Milchzuckerunverträglichkeit Laktoseintoleranz

01. September 2019

Immer wieder nachgefragt: Milchzuckerunverträglichkeit / Laktoseintoleranz

Was steckt dahinter?

Laktose ist der in der Milch natürlicherweise enthaltene Milchzucker, der aus zwei Zuckermolekülen besteht (Disaccharid). Damit dieser ins Blut aufgenommen werden kann, muss er zuvor im Dünndarm in seine zwei Bestandteile Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker) gespalten werden. Dies geschieht mit Hilfe des Enzyms Laktase. Bei Menschen mit einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) fehlt das Enzym Laktase oder seine Aktivität ist vermindert. Dadurch wird der Zweifachzucker nicht komplett gespalten und ein Teil gelangt unverdaut in den Dickdarm. Dort wird er von den Darmbakterien zersetzt. Dieses kann zu Beschwerden wie Völlegefühl, Durchfall, Blähungen, Krämpfen, Übelkeit und Erbrechen führen.

Diagnose

Um eine Laktoseintoleranz feststellen zu können, wird vermehrt in der Praxis der sogenannte H2-Atemtest angewandt. Dazu wird eine bestimmte Menge in Wasser gelöster Laktose getrunken und in regelmäßigen Abständen Atemproben genommen. Über die Atemluft kann gemessen werden, ob die typischen Darmgase entstehen.

Nicht komplett auf Milch und Milchprodukte verzichten

Bei einer Laktoseintoleranz muss aber nicht komplett auf Milch und Milchprodukte verzichtet werden. Da die Laktoseintoleranz bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt ist, muss jeder seine individuelle Toleranzgrenze für Milch und Milchprodukte austesten.

Kleine Tipps für die Praxis sind folgende:

  • Meist werden Butter und bestimmte Käsesorten (z.B. Hart- und Schnittkäse) gut vertragen, da sie in der Regel nur 0 – 0,7 g/100 g Laktose enthalten. Zur Orientierung: Bei einer leichten Unverträglichkeit werden Mengen bis max. 10 g Laktose vertragen.
  • Auch Sauermilchprodukte, wie Kefir oder Joghurt, können bei leichtem Enzymmangel durch ihren zum Teil schon durch die Milchsäurebakterien umgewandelten Milchzucker vertragen werden.
  • Kleinere Portionen an Milchprodukten über den Tag verteilt und der Verzehr von milchzuckerhaltigen Lebensmitteln in Kombination mit anderen Lebensmitteln können zu einer besseren Verträglichkeit beitragen.
  • Mittlerweile gibt es auch laktosefreie Milchprodukte auf Kuhmilchbasis, in denen die Laktose zuvor technologisch gespalten wurde. So wird dem Körper diese Arbeit der Aufspaltung des Milchzuckers bereits abgenommen und Milch und Milchprodukte können problemlos vertragen werden.
  • Auch die Einnahme von Laktase in Form von Tabletten oder Pulver kann einen beschwerdefreien Genuss von Milch und Milchprodukten möglich machen, da das zugeführte Enzym die Funktion des nicht mehr vorhandenen körpereigenen Enzyms übernimmt.

Zur Evolution: Bessere Überlebenschance für Milchtrinker

Die Verträglichkeit von Milch über das Kleinkindalter hinaus ist in weniger als achttausend Jahren entstanden. Zu Beginn der Schaf-, Ziegen- und Kuhzucht konnten die ersten Viehzüchter in Mitteleuropa noch keine Milch vertragen. Eine zufällige Genmutation, wodurch auch der erwachsene Mensch noch Laktase bilden konnte, verbreitete sich in der für die Evolution kurzen Zeit extrem schnell aus. Das „Milchtrinker-Gen“ muss für die Viehzüchter, als sie aus Zentraleuropa nach Norden wanderten, ein großer Selektionsvorteil in mageren Jahren gewesen sein. Das ging mit einer besseren Überlebenschance und mit mehr Nachkommen einher.

LVN/Deckert

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