Milchlandpreis 2020: Der Gewinnerbetrieb von Familie Börger aus Wietmarschen

Gewinner der Goldenen Olga

15. Januar 2021

Hartmut Börger im Interview mit der Landesvereinigung der Landwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN).

Auf der diesjährigen Verleihung der Goldenen Olga – die erstmals digital stattfand – saß die gesamte Familie Börger gespannt vor ihrem Laptop in der Grafschaft Bentheim und konnte ihr Glück kaum fassen, als Moderatorin Heike Götz über Video zum ersten Platz gratulierte.

Familie Börger mit Goldener Olga

Familie Börger bewirtschaftet in Wietmarschen einen 85 Hektar großen Betrieb, davon sind 52 Hektar Grünland. Auf dem Hof werden 130 Milchkühe und 200 weitere Tiere als weibliche Nachzucht gehalten. Die Herde erbringt eine sehr gute Milchleistung von rund 10.470 Kilogramm pro Kuh und Jahr bei einem Fettgehalt von 3,93 Prozent und einem Eiweißgehalt von 3,42 Prozent. Die Milch wird an die DMK Deutsches Milchkontor eG geliefert. Der Hof wird bereits seit 1860 an dieser Stelle geführt. In den vergangenen Jahren wurde der Betrieb laufend erweitert, zuletzt wurden 2019 eine neue Siloanlage und in 2020 eine 75 kW Biogasanlage zur Stromgewinnung aus Gülle gebaut.

Das nachfolgende Interview mit Hartmut Börger gibt Einblicke, wie nachhaltig der Familienbetrieb wirtschaftet und welche besonderen Leistungen mit dem Milchlandpreis 2020 honoriert wurden.

Ihr Familienbetrieb hat sich 2015 erstmalig für den Milchlandpreis beworben – und wurden mit der Bronze-Olga „belohnt“. Warum haben Sie sich dazu entschieden, gerade in 2020 noch einmal am Wettbewerb teilzunehmen?

Wir fanden den Wettbewerb 2015 schon sehr spannend und die Fragen der Gutachter helfen einem selber, seine Arbeit zu hinterfragen und weiter zu optimieren. Schon damals war für uns klar, da machen wir nochmal mit! Doch dann kamen erst einige Projekte auf dem Betrieb, wie die Sanierung der Siloplatten und der Bau der Biogasanlage. Daher wurde die Bewerbung die letzten Jahre immer wieder aufgeschoben.

Wie organisieren Sie die Arbeitsteilung auf Ihrem Betrieb?

Meine Eltern helfen im Betrieb mit, vor allem springen sie beim Melken ein, wenn es mal eng wird. Ansonsten haben wir eine Auszubildende und eine Teilzeitkraft. Der Großteil der Arbeit sind ja Routinearbeiten, die wir in einem festen Rhythmus angelegt haben. Ob Kälber enthornen, impfen oder umstallen, Kühe trockenstellen oder auf Trächtigkeit zu untersuchen, alle Arbeiten haben ihren Termin und sind aufeinander abgestimmt. Die Außenwirtschaft haben wir überwiegend ausgelagert, so haben wir wenig Arbeitsspitzen. Und wir sind ein kleiner Familienbetrieb, daher muss hier jeder alles können.

Wie schaffen Sie es, genügend Zeit für die Familie und Freizeit zu finden?

Zeit für die Familie ist natürlich immer eine Herausforderung. Der Vorteil ist, man arbeitet zuhause. Beim Frühstück, Mittag- und Abendessen sind wir alle zusammen. Und als Selbstständiger ist man auch flexibel und kann sich schneller mal frei nehmen. Der Nachteil bzw. die Herausforderung ist die 24 Stunden Bereitschaft und Verantwortung. Wenn im Stall irgendwas Besonderes ist, muss die Familie warten. Daher ist mir Familienurlaub auch sehr wichtig. Die Zeit gehört dann nur der Familie. Da ich aber auch ehrenamtlich noch aktiv bin, bleibt nach Betrieb, Familie und Ehrenamt allerdings keine Zeit für Hobbys.

Unsere Gutachter loben Ihre Kälberhaltung. Worauf legen Sie bei der Aufzucht besonders Wert?

2011 haben wir unser Kälberdorf gebaut. Ein Gebäude für Kälber bis ca. 4 Wochen. Das war im Punkto Gesundheit ein großer Fortschritt. Wir sind damals auch mit der ad libitum Tränke angefangen und haben die gesamte Jungviehaufzucht intensiviert. 2015 haben wir dafür dann den gesamten Jungviehbereich umgebaut. Die Gebäude bieten jetzt ideale Voraussetzungen für eine intensive Aufzucht und auch für eine hohe Arbeitseffizienz. Während der Tränkephase befinden sich die Kälber auf Stroh, danach in Ställen mit altersgerechten Liegeboxen. Vom neugeborenen Kalb bis zur melkenden Färse werden die Tiere 13 Mal umgestallt. Die Gebäude sind so konstruiert, dass die Tiere direkt und einfach in die nächste, ihrem Alter entsprechenden Bucht getrieben werden können.

Die Goldene Olga honoriert nachhaltiges Wirtschaften. Warum ist Ihnen Nachhaltigkeit so wichtig? Welche Maßnahmen haben Sie vor diesem Hintergrund umgesetzt oder sind noch in Planung?

Nachhaltigkeit hat ja viele Aspekte. In der Öffentlichkeit wird im Moment viel über Umwelt- bzw. Klimaschutz diskutiert. Es ist auch der Bereich mit dem größten Handlungsbedarf. Und natürlich muss auch die Landwirtschaft sich wandeln, das hat sie ja auch immer getan. Zum Klimaschutz trägt natürlich vor allem unsere neue Biogasanlage bei. Wir setzen nur Gülle und Mist ein, und gewinnen so Strom für über 120 Haushalte und reduzieren den Methanausstoß unserer Gülle. Auch eine dritte PV Anlage haben wir in Betrieb genommen. Ein Beitrag zum Umweltschutz stellt mit Sicherheit die Sanierung der Siloplatten dar. Es ist aber auch ein Beispiel, wie teuer Umweltschutz schnell wird. Die Sanierung hat uns 215.000 € gekostet.

Die Rolle als Ausbilder spielt für Sie eine große Rolle. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Wenn man jedes Jahr auf’s Neue erklärt, wie man etwas macht, hinterfragt man sich auch permanent, ob das so richtig ist. Jeder Auszubildende bringt neue Ideen mit in den Betrieb und natürlich ist es auch spannend, immer wieder neue junge Menschen kennenzulernen, die „Bock auf Landwirtschaft“ haben.

Gibt es trotz der hohen Auszeichnung für den Betrieb noch Stellen, an denen Sie etwas verändern möchten?

Klar! Meine Wunschliste ist endlos. Als nächstes wird vermutlich der Boxenlaufstall in den Fokus kommen. Evtl. neue Spaltenböden, auch die Liegeboxen könnten besser sein und die Melktechnik ist jetzt auch schon 18 Jahre alt…

Wie sehen Sie Ihren Betrieb in 10 Jahren?

Es wird immer noch ein spezialisierter Milchviehbetrieb sein. Aber bestimmt ändern sich bis dahin noch Gebäude und Technik. Ich bin immer offen für Neues.

Warum würden Sie Ihre Kollegen zur Teilnahme am Milchlandpreis motivieren?

Der Wettbewerb ist spannend, man lernt viel über seinen Betrieb und wie es evtl. noch besser geht – und man hat es mit einem sehr herzlichen Milchland Team zu tun!

Schauen Sie sich das Porträt vom Hof Börger an. Viele weitere Informationen zur Goldenen Olga warten auf Sie.

LVN

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Melina Kostmann
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