Milchwirtschaft Auszeichnung der Jahresbestleistungen 2008

Milchwirtschaft in Niedersachsen: Auszeichnung der Jahresbestleistungen 2008

Basis für die Auszeichnungen waren die Ergebnisse der amtlichen und freiwilligen Güteprüfungen. Sie bescheinigten den beteiligten Molkereien eine hervorragende Qualität ihrer Produkte. Zudem wurden einzelne Mitarbeiter ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um die Verbesserung der Produktqualität verdient gemacht hatten. Somit standen die Bedeutung von Qualität und Qualitätssicherung an erster Stelle der Nachmittagsveranstaltung. Einen großen Raum nahm aber auch die aktuelle Marktlage ein, die insbesondere bei den Grußworten der prominenten Gastredner zum Ausdruck kam.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Leo Heymann, Vorsitzender des Verbandes der Milchwirtschaftler Weser-Ems e.V.. Sowohl die Höchstpreise für Milchprodukte im Jahr 2007 als auch der jähe Absturz der Produktpreise und in deren Gefolge der Milchauszahlungspreise an die Milcherzeuger waren Ereignisse, die die Branche in dieser Form noch nicht erlebt hat. Trotz der desolaten finanziellen Lage machte Leo Heymann deutlich, dass ein hoher Qualitätsstandard für die Molkereien zur Selbstverständlichkeit geworden ist und dass sich daran nichts ändern wird.

Hans-Heinrich Ehlen, Niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, nannte den Tiefstand der Milchauszahlungspreise historisch und verwies auf die Bedeutung des Exportes für das „Milchland Niedersachsen“. Letzteres sei ein Titel, auf den er bei vielen Veranstaltungen außerhalb Niedersachsens angesprochen werde und der den Stellenwert der Milchwirtschaft für die Land- und Ernährungswirtschaft Niedersachsens unterstreicht. Wichtig für die Milcherzeuger in der aktuellen Lage ist es, liquide zu bleiben. Zusammen mit seinen Länderkollegen hat er sich daher für das Vorziehen der Prämienzahlungen und für Liquiditätshilfen durch die Landwirtschaftliche Rentenbank eingesetzt.

Für das Landvolk Niedersachsen Landesbauernverband e.V. begrüßte Präsident Werner Hilse die Gäste. Er stellt die aktuelle der Krise der Milchwirtschaft in den übergeordneten Zusammenhang mit der allgemeinen Finanz- und Wirtschaftskrise, die er noch lange nicht am Ende sieht. Für die Landwirtschaft sei aber schon wieder eine Verbesserung in Sicht. So ist er sich sicher, dass die Getreidepreise in 2010 steigen werden. Die Milchwirtschaft forderte er auf, weiterhin die Märkte, insbesondere die Exportmärkte, zu entwickeln.

Sigrid Fredrich, Milchreferentin im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, übermittelte die Grüße von Ministerin Petra Wernicke. Sie ergänzte zu den Aussagen von Minister Ehlen, dass das Land Sachsen-Anhalt derzeit die Übernahme von Bürgschaften für die Kredite der Landwirtschaftlichen Rentenbank an landwirtschaftliche Betriebe prüft. Die Landesregierung hat außerdem eine ständige Arbeitsgruppe mit den Molkereien, den berufständischen Verbänden und der Verwaltung eingerichtet. Im Übrigen strich sie die Gemeinsamkeiten der Milcherzeugung beider Bundesländer hervor, indem sie, sicherlich zur Überraschung aller, an die enge Verbindung der Rinderzucht in der Altmark und in Ostfriesland erinnerte.

Peter Cornelius, Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V., dankte den milchwirtschaftlichen Fachleuten für ihre Leistung, die der gesamten niedersächsischen Milchwirtschaft zugute kommt. Auf der Stufe der Milcherzeugung steht das QM-Milch-System nach wie vor als ein Garant für nachweisliche Qualität. Zur aktuellen Preissituation merkte er an, dass die Molkereiwirtschaft zwar versuchen müsse, dem Handel in der Preisverhandlung Paroli zu bieten, letztlich sei der Handel aber als Partner zu sehen, um am Markt höhere Preise durchzusetzen.

Die hervorragenden Ergebnisse der amtlichen und freiwilligen Güteprüfungen des Jahres 2008 kommentierte Dr. Lutz Rudzik, Leiter des Instituts für Lebensmittelqualität der LUFA Nord-West in Oldenburg. Zuvor ging er auf das Neuordnungsverfahren für den Ausbildungsberuf Molkereifachmann/-frau ein. Mit Beginn des Ausbildungsjahres 2010/11 wird der Abschluss der weiterhin 3-jährigen Ausbildung „Milchtechnologin/Milchtechnologe“ lauten. Auf EU-Ebene wird erfolgreich an einer Harmonisierung der bisher sehr unterschiedlichen Ausbildungswege und Lehrinhalte in der Milchwirtschaft gearbeitet.

Den Wanderpreis des niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung in Hannover erhielten fünf Molkereien. Sieben weitere Betriebe wurden mit einer Urkunde der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen ausgezeichnet. Die Landesverbände würdigten darüber hinaus sieben Fachleute, die sich in ihren Unternehmen in besonderem Maße um die Sicherung und Verbesserung der Produktqualität verdient gemacht hatten. Gleichzeitig erfolgte die Auszeichnung von sechs Unternehmen und vier Fachleuten aus Sachsen-Anhalt durch das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt in Magdeburg.

Eine Aufstellung der ausgezeichneten niedersächsischen Betriebe und Fachleute für das Jahr 2008 liegt zum Downloaden bereit.

Bewusst als „Horizonterweiterung“ gilt der abschließende Festvortrag der Frühjahrsveranstaltungen. Es wird daher meist ein Thema und ein Referent von außerhalb der Milchwirtschaft gewählt. Dieses Mal berichtete der Leiter des LAVES-Instituts für Bienenkunde in Celle, Dr. Werner von der Ohe, über „Stressfaktoren im Bienenvolk“. Eine Parallele zur niedersächsischen Milchwirtschaft sieht er insofern, dass die Imkerei in Niedersachsen eine ähnlich wichtige Rolle innerhalb Deutschlands einnimmt wie die Milchwirtschaft. Er fasste dies in der Aussage zusammen, dass Niedersachsen das Land ist, „in dem Milch und Honig fließt“. In seinem Vortrag ging er dann auf die verschiedenen Gefahren für die Bienenvölker wie die Varroose oder die falsche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ein.

LVN/Fritsch

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