Deutschland: Mehr Milchkühe, weniger Haltungen gezählt

09. Januar 2014

Deutschland: Mehr Milchkühe, weniger Haltungen gezählt

Nachdem der Milchkuhbestand über mehrere Jahre weitgehend unverändert geblieben war, wurde damit nun erstmals eine größere Bestandsaufstockung registriert. Die größere Milchkuhherde lässt ein weiteres Wachstum des Milchaufkommens erwarten. Regional ist die Entwicklung der Milchkuhbestände unterschiedlich.

Das Wachstum ist vor allem in den nördlichen Bundesländern konzentriert. Spitzenreiter ist Niedersachsen mit Aufstockungen um 4,3 % innerhalb eines Jahres. Überdurchschnittlich waren die Zunahmen auch in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. In den östlichen Bundesländern wuchsen die Milchkuhbestände im Schnitt um 1,3 %, wobei in Brandenburg die größten Steigerungen registriert wurden. Verhalten ist die Entwicklung in Süddeutschland. In Bayern sank die Zahl der Milchkühe geringfügig. Im Baden-Württemberg wurde nach jahrelangem kontinuierlichen Rückgang eine unterdurchschnittliche Zunahme registriert.

Der Strukturwandel hat sich indessen weiter fortgesetzt. Die Zahl der Haltungen sank im November 2013 auf 79.537 und damit erstmals unter die Schwelle von 80.000. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 4 % der Ställe aufgegeben. Im Vorjahr war die Aufgaberate mit 4,8 % etwas höher ausgefallen. Die durchschnittliche Anzahl der Kühe je Haltung ist auf 53,7 gestiegen. Noch 2011 standen in jedem Stall im Schnitt lediglich 48,1 Kühe. Immer mehr größere Milchviehbetriebe entstehen. Die Zahl der Haltungen mit mindestens 200 Kühen hat 2013 um 11,2 % zugenommen und war damit die am stärksten wachsende Kategorie. 22 % der Milchkühe stehen inzwischen in Ställen mit mindestens 200 Tieren. 2008 hatte ihr Anteil noch bei 15 % gelegen.

Was bedeutet dieses für Niedersachsen?
Zunächst muss gesagt werden, dass die strukturellen Veränderungen der Milchviehhaltung in Deutschland nur sehr schwer zu beurteilen sind. Es findet keine „echte“ Zählung der Milchviehbetriebe und der Milchkühe mehr statt, seit Ende 2007 wird die HIT-Datenbank für diese Auswertungen herangezogen. Dies bedeutet: es werden die seuchenrechtlichen Einheiten samt Tieren ausgewiesen. Außerdem ist eine Unterscheidung zwischen Milchvieh- und Mutterkuhhaltung nicht mehr möglich. Das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) wertet die HIT-Zahlen unter Zuhilfenahme der Rasse aus. Es ist aber trotzdem davon auszugehen, dass Mutterkühe in der Anzahl der Milchkühe enthalten sind.
In Niedersachsen ist die Zahl der Milchviehhaltungen im vergangenen Jahr um 300 Betriebe oder 2,9 % zurückgegangen. Damit setzt sich der rückläufige Trend der vergangenen Jahre weiter fort, jedoch nicht in dem deutlichen Maße der Vorjahre. Insgesamt gab es somit im November 2013 in Niedersachsen 10.044 Milchviehhaltungen (eigene Berechnung in Anlehnung an die alte Erhebungsmethode).
Wendet man auf die Milchviehzahlen die gleiche Berechnungsgrundlage an, stellt man einen Anstieg um rund 35.000 Milchkühe auf 785.689 Tiere fest. Dies ist ein Anstieg um rund 4,3 %. Auch hier eine Fortsetzung des Trends seit 2006, aber in umgekehrter, positiver Richtung.
Damit stieg auch die Kuhzahl je Halter in Niedersachsen weiter an. Während in 2012 jeder Halter im Durchschnitt noch 72,8 Kühe hielt, waren es im November 2013 bereits 78,2 Tiere.

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