiges Signal der Branche: Wir sind offen und dialogbereit – das waren Kernthemen der Mitgliederversammlung am 4. November 2019.

Prof. Nick Lin-Hi von der Universität Vechta
Was Konsumenten eigentlich wollen: Prof. Nick Lin-Hi von der Universität Vechta geht auf Zukunftstrends ein. Foto: LVN

Die zunehmende Polarisierung und Politisierung in der Gesellschaft führt zu einer großen Verunsicherung unter den Milchbauern. Dieses Gefühl der Verunsicherung im Berufsstand wurde in den letzten Monaten durch zahlreiche Aktionen von Landwirten eindrucksvoll vermittelt. Allen diesen Aktivitäten gemeinsam sind eindeutige Signale zur Dialogbereitschaft mit Politik und Gesellschaft.

Auf der 47. Mitgliederversammlung der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) berichteten der Vorstand und die Geschäftsführung über Maßnahmen, Initiativen und Aktionen, die genau diese Dialoge unterstützen. Zur Versammlung am 4. November in Isernhagen kamen rund 120 Gäste aus Politik und Wirtschaft, darunter zahlreiche Vertreter der 20 LVN-Mitgliedsorganisationen, zu denen Bauern-, Molkerei- und Gewerkschafts- sowie Verbraucherverbände gehören.

Eindrücke unserer Mitgliederversammlung 2019

Fotos: LVN

Dialog und klare Botschaften zu Kernthemen

„In Zeiten der zunehmenden Politisierung und in Zeiten der Zuspitzung und Polarisierung müssen wir es in der Milchwirtschaft gemeinsam schaffen für die erkannten Problemfelder praktikable Lösungen zu entwickeln. Und wir müssen gleichzeitig darauf achten, dass auf Erzeugerebene eine Umsetzung unter ordentlichen ökonomischen Rahmenbedingungen erfolgen kann“, begann der Vorstandsvorsitzende, Jan Heusmann, seine Rede.

Wenn die fachliche Kompetenz landwirtschaftlichen Handelns tagtäglich in Frage gestellt werde, die ökonomischen Rahmenbedingungen weiterhin schwierig seien und gleichzeitig im dritten Jahr in Folge ein erneut ungünstiger Witterungsverlauf vielen Familien eine schlechte Ernte beschere, dann sei das aktuelle „Stimmungstief“ vieler MilcherzeugerInnen nicht überraschend. Ihm sei es ein persönliches Anliegen, dass die Milchbranche zu den Kernthemen, die sie gemeinsam über alle Stufen der Wertschöpfungskette verbinden, eine klare Botschaft an Gesellschaft und Politik senden könnte.

Herbert Heyen, als stellvertretender Vorstand, bekräftigte diesen Weg mit dem Statement: „Unsere Milcherzeuger-Familien haben eine Leidenschaft – und die heißt Milch – diese möchten sie auch an die nachfolgenden Generationen im Milchland Niedersachsen weiter geben. Das ist ein großer Ansporn für unsere tägliche Arbeit.“

Klare Worte richtete auch die Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast an die Versammlung: „Die hiesige Milchwirtschaft ist bedeutend für Niedersachsen, sie erzeugt qualitativ hochwertige und sichere Produkte. Klar ist aber auch: Die Landwirtschaft steht vor Herausforderungen, die wir angehen müssen. Zusammen mit den Landwirten! Es muss klar definiert werden, welche Landwirtschaft gewollt und in der Gesellschaft anerkannt ist. Und wer einen Auftrag erhält, muss auch entlohnt werden.“

Präsident des Landvolk Niedersachsens – Landesbauernverband e.V., Albert Schulte to Brinke, sagte über die niedersächsische Milchwirtschaft: „Unsere Landwirte sind auf einem guten Weg in Sachen Gewässerschutz. Das belegt die Minderung des Mineraldüngereinsatzes um 70.000 t in den vergangenen beiden Jahren. Wenn sie noch mehr Tierwohl und noch mehr Umweltschutz auf ihren Höfen erreichen wollen, müssen sie auch bauliche Veränderungen vornehmen können. Dazu muss sich die Genehmigungspraxis deutlich ändern, zurzeit beobachten wir hier leider allerorten nur Stillstand.“

Digitalisierung entwickelt sich zum Treiber von nachhaltigem Konsum

Der Gastreferent Prof. Dr. Nick Lin-Hi ist seit August 2016 Inhaber der Professur für Wirtschaft und Ethik an der Universität Vechta. Der studierte Betriebswirt beschäftigt sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen und hat die deutsche CSR-Landschaft substantiell mitgeprägt. Seine Forschung zeichnet sich durch eine hohe Anwendungsorientierung aus und ist darauf ausgerichtet, einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Auf der Mitgliederversammlung der LVN referierte er zum Thema „Darwinismus im Kuhstall: Was die Milchwirtschaft von Tesla lernen sollte“. „Die Agrar- und Ernährungsindustrie scheint gut beraten, sich auf neue Konsummuster einzustellen und den Mut zu haben, neue Wege einzuschlagen und auch verrückte Dinge zu versuchen. Dies gilt ganz besonders in Zeiten der Digitalisierung, welche sich nicht nur anschickt, disruptive Effekte auf allen Märkten zu bewirken, sondern sich ebenfalls zu einem neuen Treiber von nachhaltigem Konsum entwickelt“, so Lin-Hi.

Lage auf dem Milchmarkt

„Die internationale Nachfrage wird sich nach Einschätzung verschiedener Marktbeobachter insbesondere auf das Angebot aus Europa konzentrieren müssen, da andere „Anbietermärkte“ mit stagnierenden Entwicklungen rechnen“, sagte LVN-Geschäftsführer Frank Feuerriegel.

Zurzeit liegt der durchschnittliche Auszahlungspreis bei 30 bis 33 Cent/kg. „Insgesamt wird das Jahr 2019 im Durchschnitt aber deutlich unter 2018 abschließen. Während 2018 noch bei 33,72 Cent/kg im Durchschnitt ausgezahlt werden konnte, wird das Auszahlungsniveau im Jahresmittel 2019 für die niedersächsischen Milchbauern bei 32,80 – 32,90 Cent/kg liegen“, so Feuerriegel.

Milch-Kommunikation auf neuen Wegen

Vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels richtete die LVN ihre Öffentlichkeitsarbeit neu aus. Mit dem neuen Slogan „Milch hat viele Gesichter“ präsentiert die LVN ihr neues Erscheinungsbild. Und zeigt: Das Milchland Niedersachsen ist schwarz-bunt. Die Milchwirtschaft ist vielseitig und hat viele spannende und wertvolle Einblicke zu bieten. Das spiegelt sich auch auf der neuen Internetseite www.milchland.de der LVN wider. „Wichtig ist uns, eine klare Haltung zu Themen wie Nachhaltigkeit, Ernährung, Tierwohl und Klimaschutz zu kommunizieren. Dabei sind wir offen für Veränderungen, sprechen auch kontroverse Themen ehrlich an, so können wir glaubwürdig mit den Verbrauchern ins Gespräch kommen“, sagte Kristine Kindler, Geschäftsführerin der LVN. Die intensive Zusammenarbeit mit Milchbauern sei dabei ein wichtiger Grundstein für den Erfolg der LVN-Öffentlichkeitsarbeit.

Wahlen, Prüfungen und Finanzpläne

Im weiteren Verlauf der Tagesordnung berichtete Torben Lange von der NWPG Treuhand GmbH,
– Wirtschaftsprüfungsgesellschaft -, Oldenburg über die Prüfung der Jahresrechnung und der Jahresabschlüsse für das Rechnungsjahr 2018 mit uneingeschränkt erteiltem Bestätigungsvermerk und Fred Akenberg über eine beanstandungsfreie Kassenprüfung. Die Genehmigung der Jahresrechnung und des Jahresabschlusses erfolgten ebenso einstimmig wie die Entlastung des Vorstandes und der Geschäftsführung. Als Kassenprüfer für das Jahr 2019 wurden Fred Arkenberg im Amt bestätigt bzw. Olaf Scherf neu gewählt.

Turnusmäßig standen die Wahlen für den Vorstand und die Gremien an. Jan Heusman und Herbert Heyen wurden einstimmig wiedergewählt. Ebenfalls einstimmig erfolgte der Beschluss zur Bestellung neuer, von den Mitgliedsorganisationen vorgeschlagenen Mitgliedsvertretern. Herzlich verabschiedete die Mitgliederversammlung die langjährigen Gremienmitglieder: Eberhard Mysegades, Tebbe Meyer, Erich Hinrichs, Johann Heumann und Hartmut Danne.

Weiterhin sprach sich die Mitgliederversammlung einstimmig für die erneute Beauftragung der NWPG Treuhand GmbH – Wirtschaftsprüfungsgesellschaft –, Oldenburg betreffend der Prüfung der Jahresrechnung 2019 aus. Einen umfassenden Überblick über die Umlageverwendung 2020 gab im Anschluss Kristine Kindler. Dabei ging sie auf die Einnahmen- und Ausgabensituation des Umlageverwendungsplans sowie des LVN-Wirtschaftsplans (Institutionelle Förderung) ein. Sie berichtete über die einzelnen Titelansätze und die daraus zu finanzierenden Maßnahmen. Im Jahr 2020 würden auf Basis von 6,2 Milliarden kg Anlieferungsmilch gut 2,79 Mio. Euro Umlage, bei einem Hebesatz von 0,00045 €/kg, aufkommen. Der vorgelegte Umlageverwendungsplan und der Wirtschaftsplan für das Haushaltsjahr 2020 wurden von der Mitgliederversammlung einstimmig genehmigt. Er wird als Vorschlag bei der Bewilligungsbehörde eingereicht. Ebenfalls einstimmig erfolgte der Beschluss zur Änderung der Satzung (§ 8) in Hinblick auf den Beitritt der Molkerei Ammerland eG.

                                                                                                                                                       LVN

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