Nachhaltigkeit praktisch

Was kann ich als Landwirt tun?

Immer wieder genau hinzuschauen und auch lieb gewordene Routinen zu hinterfragen lohnt sich und sollte fester Bestandteil der Betriebsführung sein. Die gute Nachricht: Viele Aspekte, die für eine nachhaltige Milcherzeugung bedeutsam sind, gehören zur guten fachlichen Praxis und liegen im Eigeninteresse des Milcherzeugers. Die bislang vorliegenden Daten zeigen dies, denn in vielen Bereichen sind die niedersächsischen Milcherzeuger besser als sie selbst und Außenstehende denken. Dennoch: „Luft nach Oben“ finden wir fast immer, wenn wir genauer hinschauen – dazu einige Anregungen.

Die Kuh im Blick haben

Tierwohl, gute Gesundheit und hohe Leistungsfähigkeit gehören zusammen. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e. V. unterstützt die Milcherzeuger durch verschiedene Projekte und Informationsmaterialien bei einem vorbeugenden und effektiven Gesundheitsmanagement im Kuh- und Kälberstall. Dazu gehören der Kälberleitfaden, der Leitfaden Eutergesundheit, Beratung zum niedersächsischen Paratuberkulose-Verminderungsprogramm und Forschungsprojekte zur Verbesserung der Eutergesundheit in Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Das Mitte 2019 begonnenes Projekt befasst sich mit der Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der niedersächsischen Milchwirtschaft. Ziel ist es, praktikable Lösungsansätze zu finden, die eine weitere Verminderung des Antibiotikaeinsatzes – vor allem der kritischen antibiotischen Wirkstoffe – in der Praxis ermöglichen.

Zum Schutz der Herde: Paratuberkulose reduzieren

Für gesunde Kälber:
Der Kälberleitfaden

Für gesunde Euter:
Der Leitfaden Eutergesundheit

Für gesunde Klauen sorgen

Lahmheiten gehören zu den häufigsten Erkrankungen und Abgangsursachen in der Milchviehhaltung. Für die Kühe ist Lahmheit mit Schmerz verbunden, für den Landwirt mit ökonomischen Einbußen aufgrund reduzierter Milchleistung. Es ist daher folgerichtig, die Klauengesundheit systematisch zu fördern: einerseits durch sie erhaltende Maßnahmen und andererseits durch regelmäßige Tierbeobachtung, um auftretende Lahmheit so früh wie möglich zu erkennen und behandeln zu können.

Für gesunde Klauen:
Wissenswertes und Tipps auf KLAUENfitnet.de

Klauenpflege praktisch:
Lehrgänge im Bildungszentrum Echem

Digitale Helfer einbeziehen

Jeder von uns kennt die sogenannte Betriebsblindheit, ein ganz menschliches Phänomen. Die Eigenheiten unserer persönlichen Wahrnehmung führen dazu, dass uns Dinge schlichtweg „durch die Lappen gehen“. Als Gegenmittel kann ein Blick von außen helfen, zum Beispiel durch Kollegen, Berater oder Tierärzte. Zunehmend verfügbar sind digitale Tools, mit denen systematisch Sachverhalte im Stall und tierbezogene Merkmale erfasst werden können. Die Tools unterstützen eine systematische Beobachtung und helfen, Ansatzpunkte für Verbesserungen zu identifizieren.

Gezielt geschaut:
Mit CowsandMore Optimierungsmöglichkeiten erkennen und nutzen

Tierwohl Check:
Hilfestellung für die betriebliche Eigenkontrolle

Tierschutzindikatoren:
Leitfaden für die Praxis zur Umsetzung der betrieblichen Eigenkontrolle

Die Artenvielfalt unterstützen

Der weltweite Rückgang der biologischen Vielfalt ist eines der zentralen Nachhaltigkeitsthemen. Die Landwirtschaft ist Mitverursacherin und Betroffene zugleich. Beispielsweise ist der Obstbau im Alten Land ohne bestäubende Insekten nicht denkbar. Wir alle benötigen biologische Vielfalt und stabile Ökosysteme. Jeder einzelne Betrieb kann einen wertvollen Beitrag zu mehr Artenvielfalt und Naturschutz leisten: vom Aufhängen eines Nistkastens über kleine und große Blühstreifen bis hin zum Vertragsnaturschutz. Je nachdem, was für den Standort gut passt.

Attraktiv für Mitarbeiter sein

Die niedersächsischen Milchviehbetriebe sind insgesamt betrachtet auf Wachstumskurs. Immer mehr Landwirtsfamilien sind auf familienfremde Arbeitskräfte angewiesen, um die anfallenden Arbeiten gut zu bewältigen. Qualifizierte Mitarbeiter zu finden und vor allem auch zu halten ist daher ein Thema, das Landwirte beschäftigt. Was macht einen guten Arbeitgeber aus? Wie bin ich persönlich als Chef – was fällt mir eher leicht und was möchte ich noch besser machen? Wie binde ich meine Mitarbeiter sinnvoll und effizient in die betrieblichen Tätigkeiten ein? Dies sind nur einige der Fragen, deren Beantwortung für eine erfolgreiche Beschäftigung von familienfremden Arbeitskräften hilfreich ist.

Sich selbst und andere führen: Einblicke vom VR-Agrartag 2019

Führung und Management:
Seminare der Andreas Hermes Akademie

Arbeitnehmerberatung:
Absprechpartner bei den Landwirtschaftskammern Niedersachsen und Schleswig-Holstein

Die eigene Klimabilanz checken

Nachhaltiges Wirtschaften leistet einen Beitrag zum Klimaschutz: beispielsweise durch ein effizientes Nährstoffmanagement oder den Einsatz von bodennahen Ausbringungstechniken bei der Düngung mit Gülle. Auch die leistungsangepasste Fütterung der Milchviehherde kann einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ein genauerer Blick auf die betriebliche Klimabilanz zeigt Ansatzpunkte auf, die sowohl zur Verbesserung des Betriebsergebnisses als auch zum Schutz des Klimas beitragen können. Einige Molkereien führen mit ausgewählten Milcherzeugern bereits erste Klimabilanzen durch, um auch zu diesem Aspekt auskunftsfähig gegenüber Kunden zu sein. Denn die Frage nach der CO2-Bilanz innerhalb der Wertschöpfungskette Milch wird zunehmend häufiger gestellt. Hilfreich für Gespräche zum Thema Klimaschutz ist auch ein Blick auf die persönliche Klimabilanz und die Stellschrauben unseres Konsum- und Lebensstils.

Tool aus Niedersachsen:
Klimacheck der Landwirtschaftskammer

Internationaler Ansatz:
Das Cool Farm Tool;
in deutscher Sprache (kostenfrei)

Persönliche Bilanz checken:
CO2-Rechner des Umweltbundesamtes
CO2-Rechner des WWF
Fußabdruck-Rechner des österreichischen Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus
Fünf CO2-Rechner für die persönliche Klimabilanz

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Ansprechpartner für diesen Bereich

Harry Fritsch
Dipl.-Agraringenieur
Leitung Qualitäts- und Umweltberatung
0511 / 85653-31
fritsch@milchland.de