Antibiotikaresistenzen: BfR sieht Handlungsbedarf für Tierhaltung

12. Februar 2015

Antibiotikaresistenzen: BfR sieht Handlungsbedarf für Tierhaltung

Die Ergebnisse zeigen, dass mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) glauben, dass Antibiotikaresistenzen am ehesten durch die Tierhaltung verursacht werden. Dies zeige, so das BfR, dass die Meinung der Bevölkerung mit dem medialen Bild übereinstimmt, bei dem überwiegend die Tierhaltung und der dort beobachtete Einsatz von Tierarzneimitteln als Ursachen für die Zunahme von Antibiotikaresistenzen angesehen werden.
Weitere Ergebnisse der Untersuchung sind:

  •  Die Mehrheit der Befragten vermutet krank machende Bakterien weniger im eigenen Haushalt, sondern eher im öffentlichen Raum und in Krankenhäusern sowie in Tierställen.
  •  82 Prozent der Befragten gaben an, bereits von Antibiotikaresistenzen gehört zu haben, 64 Prozent der Verbraucher sind über das Thema beunruhigt.
  • 43 Prozent derjenigen, die die Ursache für Antibiotikaresistenzen im Antibiotikaeinsatz beim Menschen sehen, führen dies auf die fehlerhafte Verschreibung vom Arzt zurück. Ein Drittel vermutet eine fehlerhafte Anwendung der Medikamente durch die Patienten.

Das BfR kommt zu dem Schluss, dass mehr Aufklärungsarbeit rund um das Thema Antibiotikaresistenzen benötigt wird.

In der aktuellen Risikobewertung zur Bedeutung der Resistenzen in den Tierbeständen und aus Lebensmitteln für den Menschen kommt das BfR zu den Folgerungen, dass der Beitrag der in Tierställen auftretenden Antibiotikaresistenzen je nach Keim und Resistenz unterschiedlich zu werten ist.

Im Einzelnen kommt das BfR zu folgenden Ergebnissen:

  •  Im Fall der multiresistenten Staphylococcus aureus (MRSA)-Keime sind die Stämme, die aus dem Tierstall stammen (Livestock associated MRSA), derzeit von untergeordneter Bedeutung für die Infektionen beim Menschen. 95 Prozent der nachgewiesenen MRSA stammen aus dem Bereich der Humanmedizin. Nur Personen, die in häufigem Kontakt mit Nutztieren stehen, sollten vor einer Behandlung mit Antibiotika bzw. vor Operationen oder einer Aufnahme in eine Klinik daraufhin untersucht werden, ob sie Träger von MRSA sind.
  •  ESBL-/AmpC-bildende Bakterienstämme hingegen können die Behandlung von bakteriellen Infektionen beeinträchtigen. Da diese Bakterien sowohl beim Menschen als auch beim Tier vorkommen, sind solche Resistenzen sowohl bei der Therapie von Nutztieren als auch bei der Therapie von Menschen gleichermaßen problematisch. Eine Exposition des Verbrauchers kann über Lebensmittel, aber auch über den direkten Kontakt mit Tieren erfolgen. Zudem spielt die Mensch-zu-Mensch-Übertragung in Krankenhäusern und in der Allgemeinbevölkerung eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von ESBL-bildenden Keimen.

Für die Tierhaltung sieht das BfR in diesem Zusammenhang Handlungsbedarf. So sollte die Übertragung resistenter Keime von Tieren auf Menschen und aus dem Gesundheitswesen in die Tierbestände durch verschiedene Maßnahmen minimiert werden.
DRV/LVN

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