Milchlandpreis 2013: Der Gewinnerbetrieb Wemken in Wiefelstede
LVN: Herr Wemken, 2001 haben Sie sich das erste Mal beim Milchlandpreis beworben, 2013 waren Sie wieder dabei. Jetzt sind Sie ganz vorne gelandet. Was hat sich verändert und wie kam es zur erneuten Teilnahme am Milchlandpreis?
Wemken: Beim ersten Mal war der Betrieb noch nicht so weit. In den letzten 10 Jahren haben wir den Hof laufend modernisiert und die Betriebs- und Milchkontrollergebnisse waren sehr gut. Im letzten Jahr hatten wir dann das Gefühl, jetzt könnten wir eine Chance haben. Den letzten Anstoß zur Teilnahme hat aber mein Vater mit dem Ausspruch „Mok da mal mit!“ gegeben. Ich selber war auch motiviert, wollte mal wissen, wo ich stehe und habe die Teilnahme als Herausforderung gesehen.
Die Prüfung hatte es aber dann in sich, viele wissen gar nicht, was da alles dran hängt. Es geht um viel mehr als nur die Leistung der Kühe.
Natürlich haben wir nie damit gerechnet, dass wir erster werden, zumal ich nach der Begutachtung ein schlechtes Gefühl hatte.
LVN: Die Auszeichnung mit der Goldenen Olga hat Ihnen eine herausragende Betriebsführung bescheinigt. Was sind Ihrer Meinung nach Ihre Stärken und die Ihres Betriebes?
Wemken: Unsere Stärke ist ganz eindeutig die Kuhherde. Schon mein Opa war „kuhverrückt“, hat sich stark für die Zucht interessiert. Wir legen großen Wert auf gute Tiere, auf viel Platz, Luft und Pflege. Unsere Kühe und Rinder werden alle geschoren. Darüber hinaus haben wir gute Betriebsabschlüsse, die Grundfutterleistung ist hoch bei niedrigen Tierarztkosten. Und über Jahre konnten wir eine sehr gute Milchleistung mit einfacher Technik erzielen.
Wir sind zu dritt immer am Ball, Junior, Senior und ich. Die Familie arbeitet Hand in Hand, das hat den Gutachtern glaube ich gut gefallen.
Unser Sohn kann den Betrieb auch mal ein paar Tage alleine führen. Er kennt jede Kuh mit Namen und hat dazu die Abkalbetermine parat. Außerdem erkennt er sofort, wenn ein Tier krank ist.
LVN: Sie haben vor zwei Jahren einen neuen Stall mit Melkzentrum gebaut. Welche Überlegungen für den Komfort von Kuh und Mensch sind eingeflossen?
Wemken: Unser Stall bietet gute Luftverhältnisse, ist mit Curtains versehen, bietet viel Lauffläche und verfügt über Tiefboxen. Unser Melkhaus hat einen Kunststoffboden, der ein angenehmes Laufen gewährleistet. Durch den großen Fensterfirst bekommen wir dort viel natürliches Licht, im Sommer benötigen wir beim Melken meistens kein elektrisches Licht. Im steilen Fischgräten-Melkstand sind die Laufwege kurz und durch das Ansetzen der Geschirre von hinten sind wir vor möglichen Tritten von Kühen geschützt. Die Kühe haben eine extra große Standfläche und dadurch mehr Kopffreiheit.
Vor dem Stallbau haben wir uns viele andere Ställe angesehen und in jedem System mal mit gemolken. Ein Melkroboter kam für uns nicht in Frage, da ich zum einen kein Technikfreak bin und ich zum anderen nach dem Melken Feierabend haben möchte. Der Hauptgrund gegen den Roboter war aber unser Wunsch, die Kühe ab April auf der Weide zu halten. Wir merken, dass sie dann frühjahrsmüde sind und mit dem Weidegang und der Sonne aufleben.


LVN: Zurzeit führen Sie ihren Betrieb sehr erfolgreich ohne EDV und ohne Futtermischwagen. Welche Zukunftspläne haben Sie?
Wemken: Inzwischen haben wir einen Futtermischwagen auf Probe. Da wir beobachten, dass wir dadurch weniger Futterverluste haben und die Kühe mehr Grundfutter fressen, steht der Anschaffung des Wagens nichts mehr im Weg.
Für die nächsten 4-5 Jahre können wir auf bis zu 120 Kühen aufstocken.
Wir lassen es locker angehen, zumal unser Sohn im Sommer erst einmal in die Ausbildung geht. Wir wollen unseren Stall auf keinen Fall überbelegen. Mit Beginn der Ausbildung ist die Einstellung und Fortbildung unserer 450-Euro-Kraft geplant. Wir sind sehr zufrieden mit dem Mitarbeiter – er zeigt großes Geschick für die Tiere.
Nach der Ausbildung unseres Sohnes können wir uns auch vorstellen, Landwirte auszubilden.
LVN: Welche Tipps können Sie Ihrem Sohn schon heute als Hofnachfolger mit auf den Weg geben?
Wemken: Der Betrieb sollte stetig weiterentwickelt werden (gesundes Wachstum), aber nicht um jeden Preis und den Blick fürs Wesentliche nicht verlieren. Und: Die Hofeinfahrt ist die Visitenkarte!
Bei der Wahl der Ausbildungsbetriebe haben wir darauf geachtet, dass es Familienbetriebe sind, da eine funktionierende Familie für einen landwirtschaftlichen Betrieb sehr wichtig ist.
LVN: Sie sind „Bester Milcherzeuger“ in Niedersachsen geworden. Gibt es dennoch Ansatzpunkte, die Sie nach der Begutachtung gleich in Angriff nehmen wollen?
Wemken: Die Bedeutung von regelmäßigen Betriebszweigabrechnungen ist uns klar geworden, hier kann man die Potentiale des Betriebes sehr genau ablesen.
LVN: Gibt es neben den Hofarbeiten noch Zeit für Ehrenämter oder gar Hobbies?
Wemken: Ich bin seit 32 Jahren Jäger, nicht nur wegen der Jagd, sondern vor allem weil ich die Geselligkeit mag. Seit 24 Jahren engagiere ich mich in der RWG Ammerland-OstFriesland eG, bin dort im Vorstand.
12 Jahre lang war ich Vorsitzender des Ortslandvolkverein Wiefelstede, heute bin ich Vertreter in der Weser-Ems-Union (heute: Masterrind). Außerdem haben wir einen großen Freundeskreis. Generell nehme ich mir gerne Zeit, auch außerhalb des Hofes unterwegs zu sein.
LVN: Wie würden Sie den Satz vervollständigen: Ich würde immer wieder teilnehmen, weil ….
Wemken: … ich die Herausforderung mag und weil man eine tolle Wertschätzung, auch von Nicht-Landwirten, erfährt. Für uns hat die Auszeichnung einen richtigen Motivations-Schub gebracht. Der Preis gehört der ganzen Familie. Ich muss zugeben, ich habe die Wertigkeit des Preises unterschätzt – jetzt weiß ich, dass er für unseren Berufsstand eine große Bedeutung hat.
LVN/Licher
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