EU-Agrarkommissar Dacian Ciolo? besucht Betriebe in Niedersachsen
Lindemann und Hilse hatten für das Besuchsprogramm des Agrarkommissars drei „typische“ niedersächsische Familienbetriebe auswählen lassen. Sie stehen für das Traditionsbewusstsein niedersächsischer Landwirte. Bei Heinz und Tochter Katrin Widdel in Wunstorf-Mesmerode steht dafür beispielsweise der hohe Kuhkomfort. Zweimal wurden sie dafür im Rahmen des niedersächsischen Milcherzeugerwettbewerbes „Milchlandpreis“ von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) ausgezeichnet. Immer wieder wurde der Kuhstall mitten im Ort modernisiert und auch erweitert, mit 145 ha Fläche und 85 Kühen liegen Widdels leicht über dem niedersächsischen Durchschnitt. Probleme bereiten der Familie aber Schutzauflagen zum Wasser-, Landschafts- oder Naturschutz, sie zählen damit zu den fast 50 % aller niedersächsischen Landwirte, die solche Vorgaben bereits erfüllen. Die Flächenkonkurrenz mit Industrieansiedlungen und Infrastrukturmaßnahmen schneidet Expansionspläne ab. „Bei uns wird jeder Quadratmeter gebraucht“, verdeutlichte Heinz Widdel dem Agrarkommissar. Die Stärke seines Hofes sah er in dem starken Engagement und dem Zusammenhalt in der Familie, die bereits in achter Generation den Hof führt. Tochter Katrin als angehende Nachfolgerin sprach sich gegen zu starke Einschnitte in ihre unternehmerische Freiheit aus, sie wirkten „demotivierend“.
Weitere Anlaufstellen waren der Veredelungsbetrieb der Familie Bothe in Hagenburg sowie der Hofladen der Familie Niemeyer in Mardorf.
Nach den Agrarreformvorschlägen von EU-Kommissar Dacian Ciolos soll zukünftig jeder landwirtschaftliche Betrieb 7 % seiner Flächen als ökologische Vorrangflächen zur Verfügung stellen und sie damit quasi aus der landwirtschaftlichen Produktion nehmen. Die Betriebsleiter machten die damit verbundenen Probleme wie zum Beispiel die notwendige Ersatzfutterbeschaffung und steigenden Pachtpreise deutlich. Minister Lindemann unterstrich die Aussagen der Betriebsleiter und warnte vor deutlichen Einkommenseinbußen für niedersächsische Betriebe, wenn die Greening-Vorschläge der Kommission so umgesetzt würden. Lindemann: „Die Agrarreform muss Familienbetriebe unterstützen und sollte sie in ihrer Weiterentwicklung nicht behindern.“
Landvolk-Präsident Werner Hilse sieht in den Greening-Vorschlägen ein völlig falsches Signal. Die Landwirte wollten die Herausforderungen annehmen, die sich über eine wachsende Weltbevölkerung und die in Deutschland beschlossene Energiewende ergäben. Daneben fühlten sich die Landwirte einer nachhaltigen Erzeugung ebenso selbstverständlich verpflichtet wie dem Erhalt der Kulturlandschaft. „Dies machen wir aber nicht an starren Prozentzahlen fest, sondern sehen den einzelnen Betriebsleiter in der Verantwortung“, verdeutlichte Hilse.
Weitere wichtige Themen der Gespräche waren die Brüsseler Überlegungen zur Definition „aktiver Landwirte“ sowie die wachsende Komplexität der EU-Agrarpolitik. Kommissar Ciolos warb für die Reformvorschläge und stellte die Bedeutung der Landwirtschaft für den ländlichen Raum und ihre Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität in Europa heraus.
Insgesamt wurde die große Bedeutung der europäischen Agrarpolitik für die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel und Agrarrohstoffe, die Bewältigung des Strukturwandels im ländlichen Raum sowie den Erhalt einer vielfältigen Kulturlandschaft unterstrichen.
Bilder vom Besuch des EU-Agrarkommissars finden Sie in der unten stehenden Bildergalerie.
ML/LPD/LVN
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