

Die Behandlung klinischer Mastitiden gehört zu den häufigsten Gründen für den Einsatz von Antibiotika in Milchkuhbetrieben. Rund 85 Prozent der klinischen Fälle verlaufen mild oder moderat.
Gerade hier stellt sich in der Praxis die Frage, welches Präparat für die lokale, intramammäre Behandlung der Mastitis gewählt werden sollte. Nankemann et al. (2026) vergleichen die in Deutschland marktgängigen antibiotischen Euterinjektoren anhand fachlicher, praktischer und wirtschaftlicher Kriterien.
Entscheidend für eine erfolgreiche Therapie ist grundsätzlich die bakteriologische Heilung, also die vollständige Eliminierung des verursachenden Erregers. Für die in Deutschland verfügbaren Euterinjektoren gibt es derzeit allerdings keine randomisierten klinischen Studien, die relevante Unterschiede bei den erreichbaren Heilungsraten belegen. Nankemann et al. (2026) folgern deshalb, dass die Präparateauswahl zusätzlich anhand anderer Kriterien erfolgen muss: Dazu zählen das Resistenzprofil des Erregers, die Einordnung des Wirkstoffs nach den Kategorien der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), die Zahl und Häufigkeit der Anwendungen, die Wartezeit für Milch sowie die Behandlungskosten.
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Sofern die Infektion antibiotisch behandelbar ist und keine Resistenzprobleme dagegensprechen, sollten bei milden und moderaten Mastitiden Präparate mit nicht-kritischen Wirkstoffen und möglichst kurzer Milchwartezeit bevorzugt werden. Für Präparate mit mehreren antibiotischen Wirkstoffen sowie für solche mit kritisch wichtigen Wirkstoffen sehen Nankemann et al. (2026) derzeit keinen belegten zusätzlichen Nutzen hinsichtlich der Heilungsrate. On-Farm-Diagnostik kann die Entscheidung unterstützen, indem beispielsweise die Erregergruppe bestimmt und die Penicillinempfindlichkeit abgeschätzt wird.
Nicht nur der Wirkstoff zählt: Wartezeit, Kosten und Anwendung im Blick
Auch wirtschaftlich spielt die Wartezeit eine größere Rolle als der reine Medikamentenpreis. In der Modellrechnung der Studie machten die Kosten für nicht lieferbare Milch während Behandlung und Wartezeit im Durchschnitt rund 80 Prozent der direkten Behandlungskosten aus. Ein teureres Präparat kann deshalb insgesamt günstiger sein, wenn die Milchwartezeit deutlich kürzer ist. Bei den untersuchten Präparaten lagen die berechneten Gesamtkosten pro Fall deutlich auseinander. Die Berechnung basiert allerdings auf festen Annahmen, unter anderem 30 kg energiekorrigierter Milch pro Tag, 0,50 Euro je kg Milch und 20 Euro Arbeitskosten pro Stunde.
Neben Wirksamkeit, Resistenzlage und Kosten gewinnen auch betriebliche Abläufe an Bedeutung. Eine nur einmal tägliche Anwendung kann beispielsweise auf Betrieben mit Fremdarbeitskräften oder automatischen Melksystemen die Durchführung erleichtern. Diese sogenannten „weichen Kriterien“ dürfen die fachliche Entscheidung aber nicht ersetzen. Nankemann et al. (2026) empfehlen, die Auswahl gemeinsam zwischen Tierarztpraxis, Betriebsleitung und den mit der Behandlung betrauten Mitarbeitenden zu treffen und sie durch Erregerdiagnostik, regelmäßige Resistenzkontrollen, hygienische Anwendung und eine Kontrolle des Behandlungserfolgs abzusichern.
Fazit: Den einen „besten“ Euterinjektor gibt es nach derzeitiger Datenlage nicht. Maßgeblich bleiben die erwartete bakteriologische Heilung und die Empfindlichkeit des Erregers. Wenn diese Kriterien keine klare Präferenz ergeben, sprechen nach Nankemann et al. (2026) insbesondere nicht-kritische Wirkstoffe, kurze Milchwartezeiten und eine gute praktische Umsetzbarkeit für ein Präparat.
Weitere Details, die vollständige Gegenüberstellung der untersuchten Euterinjektoren sowie die wirtschaftlichen Berechnungen finden sich im englischsprachigen Originalartikel „Which criteria can be used to select antibiotic intramammary tubes for non-severe clinical mastitis therapy?“ (Nankemann, F., Tellen, A., Leon, L., Krömker, V. (2026), Milk Science International 79.
LVN
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