Ernährungskommunikation

14. November 2013

Fachtagung „Ernährungskommunikation“ in Oldenburg

Jens Krüger von TNS Infratest begann nach der Begrüßung mit seinem Impulsvortrag zur Kommunikation im Internet „Wertewandel – Kommunikation in der Netzwerkgesellschaft“. Im Zeitalter der „Selbstoptimierer“ gebe es den Trend, dass Konsumenten bestehende Produkte nicht einfach annehmen. Sie hätten den Wunsch, sich direkt an der Erstellung zu beteiligen oder ihre Meinung zum Produkt, zum Teil massiv, auf verschiedenen Kanälen zu äußern. In der Industriekultur waren, so Krüger, klare Hierarchiestrukturen von oben nach unten angelegt. In der jetzigen Zeit gehe es vermehrt darum, Verbindungen mit Gleichgesinnten aufzubauen und Meinungen kundzutun. Die Verbindung und das Vertrauen zu Gleichgesinnten nähmen zu. Zum Beispiel seien die Inhalte für den Bereich Gesundheit in den letzten drei Jahren um 400 % gestiegen. Insgesamt sei eine Wikisierung von Wissen (Wissen für jeden und von jedem im Internet, Bsp. Wikipedia) sowie Privatisierung des Internets zu beobachten. Eine Grundherausforderung sah Krüger darin, in dieser Informationsflut, in der die Überforderung des Einzelnen zunehme, die eigene Kommunikation so zu optimieren, dass sie von anderen wahrgenommen werde. Er schlug vor, vermehrt vertrauensbildende Maßnahmen unter Berücksichtigung der „aktuellen Werte“ wie Freiheit, Gesundheit, Familie und Gemeinschaft zu ergreifen.
Nach der Kaffeepause, in der am Stand der Landesvereinigung auch eine erfrischende Alternative mit Milch – Shakes angeboten wurde, schloss sich der nächste Vortrag an. Antje Gahl von der DGE in Bonn berichtete über den Wandel der Kommunikation der Fachgesellschaft.
Vom Marktforschungsinstitut iconKids & Youth sprach Ingo Barlovic über die Ernährungskommunikation für Jugendliche. „Mit dem erhobenen Zeigefinger erreichen Sie gar nichts!“, so Barlovic. Als Kommunikationsleitlinien für diese Zielgruppe stellte er verschiedene Punkte heraus. Die Eltern als Vorbild sowie die Peer Group (Kinder derselben Altersklasse) spielten eine besondere Rolle und das genaue Beschreiben der Zielgruppe, z.B. wie alt ist sie, welches Geschlecht hat sie, wie sieht ihre Erlebniswelt aus, seien wichtig.
Über die „Kommunikation in der Eins-zu-Eins Situation“ mit dem Klienten berichtete Julia Kugler. Als herausfordernde Situation in der Beratung sah sie die aktuelle Informationsüberflutung und das große selbstbeigebrachte Wissen über Ernährung und Gesundheit. Darüber hinaus gab sie gute Tipps, wie die direkte Kommunikation besser gelinge.
„Der Lebensmittelskandal der Woche“, in diesem abschließenden Vortrag ging PD Dr. Gaby-Fleur Böl vom Bundesinstitut für Risikobewertung der Frage auf den Grund, wie sicher unsere Lebensmittel sind. Die wissenschaftliche Bewertung von Risiken erfolge anhand der Betrachtung der Gefährlichkeit eines Stoffes und des möglichen Kontaktes mit dem Stoff unter den üblichen Bedingungen für den Durchschnitt der Bevölkerung. Das bloße Vorhandensein eines Rückstandes stelle aber nicht grundsätzlich ein Risiko dar. Erst bei Konzentrationen, die weit über den geltenden Rückstandshöchstgehalten in einem Lebensmittel lägen, würden Grenzwerte wie der ADI, also die akzeptierte tägliche Aufnahme, erreicht. Die Risikowahrnehmung der Verbraucher sei höher als das tatsächliche Risikopotenzial, denn man orientiere sich in der Bewertung eines Risikos, z.B. an Kontrollierbarkeit oder Schrecklichkeit. Gefühlte Risiken würden darauf beruhen, dass Laien die wissenschaftliche Risikoabschätzung oft nicht oder falsch verstünden bzw. es nicht gelungen sei, die wissenschaftlichen Daten verständlich und trotzdem differenziert darzustellen.
Zum Abschluss der Veranstaltung wurde Hanna Boklage nach mehreren Jahrzehnten als Mitarbeiterin bei der DGE in Oldenburg verabschiedet. Die LVN bedankt sich für die vielen Jahre der guten Zusammenarbeit und wünscht Frau Boklage alles Gute in ihrem Ruhestand.
LVN/Kraack

Das könnte dich auch interessieren