1. Milchlandpreis 2011: Der Gewinnerbetrieb Exner in Bevern
LVN: Herr Exner, Sie haben sich vor fünf Jahren erstmalig beim Milchlandpreis beworben und sind unter den Top 20 gelandet. Wie kam es zur wiederholten Teilnahme in 2011?
Exner: In den letzten Jahren hat sich bei uns die Hofnachfolge geklärt, Eike (23) hat sich trotz seiner Asthma-erkrankung entschieden, den Hof zu übernehmen. Als das klar war, haben wir uns entschlossen, ihm für die Zukunft möglichst gute Produktionsgrundlagen zu verschaffen und haben neue Ställe gebaut. Bereits 2010 wollten wir uns erneut bewerben, haben aber aufgrund von zwei stark pflegebedürftigen Altenteilern davon Abstand genommen. Nach dem Tod meiner Eltern waren wir dann in 2011 wieder bereit für eine neue Bewerbung. Da uns die Teilnahme vor 5 Jahren sehr viel Spaß gemacht hat, war immer klar, dass wir es noch mal probieren. Wir wollten mal sehen, ob die betrieblichen Veränderungen uns noch weiter nach vorne bringen würden. Dass wir dann gleich ganz vorne landeten, damit haben wir nicht gerechnet.
LVN: Was sind Ihrer Meinung nach die Stärken Ihres Betriebes?
Exner: Wir sind ein Familienbetrieb, in dem jeder seine festen Aufgaben hat. Meine Frau kümmert sich um die Kälber, mein Sohn übernimmt den Part der Besamung und ich übernehme das Melken. Zusätzlich kommt eine 400-Euro-Kraft an festgelegten Nachmittagen, um meine Frau zu entlasten. Es gibt überall Pläne, so dass wir uns natürlich gegenseitig vertreten können. Jeder weiß über die betrieblichen Abläufe und Strukturen Bescheid, wir fällen Entscheidungen zusammen, es gibt keine Alleingänge. Jeder von uns fährt auch mal 14 Tage in den Urlaub. Das ist möglich, weil sowohl mein Bruder als auch meine älteste Tochter und auch der jüngere Sohn gerne einspringen. Sicher sind wir auch zum richtigen Zeitpunkt ausgesiedelt, dadurch konnten wir in Ruhe unsere Erweiterungen vorbereiten. 70 % der Flächen sind an den Hof angrenzend. Außerdem wachsen wir nur in kleinen Schritten, um immer genug Rücklagen zu haben. Denn wir als Milcherzeuger müssen zukünftig mehr als früher auf Milchpreisschwankungen vorbereitet sein.
LVN: Sie haben in den letzten drei Jahren zwei neue Ställe gebaut. Worauf haben Sie beim Stallbau besonders geachtet?
Exner: Unsere Ställe sind hell, luftig, seitlich mit Jalousien versehen, bieten viel Platz und dadurch einen großen Kuhkomfort. Zwischen den Ställen befindet sich ein Wartehof und das Melkhaus. Die 155 Kühe werden in drei Gruppen gemolken, so dass eine Gruppe maximal eine Stunde auf dem Hof verbringt. Der Wartehof unter freiem Himmel wird von den Kühen gerne angenommen.
LVN: Wie sehen Sie die Zukunft des Betriebes?
Exner: Eike wird den Hof übernehmen, er macht zurzeit seine Meisterprüfung. Hier arbeitet er insbesondere an der Optimierung des Ist-Betriebes, was ja, wie uns die Auszeichnung zeigt, gut gelungen ist. Bis zum Herbst planen wir eine Bestandsergänzung aus dem eigenen Betrieb auf 180 Kühe. Wir werden langsam wachsen, so dass wir die Arbeit erst einmal ohne eine fremde Vollzeitkraft schaffen können. Unsere Ställe sind auf einen Bestand von 220 Kühen ausgelegt. Weiterhin bietet sich die Möglichkeit, den Stall noch zu spiegeln.
LVN: Welche Tipps geben Sie Ihrem Sohn als Hofnachfolger mit auf den Weg?
Exner: Das ist eine gute Frage. Mir ist es wichtig, alle Voraussetzungen für ein Wachstum bereit zu halten. Man muss darauf vorbereitet sein. Trotzdem muss man auch mal ein paar Jahre von dem zehren können, was man erreicht hat. Schnelleres Wachsen würde bei uns auch bedeuten, dass wir mehr AK bräuchten. Dieses Thema wird bei uns im Haus mit meinem Sohn und seiner Freundin, die Tierärztin ist, aber auch mit dem Ringleiter, viel diskutiert. Dadurch würden sich unsere Arbeitsplätze auch verändern – hin zu mehr Managementarbeit. Ich für mich bevorzuge die Melkarbeit und den Umgang mit den Tieren.
LVN: Sie sind „Bester Milcherzeuger“ geworden. Gibt es dennoch Ansatzpunkte, die Sie nach der Begutachtung in Angriff nehmen?
Exner: Zurzeit sanieren wir das Altgebäude, in dem das Jungvieh untergebracht ist, und gestalten es bis zum Sommer zu einem Kälberzentrum um. Wir haben dann ein geschlossenes System für alle Tiere. Im Prinzip führen wir aber unseren Betrieb so, dass er jederzeit besuchsbereit ist.
LVN: Gibt es neben den Hofarbeiten noch Zeit für Ehrenämter?
Exner: Seit 1986 bin ich im Meisterprüfungsausschuss der Kammer. So bleibe ich im Austausch mit Anderen und komme rum. Außerdem habe ich seit 21 Jahren den Vorsitz in der Maschinengemeinschaft Bevern e.V.. Im Gegensatz zum Maschinenring finanzieren wir unsere Geräte über die Bank und zahlen sie über Miet-Gebühren ab. Als Vorsitzender der Jagdgemeinschaft bin ich seit 17 Jahren aktiv.
Guten Kontakt habe ich auch immer zu den Lehrern der Berufsschule Bremervörde. Wir nehmen regelmäßig Praktikanten und machen Betriebsführungen für Schulklassen.
LVN: Wie würden Sie den Satz vervollständigen: Ich würde immer wieder teilnehmen, weil ….
Exner: … sich der Aufwand lohnt. Die Preisverleihung macht Spaß, man lernt nette Leute mit gleichen Interessen kennen und die Auszeichnung motiviert, vor allem auch meinen Sohn.
LVN/Licher
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