Nachgefragt: Erhöhtes Krebsrisiko durch Milch?

Krebs und BMMF: Welche Rollt spielt die Milch?

Können Milch und Milchprodukte tatsächlich das Krebsrisiko erhöhen? Welche Milchinhaltsstoffe wären potentiell risikoerhöhend? Und was steckt eigentlich hinter der Abkürzung BMMF? Hier gibt es Antworten!

Einzelner RNA-Strang (Ribonukleinsäure). Quelle: AdobeStock nobeastsofierce
Einzelner RNA-Strang (Ribonukleinsäure). © nobeastsofierce/Adobe Stock

Warum gibt es die Vermutung, dass Milch u. Milchprodukte Krebs auslösen können?

Grund dafür sind bestimmte Inhaltsstoffe in der Milch, die sogenannte microRNA (miRNA): Einige miRNA-Formen, die auch in der Milch nachgewiesen werden konnten, werden mit der Entstehung von Tumoren in Verbindung gebracht.
Weitere Hintergrundinfos dazu finden Sie auf der Seite des BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) Hintergrundinfos anzeigen

Kann die microRNA aus Milch und Milchprodukten Krebs auslösen?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Durch den Prozess der Pasteurisierung wird ein Großteil der microRNA  (miRNA) sehr wahrscheinlich zerstört. Zudem ist davon auszugehen, dass die in der pasteurisierten Milch verbliebene Menge miRNA im Gastrointestinaltrakt überwiegend abgebaut wird. Die vom Körper aufgenommene Menge miRNA ist somit aller Voraussicht nach zu gering ist, um biologisch wirksam zu sein. Bestimmte Studien zeigten sogar, dass der Mensch die miRNA aus der Milch gar nicht aufnehmen kann. à Aufgrund dessen ist eine krebserregende Wirkung von miRNA aus der Milch auf die menschliche Gesundheit sehr unwahrscheinlich.

Warum sagt man dennoch, dass Milch das Prostatakrebsrisiko erhöhen kann?

In einer Studie aus dem Jahr 2008 konnte ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Prostatakrebs bei einer täglich hohen Calcium- und Proteinaufnahme aus Milchprodukten (Calcium- und Proteinaufnahme entspricht 1,25 Litern Milch oder 140 g Hartkäse pro Tag) beobachtet werden. (EPIC-Studie) Demgegenüber zeigten die Daten für einen hohen Verzehr von Milch und Hartkäse allein kein erhöhtes Prostatakrebsrisiko. Die aktuelle Datenlage lässt zurzeit einen möglichen, aber keinen eindeutig kausalen Zusammenhang zwischen einer hohen täglichen Aufnahme an Milch und Milchprodukten und einem erhöhten Prostatakrebsrisiko zu.
(Quelle: Allen NE, Key TJ, Appleby PN, et al. Animal foods, protein, calcium and prostate cancer risk: the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Br J Cancer. 2008;98(9):1574–1581. (EPIC-Studie))

Weitere Infos zum Thema: „Wie beeinflusst die Ernährung die Krebsentstehung?“ stellt die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.) bereit.

Was versteht man unter den neuartigen Erregern BMMF und können diese das Krebsrisiko erhöhen?

BMMF steht für „Bovine Milk and Meat Factors“. Dabei handelt es sich um bisher unbekannte Erreger in Kuhmilch, Kuhmilchprodukten und Blutserum von Rindern. Sie ähneln sowohl Viren als auch Bakterien. BMMF stehen im Verdacht, chronische Entzündungen zu verursachen, die im schlimmsten Fall zu Brust- oder Dickdarmkrebs führen könnten. Nach aktuellem Stand des Wissens lässt sich jedoch kein kausaler Zusammenhang zwischen BMMF und Brust- bzw. Dickdarmkrebs erkennen. Daher empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weiterhin uneingeschränkt den Konsum von Kuhmilch. Für den Fleischverzehr liegt die Empfehlung bei 600 Gramm pro Woche.
(Quelle und weitere Infos zu BMMF gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR))

Ansprechpartner für diesen Bereich

Christina Eilers
M.Sc. Ökotrophologie Ernährungsbildung und Öffentlichkeitsarbeit
Oldenburg
0441 97382-25
eilers@milchland.de
Katharina Krause
M.Sc. Ökotrophologie Ernährungsbildung und Öffentlichkeitsarbeit
Hannover
0511 85653-32
krause@milchland.de
Lara Bodenhagen
Ökotrophologin (B.Sc.) Öffentlichkeitsarbeit und Ernährungsbildung
Oldenburg
0441 97382-26
bodenhagen@milchland.de

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