Klimagesund ernähren: Wie geht das?

Milchprodukte gehören auf einen klimagesunden Speiseplan

06. März 2020

Kann sich jeder klimagesund ernähren? Und was bedeutet das eigentlich? Der Ernährungswissenschaftler und Buchautor Dr. Malte Rubach gibt spannende Antworten auf diese Fragen.

Dr. Malte Rubach
Die Menge macht’s. Dr. Malte Rubach rät: „Einzelne Lebensmittel sollten nicht stigmatisiert werden, um dann mit einer Verzichtspredigt die Weltrettung zu verprechen. Man kann alles essen, nur nicht zuviel davon.“ Foto: Ingolf Hatz

Unsere Ernährung hat auch Auswirkungen auf den Klimawandel. Anders gesagt: Wenn wir mehr darauf achten, was wir essen, können wir damit auch das Klima schützen. Wir haben Ernährungswissenschaftler und Autor Dr. Malte Rubach gefragt, was klimagesunde Ernährung bedeutet.

Herr Dr. Rubach, die EAT-Lancet-Kommission hat mit der „Planetary Health Diet“ einen Speiseplan vorgestellt, der die Gesundheit des Menschen und unseren Planeten gleichermaßen schützt: Das hört sich gut an. Was ist neu an diesem Speiseplan?

Die Empfehlungen der Planeten-Diät sollen jedem Weltenbürger ein ausreichendes Maß an Nährstoffen ermöglichen, ohne dass dadurch natürliche Ressourcen geplündert werden oder die Auswirkungen unserer Ernährung auf die Umwelt überhandnehmen.

Muss ich zum Veganer werden, um das Klima zu schützen?

Auf keinen Fall, die Empfehlungen beinhalten auch tierische Produkte. Vegetarisch oder vegan wäre auch damit möglich, allerdings empfehlen die Autoren im letzteren Fall auch ausdrücklich Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Das widerspricht aus meiner Sicht aber ohnehin einer vollwertigen Ernährungsempfehlung.

Darf ich noch Milchprodukte konsumieren?

Alles andere wäre wissenschaftlich betrachtet grober Unfug. Auch die Planeten-Diät erlaubt bis zu 500 Gramm Milchäquivalente pro Tag. Wohlgemerkt Milchäquivalente, das bedeutet also bei Milchprodukten wie Käse, Joghurt, Quark oder Butter, dass die dazu nötige Menge Rohmilch in die Bilanzierung einfließen müsste. Laut nationaler Verzehrstudie konsumieren wir in Deutschland rund 250 Gramm Milch und Milchprodukte pro Tag. Rechnet man die Milchäquivalente gegen, dann liegen wir knapp über der Obergrenze der Planeten-Diät. In meinem neuen Buch „Das Geheimnis des gesunden Alterns“ (bei Knaur MensSana erschienen) empfehle ich aber diesen Rahmen durchaus auszuschöpfen, einfach weil Milch und Milchprodukte sowohl bei Männern als auch Frauen etwa die Hälfte der täglichen Kalziumaufnahme ausmachen. Wer möglichst lange auf seinen Knochen stehen will, der sollte gerade in der Jugend und Adoleszenz möglichst viel Substanz aufbauen. Alleine mit grünem Gemüse werden sich die meisten Menschen schwer tun. Und noch etwas: Im Vergleich mit Pflanzendrinks liefert Milch von insgesamt 17 relevanten Nährstoffen 12, die in Pflanzendrinks nicht oder nur sehr gering vorhanden sind. Bei dem Rest liegen beide gleichauf. Es kommt also nicht nur auf den Energie- oder Proteingehalt an, sondern auch auf die Mikronährstoffdichte in ihrer natürlichen Kombination.

„Im Vergleich mit Pflanzendrinks liefert Milch von insgesamt 17 relevanten Nährstoffen 12, die in Pflanzendrinks nicht oder nur sehr gering vorhanden sind.“

Dr. Malte Rubach, Ernährungswissenschaftler und Autor

Von vegetarisch über flexitarisch und vegan bis hin zu frutarisch: Mit Blick auf klimagesunde Ernährung tummeln sich in den Medien und auf den Social-Media-Kanälen tausende Ernährungstipps. Was empfehlen Sie Erwachsenen, die sich klimaschützend und gesund ernähren wollen?

Zunächst mal muss man eins gerade rücken. Milch hat laut einer Analyse der Welternährungsorganisation einen weltweiten Klimabeitrag von knapp 3%. Das ist die Größenordnung des weltweiten Flugverkehrs, wobei man Flugzeuge bekanntlich nicht essen kann. Deshalb gilt es insgesamt aus meiner Sicht, einzelne Lebensmittel nicht zu stigmatisieren, um dann mit einer Verzichtspredigt die Weltrettung zu versprechen. Ansonsten gilt: Man kann alles essen, nur nicht zu viel davon!

„Deshalb gilt es insgesamt aus meiner Sicht, einzelne Lebensmittel nicht zu stigmatisieren, um dann mit einer Verzichtspredigt die Weltrettung zu versprechen.“

LVN/Rubach

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