Molkereierzeugnisse günstiger

Prozentual zweistellig: Lebensmittelhandel senkt und hebt Preise für Milcherzeugnisse

In der gesamten EU lieferten Landwirte im ersten Quartal 2018 mehr Milch an ihre Molkereien, wobei das Wachstum in den letzten Wochen etwas nachgab. Auch in Niedersachsen lag die Milchanlieferung kumuliert in den ersten 16 Kalenderwochen knapp bei drei Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Während der Eiweißgehalt in der Anlieferungsmilch über dem Vorjahr liegt, ist der Fettgehalt im Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen der letzten zwei Jahre leicht unterdurchschnittlich.

Frank Feuerriegel, Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN), versteht aufkei-mende Sorgen der Milchbauern. Eine Abwärtsspirale sieht er allerdings nicht. „Der Markt hat sich geändert. Die unter-schiedliche Verwertung von Milch fällt immer stärker ins Gewicht“, sagt Feuerriegel. Während die Preise im Fettmarkt steigen, verharren sie im Magermilchpulvermarkt seit längerer Zeit auf einem sehr niedrigen Niveau. Dazwischen liegen die Milchfrischeprodukte. Da sich diese Tendenzen gegenseitig aufheben, „haben wir zurzeit eine Stagnation des Marktes, die es früher so nicht gegeben hat“, erklärt Feuerriegel.

Setzt man nun die alten und die neuen Preise von Trinkmilch und Butter mit den pro Kopf-Verbräuchen von 2016 in Deutschland ins Verhältnis, lässt sich folgendes festhalten: Die Kosten der Verbraucher pro Monat für Butter steigen um 0,393 Euro (bei einem Verbrauch von 0,49 Kilo im Monat) und bei der Trinkmilch gehen sie um 0,392 Euro (bei einem Verbrauch von 4,36 Kilo im Monat) zurück. „Der Verbraucher zahlt folglich im monatlichen Durchschnitt nicht mehr für Butter und Trinkmilch, nimmt man beides zusammen“, sagt Feuerriegel. „Nicht berücksichtigt sind hier jedoch die Preisentwicklungen der weiteren Molkereiprodukte im Sortiment der Lebensmittelhändler. Auch hier kündigt der Discounter Vergünstigungen an.“ Gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 4.5.2018 bestätigten Aldi Nord, Norma und Lidl bereits Preissenkungen.

Trotz der aktuellen Preisrücknahmen im Bereich des Milchfrischesegments, gibt es beim Käse Preisbefestigungen. Die steigende Nachfrage nach Käse, sowohl innerhalb der EU sowie auch aus Drittländern, kann das aktuelle Mengenwachstum aufnehmen. „Es ist zu hoffen, dass die Preisrücknahmen, die der Handel aktuell umsetzt, durch steigende Erlöse bei Butter (Entwicklung des Butterpreises seit Anfang 2016 zeigt die oben stehende Grafik), Käse und anderen fetthaltigen Milchprodukten aufgefangen werden können und dies zumindest zu einer Stabilisierung des derzeitigen Erzeugerpreisniveaus führt“, so Feuerriegel.

Grund für den starken Rückgang beim Preis für Trinkmilch sei vor allem die zuletzt wieder gestiegene Milchmenge, sagte Dr. Björn Börgermann vom Milchindustrie-Verband e.V. (MIV). Allerdings: „Die weltweite Lage am Milchmarkt ist derzeit äußerst indifferent.“ Während die Milchmenge in Irland und Neuseeland jüngst unter dem Vorjahresniveau blieb, steigerten die USA als weiterer wichtiger Milch-Exporteur auf den internationalen Märkten die Produktion deutlich.

n-tv/LVN

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