Milchprodukte: Schutzfaktor in Hinblick auf Prävention und Behandlung von Mangelernährung im Alter?

01. September 2019

Milchprodukte: Schutzfaktor in Hinblick auf Prävention und Behandlung von Mangelernährung im Alter?

Schon im Grußwort von Heidemarie Helmsmüller vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung wurde die bedeutende Rolle der Ernährung als Faktor für gesundheitliche Vorbeugung deutlich. Bereits jetzt ist jeder vierte Niedersachse über 60 Jahre alt; diese Entwicklung werde sich bis 2050 noch verstärken. Dann werden 33 % der Bevölkerung zu der Gruppe der über 60-jährigen gehören. Die Anzahl der Hochbetagten, d. h. Personen, die 80 Jahre alt oder älter sind, wird sich den Vorausberechnungen im Jahr 2050 von heute 4,7 % auf 11,3% mehr als verdoppeln.

Prof. Dr. Ulla Walter vom Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover referierte vor den gut 130 Fachkräften aus den Bereichen Medizin, Ernährung und Pflege über die Möglichkeiten und Herausforderungen des aktiven und gesunden Alterns.

Die DGE-Qualitätsstandards für die Verpflegung in stationären Senioreneinrichtungen wurden von Prof. Ulrike Arens-Azevedo von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg vorgestellt. Aus Sicht der Milchwirtschaft ist in diesem Zusammenhang das von Prof. Arens-Azevedo als gravierend bezeichnete Ergebnis aus dem Ernährungsbericht 2008 hervorzuheben, nach dem die Nährstoffversorgung bei Vitamin D und bei Kalzium nicht ausreichend sei. Da die Milch als der optimale Lieferant dieser beiden Nährstoffe gilt, sollte ihr eine hohe Bedeutung in der Ernährung beigemessen werden. Dem kommen die Standards mit einer Empfehlung von 14 Verzehrsportionen innerhalb von 7 Tagen nach.

Auch aus dem Vortrag von PD Dr. Jürgen Bauer vom Geriatrischen Zentrum Oldenburg, der unter dem Titel „Mehr Freude am Essen wecken“ Ernährungskonzepte gegen Mangelernährung vorgestellt hat, konnte man gute Argumente für die Milch in der Ernährung heraushören.

Ein höheres Lebensalter bedingt Veränderungen im Stoffwechsel, der Appetitregulation und der Körperzusammensetzung, in deren Folge sich eine zunehmende Gefährdung für das Auftreten einer Mangelernährung entwickelt. Die Mangelernährung wiederum ist als ein wesentlicher Entstehungsgrund für den altersassoziierten Verlust an Muskelkraft und Muskelmasse, der sogenannten Sarkopenie, anzusehen. Von Ernährungsseite ist im Hinblick auf die Prävention und die Behandlung der Sarkopenie ein besonderer Wert auf eine ausreichende Versorgung mit Energie, Proteinen und Vitamin D zu legen. Konkret empfiehlt Bauer hier unbedingt die maximalen Werte für die Eiweißzufuhr zu erreichen. Ältere Menschen würden meist von Proteinportionen oberhalb der empfohlenen Dosis profitieren, sofern keine Niereninsuffizienz (Nierenversagen) vorliege. Das Eiweiß solle über mehrere Mahlzeiten verteilt zu sich genommen werden und es gilt, dass tierisches Eiweiß schneller verdaulich und besser verwertbar für die älteren Menschen ist. In der Praxis eigne sich daher ein Angebot mehrerer kleiner Eiweißportionen in Form von Milchprodukten zum Frühstück, zu den Zwischenmahlzeiten und zum Abendessen besser, um den Eiweißbedarf zu decken, als ein „extra großes Steak“ zum Mittagessen.

Im letzten Beitrag der Tagung berichtete Sigrun Kehrer aus der Praxis über das angewandte und inzwischen zertifizierte Ernährungskonzept im Klaus-Bahlsen-Haus. Dabei spielen Hausgemeinschaften eine Rolle, in denen die Senioren in familienähnlicher Atmosphäre, verbunden mit professioneller Pflege, leben. In den Hausgemeinschaften werden die Mahlzeiten vor Ort zubereitet und die Bewohner können aktiv an der Vor- und Zubereitung teilhaben.

Vor der Tagung und in der Pause nutzten die Zuhörer nicht nur die Möglichkeit ihren Protein-, Kalzium- und Vitamin D-Haushalt mit einem köstlichen Milchgetränk zu verbessern; sie waren auch sehr interessiert an den von der LVN heraus gegebenen Informationsmaterialien zu Osteoporose und Zahngesundheit, sowie an den Rezeptbroschüren und der CD-ROM zur Patientenberatung bei ernährungsbedingten Krankheiten.

LVN Möhring

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