Milchlandpreis 2012: Der Gewinnerbetrieb Klingemann in Schneeren

01. September 2019

Milchlandpreis 2012: Der Gewinnerbetrieb Klingemann in Schneeren

LVN: Wie sind Sie auf den Milchlandpreis aufmerksam geworden?

Klingemann: Ich habe vor einigen Jahren über die Molkerei vom Milchlandpreis erfahren und hatte schon länger vor, mich zu bewerben. In diesem Jahr habe ich dann endgültig den Entschluss gefasst.

LVN: Was sind Ihrer Meinung nach die Stärken Ihres Betriebes? Warum, meinen Sie, haben gerade Sie gewonnen?

Klingemann: Wir sind ein sehr ausgeglichener Betrieb. Ich würde sagen, dass das Gesamt-Paket stimmt. Auch die Familie ist sehr ausgeglichen, wir ergänzen uns gut. Dort, wo der eine seine Schwächen hat, hat der andere seine Stärken und umgekehrt.

LVN: Inwiefern beziehen Sie die Umwelt gezielt in die Betriebsplanung ein?

Klingemann: Gemeinsam mit vier weiteren Betrieben im Dorf nehmen wir regelmäßig einen Pflanzenschutzberater für Bodenuntersuchungen in Anspruch, so dass wir Pflanzenschutzmittel sehr genau und effektiv einsetzen können. Gerade, weil unsere Böden nicht so viel hergeben, brauchen wir eine angepasste Düngeberatung. Außerdem haben wir einen großen Güllelagerplatz und können dadurch im Frühjahr pflanzenverfügbar ausfahren.

LVN: Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, damit sich Tiere und Arbeitskräfte auf Ihrem Hof wohl fühlen?

Klingemann: Das war vor allem der Bau des neuen Stalls (2010). Hier haben die Kühe optimale Hygiene- und Haltungsbedingungen. Durch den Einsatz von zwei Melkrobotern gibt es eine arbeitswirtschaftliche Verbesserung. Für uns bedeutet es weniger Arbeit bei trotzdem optimalen Voraussetzungen für die Kühe.

Im alten Kuhstall halten wir jetzt nur noch das Jungvieh in Gruppen, auch das bringt Vorteile für Mensch und Tier.

LVN: Die Gutachter bescheinigen Ihnen eine gesunde Zukunftsplanung. Wie sieht diese aus?

Klingemann: Ich habe genaue Vorstellungen von der Zukunft des Betriebes, ich weiß, was ich will. In diesem Jahr haben wir zunächst eine kleine Biogasanlage mit 75 kW gebaut. Die passt von der Größe gut zu unserem Betrieb. Ein nächster Schritt ist die Spiegelung des Kuhstalls in ungefähr 5 Jahren.

LVN: Sie sind selber noch unter 30, haben den Betrieb nach Ihrer Meisterprüfung mit 25 übernommen. Gibt es dennoch oder gerade deshalb auch Auszubildende auf Ihrem Hof und warum?

Klingemann: Mein Vater hat nicht ausgebildet, für mich war es nach der Meisterprüfung aber klar, dass ich einmal Ausbildende haben werde. Da mein Vater krank wurde als ich 26 war, haben wir uns dann sehr schnell entschlossen, einen Auszubildenden einzustellen. Seitdem habe ich schon 4 Lehrlinge ausgebildet. Der Betrieb ist durch die Biogasanlage und den Melkroboter sehr attraktiv und geeignet für die Jugendlichen. Außerdem habe ich auch großen Spaß daran, mein Wissen weiter zu geben.

LVN: Sie sind bester Milcherzeuger geworden. Gibt es dennoch Ansatzpunkte oder Änderungsvorschläge, die Sie nach der Begutachtung als erstes in Angriff nehmen?

Klingemann: Es gibt vor allem zwei Bereiche, die ich in der nächsten Zeit in Angriff nehmen werde. Das ist zum einen die bauliche Maßnahme, die unser Futterlager betrifft. Dort ist die Restaurierung schon in Planung. Insbesondere muss ich mir aber Gedanken über die arbeitswirtschaftliche Planung machen, d.h. den Übergang planen, wenn sich meine Eltern zur Ruhe setzen.

LVN: Gibt es neben der Arbeit im Betrieb Platz für Ehrenämter? Haben Sie Kontakt zu Schulen in der Region?

Klingemann: Grundsätzlich gilt für mich, dass an erster Stelle meine Familie kommt, dann der Hof. Gerne bin ich aber im Aufsichtsrat unserer Warengenossenschaft tätig und bin auch immer ansprechbar, wenn es um Hofbesichtigungen geht. Z.B. kommt mein Bruder aus Hannover gerne mit Schulklassen auf unseren Hof.

Zurzeit bleibt für andere Dinge wenig Zeit, das kann aber in 10 Jahren ganz anders aussehen.

LVN: Was macht Sven Klingemann in der Freizeit?

Ich spiele regelmäßig in einer Hobbyrunde Fußball und bin als Querflötenspieler auch im Spielmannszug aktiv.

LVN: Gibt es eine besonders amüsante Geschichte aus Ihrem Betriebsleben?

Klingemann: Amüsant ist eigentlich, wie ich meine Frau kennen gelernt habe. Sie arbeitete damals bei unserem Tierarzt, einige Kilometer entfernt. Ich fuhr öfter mal dorthin, um verschiedene Dinge zu erledigen. Irgendwann wurden die Besuche häufiger und ich fuhr auch dann dort vorbei, wenn es gar nicht notwendig war.

LVN: Ich würde immer wieder beim Milchlandpreis mitmachen, weil ….

Klingemann: … ich die externe Begutachtung so gut finde. Mir ging es nicht um das Preisgeld oder um den 1. Platz, ich wollte einfach mal wissen, wo ich im Vergleich zu anderen Landwirten stehe und wo meine Stärken sind. Es war für mich überhaupt kein Problem, mir in die Bücher gucken zu lassen.

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