Zwischen den Stühlen – Kinder im Spannungsfeld von kulturellen und alternativen Ernährungsformen
Laupert-Deick wies darauf hin, dass es in der Ernährungsberatung nicht um eine Lebensstil-Beratung gehe, sondern es wichtig sei, eine wissenschaftliche Bewertung zur vegetarischen und veganen Ernährung abzugeben und die Gefahren dieser Ernährungsformen aufzuzeigen. In einem zweiten Vortrag stellte Johanna-Elisabeth Giesenkamp vom WABE-Zentrum der Hochschule Osnabrück die wichtigsten religiösen Speisevorschriften aus Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus und Hinduismus vor. Beide Referate boten reichlich Diskussionsstoff für das sehr interessierte Publikum, darunter Ernährungsberaterinnen, Lehrer und Erzieher.
Vegane Ernährung für Säuglinge und Kinder nicht geeignet
„Eltern wollen immer das Beste für ihre Kinder, mit 3 Jahren Englischkurse, mit 5 Jahren Klavierstunden. Um diese „Höchstleistungen“ zu vollbringen, brauchen Kinder eine gesunde Ernährung als Fundament“, so Laupert-Deick. Eine vegane Ernährung biete dieses Fundament nicht, zumal es keine konkreten veganen Pläne für die Kinderernährung gäbe, ergänzte sie. In Internetforen, in denen sich vegane Eltern gern informieren, würden Informationen und theoretische Empfehlungen zur veganen Ernährung ausgesprochen, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrten.
Nur eine professionelle, qualifizierte und sehr einfühlsame Ernährungstherapie mit detaillierter und PC gestützter Auswertung der Essgewohnheiten gäbe den Eltern einen Einblick in Defizite und Möglichkeiten der Verbesserung.
Vegane Ernährung kommt ohne Nahrungsergänzungsmittel nicht aus
Eine Gefahr sah die Ernährungsberaterin insbesondere in der Versorgung mit Vitamin B12. 83 % der erwachsenen Veganer, aber auch 65 % der Lacto- bzw. der Lacto-Ovo-Vegetarier, die keine Supplemente (= Nahrungsergänzungsmittel) zu sich nehmen, weisen einen Vitamin B12 – Mangel auf.


Müdigkeit, Bauchschmerzen, Konzentrationsstörungen bis zu irreversiblen neurologischen Schäden können die Folge sein.
Laupert-Deick lieferte den Teilnehmern vielfältige praxisnahe Informationen und Argumentationshilfen. „Je abwechslungsreicher die Ernährung, also je mehr verschiedene Lebensmittel in den Speiseplan eingebaut werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und Jugendliche gut mit Nährstoffen versorgt werden“, bekräftigte sie zum Abschluss.
Religionen an einem Tisch
„Die Berücksichtigung der religiösen Speisevorschriften bietet die große Chance, in Kita und Schule gemeinsam essen zu können unabhängig vom religiösen Hintergrund der Essensteilnehmer/innen“, stellte die Ökotrophologin Johanna Giesenkamp heraus. „Einige Schulen arbeiten bereits nach einem solchen Konzept. Die Umsetzung wird hier pädagogisch begleitet.“ Oft stelle sich auf Rückfrage bei Kindern und Jugendlichen auch heraus, dass die Speisevorschriften im Alltag nicht so idealtypisch umgesetzt werden, wie dies erwartet wird. Für die praktische Umsetzung gab sie den Tipp: „Wenn es nur eine einzige gemeinsam verzehrte Speise geben soll, die für Angehörige aller fünf Religionen geeignet ist, sollte auf ein vegetarisches Angebot zurückgegriffen werden.“ Wenn es die Möglichkeit gäbe, mehrere Speisen anzubieten, können auch Fleischspeisen angeboten werden. In diesem Fall gäbe es mehr Variationsmöglichkeiten für eine abwechslungsreiche Ernährung.
Die gleiche Veranstaltung wird am 27.11.2014 in Köln durchgeführt.
LVN/Licher
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