Was kann der Einzelne tun?

Metastudie untersucht die Möglichkeiten, den individuellen CO2-Fußabdruck zu verringern

08. Mai 2020

In einer internationalen Metastudie haben Wissenschaftler*innen untersucht, welche Möglichkeiten jeder Einzelne hat, seinen individuellen CO2-Fußabdruck zu senken.

Dazu hat ein Forschungsteam unter Mitwirkung von Prof. Dr. Felix Creutzig, Leiter des Fachgebiets Sustainability Economics of Human Settlements an der TU Berlin, aus rund 7000 Fachartikeln 61 mögliche Einzeloptionen identifiziert und ihr Reduktionspotenzial analysiert. „Insbesondere der Mobilitätsbereich ist vielversprechend, wenn man die Möglichkeiten des Individuums betrachtet“, so Felix Creutzig.  

Rund zwei Drittel der globalen Treibhausgasemissionen sind entweder direkt oder indirekt auf die privaten Haushalte zurückzuführen. So beträgt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von CO2 in Europa rund 7,5 Tonnen pro Jahr (7,5 tCO2eq/cap). Dieser Verbrauch liegt zwar deutlich unter den Werten von Nordamerika (13,4 tCO2eq/cap), aber deutlich über dem Wert für Afrika oder dem Mittleren Osten (1,7 tCO2eq/cap). „Schon aus diesen Zahlen wird deutlich, dass Veränderungen in unserem europäischen Konsumverhalten dringend geboten sind, um die Emissionen zu drosseln und damit den Klimawandel zu verlangsamen“, so Felix Creutzig. Ein deutlicher und schneller Rückgang der CO2-Emission wird international gefordert, um 2050 die Netto-Nullemission zu erreichen. Nur so kann der durchschnittliche Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden. In der vorliegenden Analyse haben die Wissenschaftler*innen daher Emissions-Verbesserungspotenziale unter anderem in den Bereichen Mobilität, Ernährung und Wohnen untersucht. „In der Metastudie haben wir schließlich 61 Konsumoptionen vorgestellt, die das Potenzial haben, die Emissionen nachhaltig zu senken“, so Felix Creutzig.

Möglichkeiten zur individeullen Verringerung des CO2 Fußabdrucks
© Janine Rülicke

Besonders hohes Potenzial zeigt dabei der Transport: Zu den Optionen mit dem höchsten Minderungspotenzial der CO2-Emissionen zählt das autofreie Leben und die Umstellung auf ein batterieelektrisches Fahrzeug. Doch auch die Reduzierung der persönlichen Flugzeit um einen Hin- und Rückflug im Langstreckenbereich zeigt schon ein durchschnittliches Reduktionspotential des jährlichen CO2-Pro-Kopf-Verbrauchs von mehr als 1,7 Tonnen.

„Ein weiterer Konsumfaktor mit einem hohen Reduktionspotenzial ist unsere Ernährung“, erläutert Felix Creutzig die Studie. „So bietet der Wechsel zu einer veganen Ernährung ein durchschnittliches Pro-Kopf-Reduktionspotenzial von 0,9 Tonnen CO2 pro Jahr. Aber auch schon die Umstellung auf vegetarische Ernährung oder die sogenannte Mittelmeerdiät bringt Reduktionspotenziale von rund einer halben Tonne CO2 pro Kopf pro Jahr mit sich. Ähnliche Einsparpotenziale lassen sich erreichen, wenn man sein Koch-Equipment anpasst und dabei auf energieeffiziente Töpfe und Pfannen, einen modernen Herd und Ähnliches setzt. Auch kleinere Veränderungen wie die Verringerung der gesamten Nahrungsaufnahme und die Reduzierung von Lebensmittelabfällen verbessern die CO2-Emissionen pro Kopf durchschnittlich um 0,3 Tonnen.“  

Ganz oben auf der Liste der vorgeschlagenen Optionen rangieren auch die Umstellung auf erneuerbare Energien im Haushalt sowie Renovierungsmaßnahmen an Haus und Wohnung, die zur Energieeinsparung beitragen. 

„Insgesamt konnten wir feststellen, dass die von uns ermittelten Top zehn Verbrauchsoptionen alle zusammengenommen ein durchschnittliches jährliches Minderungspotenzial von mehreren Tonnen CO2 pro Individuum ergeben würden. Damit konnten wir deutlich belegen, dass auch jeder Einzelne in seinem Konsumverhalten erhebliche Beiträge dazu leisten kann, das globale Ziel zu erreichen, den Temperaturanstieg auf 1,5 bis 2 °C zu begrenzen“, so der Wissenschaftler. „Gleichzeitig kann die Politik aber nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Zum Beispiel ist ein autofreies Leben nur möglich, wenn die Stadtverwaltungen überall sichere Fahrradwege anlegen.“     

TU Berlin                   

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