„Suppenküchen im Schlaraffenland – Armut und Ernährung in unserer Gesellschaft“
Bereits heute ist jede 7. Person in Deutschland durch Armut bedroht, Tendenz steigend. Dr. Thomas Lampert vom Robert-Koch-Institut, Fachgebiet Gesundheitsberichterstattung (Berlin), referierte als erster an diesem Tag über diese harten Fakten und zeigte u.a. auf, dass Menschen mit einem Armutsrisiko eine um fast zehn Jahre verringerte Lebenserwartung bei Geburt im Vergleich zu den ökonomisch am besten gestellten Bevölkerungskreisen aufweisen. Gründe für die geringere Lebenserwartung und damit einhergehend dem schlechteren Gesundheitszustand bei sozial niedrig gestellten Personen sieht die Wissenschaft u.a. im Gesundheitsverhalten und führt Punkte wie Rauchen und einseitige Ernährung auf.
Prof. Dr. Hans Biesalski, Universität Hohenheim, stellte seinen Vortrag unter das Thema „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein – Auswirkungen von Ernährungsarmut auf die Gesundheit“ und machte sofort deutlich, dass die Hauptursache einer unzureichenden Ernährung (Mangelernährung) in der Armut begründet ist. Armen Personen bleibt oft nichts anderes übrig, als energiedichte aber nährstoffarme Lebensmittel zu kaufen. 80% der täglichen Energie stammt aus Brot bzw. Getreide. Die Menschen werden zwar satt aber folglich nicht mit allen lebenswichtigen Nährstoffen versorgt und es kommt zu einer Mangelernährung. Besonders hart trifft dies Schwangere und Kleinkinder. Bisher kannte man Szenarien wie körperliche und geistige Zurückgebliebenheit aus Entwicklungsländern wie Afrika. Immer häufiger lassen sich auch Hinweise für Minderwuchs etc. auch in Europa ausmachen. Herr Biesalski machte mit eindringlichen Beispielen deutlich, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung für Kinder aus armen Familien ist, um aus dem Teufelskreis Armut und seinen Folgen auszubrechen.
Nach einer Pause und Stärkung an der Milchbar der LVN startete der Nachmittag mit der Frage „Wofür stehen Tafeln? Tafeln, Armut und schleichender Wandel – Analyse eines gesellschaftlichen Phänomens!“.
Eine Verbindung zwischen dem Thema Schulverpflegung und Kinderarmut schuf Frau Dr. Ulrike Arens-Azevedo, Präsidiumsmitglied der DGE, und fragte ihrerseits „Angebot, Qualität und Preis der Schulverpflegung – ein Armutszeugnis?“. Ihr Fazit: „Schulen sind eine ideale Lebenswelt, um Einfluss auf die Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen zu nehmen. Hinsichtlich der sozialen Unterschiede könnten gerade Schulen auch bei der Verpflegung wie ein echter Puffer wirken.“ Ausgewogene, qualitativ hochwertige und schmackhafte Kost ist nicht kostenfrei und einfach umsetzbar. Dennoch ist es bedeutsam, dass alle Rahmenbedingungen erfüllt werden. „Die Qualität der Mahlzeiten in der Schule hat einen unmittelbaren Einfluss auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und -bereitschaft“ und da Schulverpflegung eine Langzeitversorgung darstellt, leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur Prävention ernährungsmitbedingter Erkrankungen.
LVN/Nordemann
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