„Kuh-Controlling“ – ein Vortrag der Hochschule Emden/Leer im Kuhstall in Jemgum

19. September 2013

„Kuh-Controlling“ – ein Vortrag der Hochschule Emden/Leer im Kuhstall in Jemgum

Eine gut geführte Landwirtschaft benötigt detaillierte Controllingmaßnahmen, um gewinnbringend funktionieren zu können, so Silke Reblin. Die Bilanz von Ausgaben, Einnahmen und benötigtem Einkommen gestaltet sich besonders kompliziert, wenn lebendes „Kapital“ wie Kühe im Spiel sind. Amos Venema stellte in diesem Rahmen einige Kennzahlen des mittelfristig angelegten operativen Controllings dar. Die Kosten einer Kuh beinhalten unter anderem Futtermengen, notwendige technische Geräte und deren Wartung, Tierarzthonorare, Besamungen, Unterbringung der Tiere sowie schlecht kalkulierbare Verluste durch Umwelteinflüsse, Schwer- oder Totgeburten. Diese Ausgaben müssen aufgerechnet werden mit der Anzahl an Kühen, Liefermenge pro Kuh und den damit verbundenen Einnahmen durch die Milch – unzählige Werte, die der Landwirt jeden Morgen in den Computer tippt. „Daraus ergibt sich eine gute Datengrundlage für die nachhaltige Planung und Kontrolle von Abläufen“, berichtet Amos Venema.

Das strategische Controlling dagegen befasst sich mit der längerfristigen Unternehmensführung. Silke Reblin stellte in ihrem Vortrag zwei der Umfeldanalysen namens PEST und SWOT vor. „PEST beherzigt mehr den Makrokosmos eines Unternehmens“, so die Ökonomin – also das äußere Umfeld: politische, wirtschaftliche und technologische Aspekte sowie gesellschaftliche Interessen. Hinzu kämen rechtliche und ökologische Vorschriften. Die SWOT Analyse hingegen befasst sich mit dem Unternehmen selbst. Die Stärken und Schwächen werden mit den daraus resultierenden Chancen und Risiken abgeglichen. Was macht der Betrieb besonders gut? Welche Trends könnte er dadurch bedienen? „Es gilt, sich die Stärken zunutze zu machen, um eventuellen Risiken zu begegnen“, sagt die gebürtige Ostfriesin. Viel schwieriger sei es natürlich, die Schwächen des Unternehmens in Chancen umzumünzen oder sich gar den damit verbundenen Risiken zu stellen. Die Aufgabe des Controllings sei es nun, aus den gewonnenen Erkenntnissen Strategien für zukünftige Maßnahmen zu entwickeln, sodass mit den Jahren die Stärken schwerer wiegen als die Schwächen. Die beiden beschriebenen Analyse-Verfahren wurden gemeinsam mit der Venema GbR im Vorfeld durchgeführt und ein Teil der Ergebnisse wurde an diesem Vormittag den interessierten Gästen vorgestellt, so dass sich das strategische Controlling gut an dem Beispiel des Milchviehbetriebes der Venema GbR veranschaulichen ließ.

Nach dem Vortrag gab es noch ausreichend Zeit für Diskussionen, Austausch und Fragen – und das, wenn man sich schon in einem Stall voller Milchkühe befindet – natürlich bei einem leckeren Glas Milch. Dafür sorgte an diesem Vormittag die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) und brachte zudem noch ihre Rezeptbroschüren für die Gäste mit, die zum Nachmachen animieren.

Eindrücke der Veranstaltung erhalten Sie in unserer Bildergalerie.

Hochschule Emden/Leer/LVN/Deckert

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