Hintergrundinformation zur Rinderzucht in Deutschland

29. August 2013

Hintergrundinformation zur Rinderzucht in Deutschland

Auch die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter (ADR) hatte Stellung genommen und hat jetzt noch eine Vielzahl von Fakten zur Rinderzucht in Deutschland hinzugefügt. Im Folgenden geben wir einen Teil der Fakten gekürzt wieder. Den vollständigen Text finden Sie, zusammen mit einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ) vom 21.08.13 auf unserer Homepage.

Zuchtentwicklung

Die deutsche Rinderzucht legt sehr viel Wert auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Milchkühe – vor mehr als 20 Jahren wurde mit einer Ausrichtung der Zucht auf Tiergesundheit und Nutzungsdauer begon-nen.
Seit 2008 nehmen Gesundheits- und Fitnessmerkmale in der Milchviehzucht mit einem Anteil, je nach Milchnutzungsrasse, von bis zu 55 % einen höheren Stellenwert im Zuchtziel (Gesamtzuchtwert RZG/GZW) ein als die klassischen Leistungsmerkmale.
Es existiert daher keine einseitige Ausrichtung der Rinderzucht auf Milch- und Fleischleistung.
Die deutsche Holsteinzucht bietet seit 2009 darüber hinaus zur Zuchtausrichtung den Gesamtzuchtwert RZFit an, bei dem die Gewichtung der Leistungskomponente auf 10% zu Gunsten der anderen Komponen-ten reduziert ist. In diesem alternativ angebotenen Gesamtzuchtwert findet praktisch ausschließlich eine Selektion auf Funktionalität, Fruchtbarkeit, Langlebigkeit und Gesundheit statt.

Nutzungsdauer
Nutzungsdauer = Zeitraum von der ersten Abkalbung bis zum Abgang aus dem Betrieb – sie spiegelt die leistungsunabhängige Fitness und Gesundheit der Kuh wider.
Die Aussage, dass sich die durchschnittliche Nutzungsdauer einer Kuh seit 1950 halbiert hat, ist nicht be-legbar.
Belegbar ist: die tatsächliche durchschnittliche Nutzungsdauer einer Milchkuh blieb in den letzten 20 Jahren nahezu unverändert und beträgt gut drei Jahre.

Hohe Milchleistung und Tiergesundheit
Hohe Leistung und Tiergesundheit schließen sich nicht aus. Auswertungen zeigen: gutes Management führt nicht nur zu höheren Leistungen, sondern lässt auch positive Effekte für die Tiergesundheit erwarten.

  • Hohe Herdenleistungen sind auch und gerade bei guter Fruchtbarkeit und Tiergesundheit zu erreichen (Quelle: Landeskontrollverband Nordrhein-Westfalen e. V., Jahresbericht 2012, S. 51).
  • Die Gesundheit von Milchkühen ist in stärkerem Maße vom Management als vom genetisch determi-nierten Leistungspotenzial abhängig. Unter tier- und leistungsgerechten Haltungs-, Fütterungs- und Managementbedingungen sind Kühe durchaus in der Lage, hohe Milchleistungen zu realisieren, ohne dadurch verstärkt Gesundheitsdepressionen unterworfen zu sein. Hohe Herdenmilchleistungen sind nicht mit hohen Abgangsraten verbunden (Quelle: Dr. Anke Römer, Züchtungskunde 83, S. 17)
  • Hochleistende Kühe erkranken nicht häufiger an Klauendefekten als Kühe mit geringerer Leistung. Her-den mit hohem Leistungsniveau erzielen durch optimale Umweltgestaltung und gutes Management nicht nur hohe Milchleistungen, sondern auf der Grundlage dieser guten Voraussetzungen gleichzeitig auch befriedigende Fruchtbarkeitsergebnisse (Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Anke Römer, Institut für Tierproduktion, 2010).
  • In Beständen mit hohen Leistungen sind im Hinblick auf die Eutergesundheit deutlich niedrigere Zell-zahlen zu beobachten (Landeskontrollverband Weser-Ems e.V., Geschäftsbericht 2012, S. 54).

Milchproduktion mit gesunden Kühen in modernen Kuhställen ist sehr nachhaltig und gewährleistet Ressourcen-Effizienz und Klimaschutz.

  •   Eine konstante oder steigende Milchmenge zur Versorgung der Bürger bei abnehmender Kuhzahl be-deutet weniger Klimagase, Gülle, Futter und weniger Ackerfläche zur Futterproduktion (damit steht mehr Fläche zur Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln zur Verfügung)


Abgangsursachen

Seit 1950 ergibt sich nahezu keine Veränderung des Anteils der Kühe, die jährlich den Betrieb verlassen: rund ein Drittel aller kontrollierten Milchkühe.
Ziel ist es, unfreiwillige Abgänge z. B. aufgrund von Erkrankungen oder Unfruchtbarkeit zu vermeiden.
Da die Ausrichtung der Zucht den Schwerpunkt auf Fitness und Gesundheit legt, wählen die Betriebe für ihre Nachzucht auch Milchkühe mit diesen gewünschten Merkmalen aus.
Das Abgangsalter ist bei alten Rassen mit geringer Milchleistung (Deutsches Schwarzbuntes Niederungs-rind, Rotvieh/Angler, Gelbvieh, Pinzgauer) niedriger als im Durchschnitt.
Einer der wichtigsten Kostenfaktoren, wenn nicht sogar der entscheidende für die Rentabilität der Milch-produktion, sind hohe Abgangsraten bei Kühen (Quelle: Dr. Anke Römer, Züchtungskunde 83, S. 17).

Haltungsverfahren

Kühe werden weitgehend nicht mehr angebunden in niedrigen Ställen gehalten, sondern können sich heute in modernen, hellen Laufställen frei bewegen sowie Wasser und Futter aufnehmen, wenn ihnen danach ist. Das ist viel artgerechter als es früher möglich und üblich war. Somit hat sich das Leben der Milchkühe in den letzten Lebensjahrzehnten deutlich verbessert. All dies ist im Interesse der Milcherzeuger, die in Deutschland die Organisationen der Rinderzucht tragen.
ADR/LVN

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