Ahlemer Fachtagung 2010: Verpackung – effizient und nachhaltig

Ahlemer Fachtagung 2010: Verpackung – effizient und nachhaltig

Maßnahmen zur Effizienzsteigerung müssen mit Augenmaß durchgeführt werden, erklärte Prof. Matthias Weiß von der FH Hannover. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Frage welches Optimierungswerkzeug wann zur Problemlösung geeignet ist. Mit „Wie effizient sind Effizienzmaßnahmen?“ brachte Matthias Weiß es auf den Punkt.
Verpackungslinien sind i.d.R. über die Zeit hin gewachsen, so dass jede Anlage im Prinzip ein Einzelstück darstellt. Abfüllmaschinen alleine laufen mit 95 % Wirkungsgrad, wenn sie aber in einer Linie mit sekundären Verpackungsanlagen stehen, geht die Linieneffizienz durchaus auf 50 – 60 % zurück – diese Feststellung von Matthias Weiß bestätigte in der Diskussion auch der ehrenamtliche Vorsitzende des Ahlemer Hochschulforums und MUH-Chef, Rainer Sievers. Abhilfe schafft das Entkoppeln von Linienteilen über zwischengebaute Puffer.

Kritik
Kritisiert wurde auf der Tagung, dass Hersteller von Verpackungsanlagen zuweilen eher am Verkauf hoher Stückzahlen als am After Sales Service interessiert sind. Optimierungen von Anlagen erfolgen möglicherweise erst vor Ort beim Kunden statt schon in der Konstruktion, mit entsprechend teuren Folgekosten für die Abfüllbetriebe.

Ganzheitliche Sicht
Dass Hersteller von Verpackungsanlagen ihre Aufgabe durchaus auch anders begreifen, zeigte sich im Vortrag von Bernd Altringer, ATLANTIC C. Sein Haus, so Bernd Altringer, sehe die Anlagen von Anfang an ganzheitlich und verstehe sich mehr als Integrator denn als bloßer Maschinenbauer. Daneben stehen Rüst- und Wartungsoptimierung sowie bedieneroptimierte Aufstellung schon bei der Konstruktion oben an. Gutes Ersatzteilmanagement und Fernwartung sind weitere Bausteine für ein gutes Management von Verpackungslinien. Betreiber von Verpackungsanlagen sollten in Kategorien wie OEE (Overall Equipment Efficiency) und TCO (Total Cost of Ownership) denken. Wie schwierig moderne Verpackungsaufgaben zum Teil geworden sind, zeigte Altringer anhand zahlreicher Projektbeispiele aus der Praxis auf. Mischtrays, Displayaufstellungen usw. stellen höchste Anforderungen an Flexibilität und Zuverlässigkeit. Auch ATLANTIC C spricht sich für die Entkopplung sensibler Bereiche durch dynamische Akkumulatoren aus: Bei einer Joghurtabfülllinie wurde durch den Einbau eines Puffers für 1,5 Min. Laufzeit der Gesamtwirkungsgrad um 4,5 % gesteigert.

Praxis
Aus Sicht der Praxis schilderte Rainer Frerich-Sagurna, Geschäftsführer bei Kellogg Manufacturing in Bremen, seine Erfahrungen mit Verpackungsanlagen. Das Produktionswerk in Bremen steht im Kellogg-Verbund interna-tional in Sachen Effizienz mit an der Spitze. Bei einer in den vergangenen Jahren verdoppelten Produktionska-pazität konnten die Lohnkosten um 30 % gesenkt und die Effizienz der Abpackung um 37 % gesteigert werden.
Rainer Frerich-Sagurna führt dies vor allem auch auf die Philosophie des Unternehmens zurück, die er mit „Respekt für den Anlagenbediener“ umschrieb. Bediener haben die meiste Erfahrung mit den Maschinen und wissen am besten, wo Schwachstellen liegen. Die Werksleitung dürfe dem Personal bei Effizienzproblemen keinen Druck machen, sondern sollte eher Hilfe zur Problembewältigung anbieten. Dabei versteht sich, dass von vornherein auch auf ausreichende Qualifikation der Anlagenbediener geachtet werden muss und diese auch über aktuelle Informationen über den Status ihrer Linien verfügen.
Für Rainer Frerich-Sagurna stehen im Alltag vor allem Wiederanlaufzeiten nach Störungen im Fokus. Sie gilt es zu minimieren, denn 75 % aller Maschinenstillstände werden durch Mikrostörungen verursacht. Verschleißteile müssen Standardteile sein, Maschinen dürfen keine „toten Ecken“ haben, müssen für Umbau, Wartung und Reparatur leicht zugänglich sein und sie dürfen nicht konstruktionsseitig überladen sein. Außerdem sei darauf zu achten, dass sich die Bediener nicht unnötig an der Maschine hin und her bewegen müssen.

Neue Werkstoffe
Der zweite Abschnitt der Ahlemer Fachtagung war innovativen Verpackungswerkstoffen gewidmet. Eingangs regte Prof. Hans-Josef Endres, FH Hannover, zum Nachdenken über den Begriff Nachhaltigkeit an. In der Betrachtung dürfe Nachhaltigkeit nicht mit bloßem Senken des Carbon Footprint verwechselt werden. Zudem müsse auch der Nutzen der verpackten Produkte bedacht werden – Hans-Josef Endres: „Wo wäre der Milch-verbrauch ohne Verpackung?“.
Im Weiteren beschrieb Hans-Josef Endres Biopolymere, die als entweder biobasiert oder biologisch abbaubar definiert sind, und daher durchaus auch Mischungen mit petrochemischen Polymeren darstellen können. In vielen Bereichen zeigen diese Biopolymere heute schon mit den traditionellen Kunst- bzw. Packstoffen vergleichbare Leistungen. Mehr Informationen hierüber sind auf materialdatacenter.com verfügbar.

Nachhaltigkeit & Convenience
Bei Lebensmitteln entfallen 90 % des PCF (Product Carbon Footprint) auf das Produkt selbst und nur 10 % auf die Verpackung. Daher, so Dr. Annett Kaeding-Koppers von WIPAK Walsrode, wird klar, dass die Verpackung maximalen Produktschutz und Funktionalität gewährleisten muss. Kluges Design von Verpackungen kann die Gesamteffizienz verbessern, was Dr. Annett Kaeding-Koppers am Beispiel portionsgerechter und/oder logistik-optimierter Verpackungen deutlich machte.
Umweltfunktionen von Verpackungen werden vom Verbraucher oft als lästig empfunden, Conveniencefunktio-nen sind dagegen mit die besten Verkaufshilfen – dies zeigte Prof. Rainer  Brandt, FH Hannover, auf. Dabei bezieht sich Convenience nicht nur auf Öffnen & Schließen, sondern auf den gesamten Umgang des Verbrau-chers mit der Packung.

Aktive Verpackungen
Das Fraunhofer Institut Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV; ivv.fraunhofer.de) in Freising hat eine spezielle transparente Verpackungsfolie für Käse entwickelt. Diese Folie verringert über einen sorbinsäurehaltigen Lack das Wachstum von Keimen oder Schimmel auf verpackten Käsestücken deutlich. Carolin Hauser vom IVV be-richtete, dass diese Folien auch nach der Lackbeschichtung transparent und flexibel sind und nur eine geringe Menge an Sorbinsäure abgeben.

FH Hannover / molkerei industrie / LVN

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