Milchexperten sprechen sich gegen freiwilligen Produktionsverzicht aus

19. September 2013

Milchexperten sprechen sich gegen freiwilligen Produktionsverzicht aus

In dem Papier mussten Prof. Ludwig  Theuvsen  von der Universität Göttingen, Prof. Paolo  Schokai  von der italienischen Università Cattolica del Sacro Cuore und Prof. Joost Pennings  von der Universität Maastricht unter anderem zur folgenden Frage Stellung nehmen: Wie könnte eine mögliche Produktionsentschädigung praktikabel und wirksam umgesetzt werden? Die Antwort lautete dreimal: gar nicht. Die Akademiker warnen vor hohen Belastungen für den EU-Haushalt, viel zusätzlicher Bürokratie und versteckten Kosten, während das Ziel, nämlich eine Verringerung von Preisschwankungen, nicht erreicht werden dürfte. Die praktische Umsetzung sei äußerst schwierig. Die Erzeuger erhielten falsche Preissignale und den Anreiz, das System zu missbrauchen.

Die Wissenschaftler gehen nicht davon aus, dass das Ende der Milchquoten ab April 2015 dem Binnenmarkt einen Schock versetzen wird. Schließlich sei die Liberalisierung bereits heute weit fortgeschritten. Gleichzeitig räumen sie mit Blick auf künftige Marktschwankungen durchaus die Notwendigkeit eines Sicherheitsnetzes ein. Hier sollte jedoch das bisherige Instrumentarium mit Intervention und Beihilfen für die private Lagerhaltung beibehalten werden.

Als nützlich erachten die Experten ferner die weitere Unterstützung von Erzeugerorganisationen und Genossenschaften sowie die Förderung von Produkten mit hohem Mehrwert, insbesondere auch mittels geschützter Ursprungsbezeichnungen (g.U.) und geschützter geographischer Angaben (g.g.A.). Die EU-Erzeuger dürften bei einfachen Produkten wie Butter oder Milchpulver gegen den Kostenführer Neuseeland einen schweren Stand am Weltmarkt haben. Mit Blick auf regionale Ungleichheiten hält eine zweite Forschergruppe die ländliche Entwicklung für das Mittel der Wahl, um benachteiligten Erzeugern besonderen Beistand zu leisten.

AgE/LVN

Das könnte dich auch interessieren