Memorandum Product Carbon Footprint

Memorandum Product Carbon Footprint

Der Anteil von Lebensmitteln an den Pro-Kopf-Emissionen liegt in Deutschland in der Größenordnung von etwa 1,5-2,0 Tonnen CO2e und damit bei etwa 20 %. Je nach Abgrenzung (mit oder ohne Getränke, mit oder ohne Außer-Haus-Verzehr, mit oder ohne Verpackungen, mit und ohne Kühlung und Kochen) finden sich dazu unterschiedliche Zahlen. Dieser durchaus hohe Wert verteilt sich allerdings auf Tausende unterschiedlicher Lebensmittel und Hunderte von Einkäufen. Der PCF einzelner Lebensmittel liegt in der Größenordnung von einigen Dutzend Gramm bis mehreren Kilo CO2e. Sehr hohe Werte hat beispielsweise Rindfleisch mit rund 13 kg CO2e pro Kilo.
Die Bestimmung des PCF von Lebensmitteln ist in der Regel aufwändig und erfordert vor allem dann viel Aufwand und Kosten, wenn spezifische (und nicht generische) Daten erhoben werden sollen – was ja die Ursprungsidee der Tesco-Initiative war. Die Gründe für den hohen Datenaufwand sind:
Ø sehr viele und unterschiedliche große Agrarbetriebe,
Ø häufge Wechsel der Zulieferer,
Ø starke Unterschiede in der Art des Anbaus,
Ø jährliche und saisonal schwankende Erträge,
Ø viele unterschiedliche Verarbeitungstechniken und –betriebe,
Ø eine Bandbreite von realtiv einfachen Produkten wie Äpfel und Bananen bis hin zu komplexeren Convenience-Produkten
Ø sehr unterschiedliche Transportwege – von regional bis global, vom Traktor bis zum Flugzeug,
Ø hoher und zeitabhängiger Einfluss von Lagerhaltung und Kühlung,
Ø eine Vielzahl unterschiedlicher Packungsgrößen und Verpackungen,
Ø unterschiedliche Zubereitungsarten und große Unterschiede zwischen Convenience-Produkten und selbst zubereiteten Produkten.
Aus den genannten Gründen können die PCF-Werte von Lebensmitteln erheblich schwanken und es können zum Teil erhebliche Reduktionspotentiale abgeleitet werden. Es ist daher sinnvoll, den PCF von Lebensmitteln zu bestimmen und Optimierungspotentiale beim Anbau, bei der Verarbeitung, bei Transporten oder Lagerung abzuleiten und zu realisieren. Weitaus schwieriger ist es dagegen für Handelsunternehmen, den PCF von Tausenden unterschiedlichen Le-bensmitteln kontinuierlich und wettbewerbsrechtlich verlässlich auszuweisen und den Verbrauchern adäquate Vergleichsmaßstäbe zu bieten.
Angesichts der oben genannten Schwierigkeiten ist es offensichtlich, dass in absehbarer Zeit (und vermutlich auch zukünftig) kein System entstehen wird, bei dem Tausende unterschiedlicher Lebensmittel in den Handelsgeschäften
regelmäßig und wettbewerbsrechtlich zuverlässig mit ihrem jeweiligen und aktuellen CO2e-Wert gekennzeichnet bzw. gelabelt werden und zudem auch jeweils entsprechende Rankingsysteme entwickelt werden.
Die unvollständige und unsystematische Veröffentlichung von CO2e-Werten ohne Vergleichsmaßstäbe und ohne Bezug auf andere Umweltaspekte von Lebensmitteln trägt NICHT zur Verbraucherorientierung, sondern zur Verwirrung von Verbrauchern bei. Stattdessen sollten für die aus Klimasicht wichtigsten Produktgruppen Ökobilanzen durchgeführt werden, bei denen alle relevanten Umweltaspekte (Durchschnittswerte und Bandbreiten) erhoben werden. Auf dieser Basis können – wenn die Datenlage belastbar ist – für die Verbraucherinformation Grundaussagen und Handlungsoptionen abgeleitet werden.
Quelle: Öko-Institut (2009): Memorandum Product Carbon Footprint
VDM

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