5. Göttinger Fachtagung für Milchwirtschaft
Ein Schwerpunkt ihrer Aktionen ist inzwischen die Durchführung der Fachtagung. Zur diesjährigen Veranstaltung kamen trotz der winterlichen Bedingungen ca. 250 Teilnehmer, darunter zahlreiche Praktiker. Die Moderation der Tagung unter der Überschrift „Optimierungsmöglichkeiten der in der Milchwirtschaft – An welchen Schrauben kann noch gedreht werden?“ lag in Händen von Prof. Dr. Dr. Matthias Gauly vom Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Uni Göttingen. Das Team der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) sorgte mit Spannplakaten, Infomaterial und einer Milchbar für das entsprechende milchwirtschaftliche Ambiente rund um die Veranstaltung.
Dr. Josef Pott, Geschäftsführer der Weser-Ems-Union eG, referierte über „Chancen und Risiken der genomischen Selektion“. Er wies darauf hin, dass die Zuchtbullen mit den höchsten genomischen Zuchtwerten auch die besten Zuchtwerte aus der Nachkommensprüfung haben. Diese Erkenntnis können die Zuchtorganisationen bei der Auswahl der Testbullen nutzen und damit insbesondere die Kosten im Bereich Wartebullen erheblich senken. Er machte deutlich, dass die Top 50 der jüngsten Generation Bullen mit genomischem Zuchtwert in 90 % der Fälle besser sein wird als die Top 50 der jüngsten ausschließlich nachkommensgeprüften Bullen. Durch die Nutzung der genomischen Selektion wird sich der jährliche Zuchtfortschritt von zur Zeit durchschnittlich drei Punkten in Zukunft auf vier Punkte pro Jahr erhöhen. Den Praktikern riet er, wegen der geringeren Sicherheit eines genomischen Zuchtwertes im Vergleich zu einem Zuchtwert aus der Nachkommensprüfung die Bullen mit den höchsten Zuchtwerten zu nutzen und mehrere Bullen gleichzeitig einzusetzen.
Markus Fahlbusch, Doktorand am Lehrstuhl für Landwirtschaftliche Marktlehre, Uni Göttingen, gab einen Überblick über die Weltmärkte für Milcherzeugnisse und stellte die Faktoren vor, die den zukünftigen Milchpreis bestimmen. Die EU ist Nettoexporteur, d.h. sie exportiert ca. 9 % ihrer Milchmenge. Da die Exporterstattungen seit Ende 2009 ausgesetzt sind und voraussichtlich nur noch bis 2013 einsetzbar sind, ist der Milchpreis in der EU mit einer 1-bis 3-monatigen Verzögerung an die Preisentwicklung handelbarer Milcherzeugnisse auf dem Weltmarkt gekoppelt. Die EU konkurriert direkt mit den für den Weltmarkt wichtigen Erzeugungsregionen und die europäischen Milcherzeuger bekommen tendenziell den gleichen Milchpreis wie die Neuseeländer, Australier und Amerikaner. Australien hatte 2007 einen Weltmarktanteil von 11 %, weist aber seit 2002 einen sinkenden Gesamttrend bei den Milchexporten auf. Neuseeland machte 33 % des Weltmarktes aus. Die USA hatte einen Weltmarktanteil von 8 %, verfügt aber über eine große und vor allem steigende Milchproduktion. Steigt die Produktion dort um 1 %, steigt der Exportanteil (bei unveränderter Nachfrage) um 14 %. Bei der anschließenden Diskussion wurde aber deutlich, dass letztlich alle Experten nicht in der Lage sind, das zukünftige Preisniveau vorherzusagen.
Dr. Rüdiger Fuhrmann von der Nord LB in Hannover ging auf das Liquiditätsmanagement bei volatilen Preisen ein. In diesem Zusammenhang riet er den Milcherzeugern generell, zunächst die Produktionstechnik zu optimieren und dann zu investieren. Die Tilgungsraten sollten nicht zu hoch sein, um bei Preistälern Eigenkapital als Puffer zu haben. Die Finanzierung sollte sich am Abschreibungszeitraum orientieren.
Christiane Brandes vom Innovationsteam Brandes in Heiddorf stellte in ihrem Vortrag aktuelle Trends beim Bau moderner Milchviehställe vor. Dabei ging sie z.B. auf die Gestaltung von Tiefboxen ein, die ihrer Meinung nach von größter Bedeutung für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Milchkühe sind. Zur Optimierung der Luftversorgung sollte man den Einsatz von Ventilatoren in Betracht ziehen. Bei den Stallböden sprach sie sich für planbefestigte Böden mit Raute aus. Gummiböden haben den Nachteil, dass die Elastizität des Materials schnell nachlässt. Außerdem plädierte sie für breite Lauf-und Fressgänge.
Dr. Jürgen Rothert, Agraringenieur und Tierarzt von der Agroprax GmbH in Ankum hatte die Aufgabe, speziell auf die Rolle der Milchviehfütterung im Zusammenhang mit der Tiergesundheit einzugehen. Er machte zunächst deutlich, dass jeder Betrieb als Einheit zu sehen ist und sprach sich für eine kontinuierliche Bestandsbetreuung aus. Bezüglich der Fütterung ging er vor allem auf die Umsetzung der Stärke im Pansen ein.
LVN/Fritsch
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