Japan braucht langfristig mehr Importware
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Japan geht wegen der Zerstörungen und Produktionsprobleme vor Ort sowie Nachfrageverschiebungen aufgrund der Sorge um radioaktive Belastungen von einem steigenden Importbedarf Japans für zahlreiche Produktgruppen aus. Kurzfristig betroffen sind vor allem Frischwaren wie Fisch und Schweinefleisch sowie, aufgrund von Panikkäufen, Mineralwasser.
Die besten Aussichten haben dabei den DIHK-Experten zufolge Exporteure, die in Japan bereits Kontakte geknüpft haben. Da es vermutlich jedoch auch längerfristig zu zusätzlichen Einfuhren kommen werde, könne sich die Ansprache potenzieller Partner lohnen, raten sie.
Einer vorläufigen Bestandsaufnahme zufolge sind in den sechs am stärksten betroffenen Präfekturen 65 Prozent der Fischfangflotte, 43 Prozent der Fischereihäfen und bis zu 70 Prozent der Fischverarbeitungsbetriebe zerstört oder beschädigt. Bisher wurden Agrarschäden von 4,3 Mrd. Euro gemeldet.
Das Gebiet stand bislang bei Fisch, Getreide, Gemüse, Fleisch, Milch und Ei für einen Anteil von 16 bis 18 Prozent an der japanischen Gesamtproduktion. Stromsparmaßnahmen und zerstörte Transportwege beeinträchtigen nun zudem die Lebensmittelproduktion.
Die Experten der Rabobank wagen in einer Studie erste Einschätzungen des potenziellen zusätzlichen Importbedarfs. Dieser könne etwa bei Gemüse um 30 bis 151 Prozent (das entspräche 218.000 bis 1,09 Mio. t) steigen, bei Fisch/Meeresfrüchten um 3 bis 17 Prozent (92.000 bis 460.000 t) und bei Magermilchpulver um 38 bis 188 Prozent (11.000 bis 56.000 t).
LZ
Ein Bereich, in dem Deutschland schon heute relativ stark im Japan-Export engagiert ist, sind Molkereiprodukte, von denen laut vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr Waren im Wert von mehr als 50 Mio Euro nach Nippon gelangten. Wie eine Vertreterin der Nordmilch Anfang April gegenüber dem Presse- und Informationsdienst AGRA-EUROPE äußerte, gibt es bei Lieferungen keine Beeinträchtigungen. Ware könne innerhalb des Landes umgeleitet werden, was bisher aber nur punktuell geschehen sei, so die Expertin mit Blick auf die Lage in den Häfen. Große Reedereien fühlten sich verpflichtet, Japan wie gewohnt anzulaufen, so die Nordmilch-Vertreterin. Das kürzlich mit der Humana zum Deutschen Milchkontor (DMK) fusionierte Unternehmen liefert eine ganze Palette an Vorprodukten aus dem Käse-, Fett- und Pulverbereich nach Japan. Endverbraucherprodukte sind hingegen mit hohen Zöllen belegt. Lieferungen von Deutschland nach Japan nehmen zurzeit etwa sieben Wochen in Anspruch, nachdem die Reeder in Reaktion auf die hohen Ölpreise seit rund einem Jahr langsamer fahren lassen. Zuvor war eine Dauer von vier Wochen für den Schiffsweg nach Japan üblich.
AgE
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