Milchlandpreis 2014: Der Gewinnerbetrieb Schwarting in Stadland

08. Januar 2015

Milchlandpreis 2014: Der Gewinnerbetrieb Schwarting in Stadland

LVN: Herr Schwarting, Sie haben sich im letzten Sommer zum ersten Mal beim Milchlandpreis beworben und sind gleich ganz vorne gelandet. Wie kam es zur Teilnahme am Milchlandpreis?

J. Schwarting: Eigentlich hat uns ein Berater im letzten Winter ermutigt, mal beim Milchlandpreis mitzumachen. Im Sommer kam der Fragebogen ins Haus, zuerst habe ich ihn im Büro abgelegt, mich aber dann doch entschlossen, ihn auszufüllen und abzuschicken. Schon bald kam der Anruf, dass zwei Gutachter auf unseren Hof kommen und dann nahm alles seinen Gang.

LVN: Die Auszeichnung mit der Goldenen Olga hat Ihnen eine herausragende Unternehmensführung bescheinigt. Was sind Ihrer Meinung nach Ihre Stärken und die Ihres Betriebes?

J. Schwarting: Wir versuchen das, was wir machen, besonders gut zu machen. Wir versuchen, gründlich und vor allem konsequent zu arbeiten. Klare Strukturen und Arbeitsabläufe sind für uns sehr wichtig. Das spiegelt sich sicher auch in den Unterlagen wider. Wir haben ein gut funktionierendes System, gerade auch im Bereich des Herdenmanagements.
Als 100 %iger Grünlandbetrieb können wir kostengünstig produzieren, unsere Wirtschaftlichkeit ist gut. Als Schwäche würde ich unsere ältere Melktechnik ansehen.

LVN: Sie bekamen die ehemalige Domäne, auf der ihre Familie seit 1856 ansässig ist, 1995 von Ihrem Vater übergeben. 2009 haben Sie den Grünland-Betrieb gekauft. Wie hat sich Ihr Betrieb seitdem entwickelt?

J. Schwarting: Der Kauf der 51 ha-großen Domäne im Jahr 2009 war erst einmal eine Herausforderung. 2012 kamen 8 ha dazu. 2013 haben wir das Altgebäude dann komplett entkernt und umgebaut. Dabei verschwand der Heuboden, ein neuer Güllekeller wurde gebaut. Für die Jungtiere wurde ganz auf Liegeflächen umgebaut. In 2003 wurde der Laufstall verlängert und der alte Anbindestall für trockenstehende Kühe zu einem Laufstall mit Liegefläche und befahrbarem Futtertisch umgebaut. 2011 wurde eine Photovoltaikanlage eingebaut.

LVN: Die Gutachter fanden einen „sehr gepflegten Betrieb“ vor. Wer trägt alles zu diesem Erfolg bei und wie ist die Arbeitsaufteilung?

J. Schwarting: Unsere ganze Familie trägt zum Erfolg bei. Neben mir als Betriebsleiter arbeitet meine Lebens-partnerin auf dem Hof mit, sie kümmert sich um das Jungvieh und die Kälber. Auch die Kinder übernehmen schon kleine Aufgaben, z.B. Futter schieben mit dem Hoftrac. Mein Vater kommt jeden Tag auf den Hof und hilft bei leichten Arbeiten, wie Silo schneiden und anschließender Hofreinigung. Außerdem haben wir noch einen Mitarbeiter mit 0,5 AK beschäftigt, der alle Arbeiten auf dem Betrieb ausführen kann.
Sauberkeit und Ordnung auf dem Hof habe ich seit der Kindheit gelernt, denn auf der Domäne bekamen wir jedes Jahr Besuch zur Gebäudebesichtigung. Wenn dann z.B. mal eine Tür oder ein Fenster nicht in Ordnung war, musste es ausgetauscht werden.
Zum Erfolg des Betriebes tragen aber auch noch andere bei, z.B. die Berater, der Steuerberater, der Tierarzt, der Landhandel, die Mitarbeiter des Futtermittellieferanten, die Fahrer des Lohnunternehmers und viele mehr.

LVN: Welche Überlegungen für den Komfort von Kuh, Mensch und Umwelt fließen in Ihre Unternehmensführung ein?

J. Schwarting: Durch unsere klaren Strukturen und Arbeitsabläufe schaffen wir vernünftige Arbeitsbedingungen für uns selbst. Wir versuchen, die Handarbeit zu minimieren.
Für die Kühe haben wir besonders weiche Gummimatten als Liegeflächen angeschafft, im Laufstall gibt es einen Spaltenschieber und eine Kuhbürste. Das wichtigste ist für uns aber, dass die Kühe so lange wie möglich auf unseren Weiden verbringen. Im letzten Jahr waren sie von Anfang März bis Mitte November mit einer kleinen Unterbrechung tagsüber auf der Weide. Ein halbes Jahr lang haben sie dort auch die Nacht verbracht.
Schon früh haben wir auf bodennahe Gülleausbringung gesetzt, zunächst über einen Lohnunternehmer, 2010 haben wir uns ein eigenes Fass angeschafft.

LVN: Welche Zukunftspläne haben Sie?

J. Schwarting: Ich bin nicht der Verfechter davon, die Kuhzahl zu verdoppeln, zumal wir dafür nicht die ent-sprechenden Flächen hätten. Nach dem Domänenkauf werden wir zunächst die „Tilgung fahren“ und Eigentum schaffen. Es gibt aber einige Punkte, die wir angehen wollen: Da wären zunächst die Siloplatten zu nennen, die wir erneuern bzw. vergrößern wollen. Je nach politischer Entwicklung steht evtl. die Erweiterung der Güllelager an. Dann würde die Erneuerung der Melktechnik anstehen. Einen nächsten größeren Entwicklungsschritt werden wir aber erst dann vornehmen, wenn die Hofübernahme durch eines unserer Kinder gesichert ist, also in frühestens 10 Jahren.

LVN: Gibt es neben den Hofarbeiten noch Zeit für Ehrenämter oder gar Hobbies?

J. Schwarting: Dadurch, dass wir ab 2001 stetig mit Bauarbeiten rund um das alte Wohnhaus und den Kuhstall beschäftigt waren, konnte ich mich nicht intensiv mit Ehrenämtern beschäftigen. Wir achten aber schon darauf, pünktlich Feierabend zu machen, am Wochenende Zeit mit den Kindern zu verbringen und auch auf den Urlaub verzichten wir nicht.

LVN: Wie würden Sie den Satz vervollständigen: Ich würde immer wieder beim Milchlandpreis teilnehmen, weil..

J. Schwarting: … es interessant ist, andere in den Betrieb schauen zu lassen. Die Prüfung war zwar anstrengend, ich musste jeden Aktenordner rausholen. Dadurch habe ich aber vieles noch einmal reflektiert, z.B. auch Versicherungen. Andere Meinungen sind mir wichtig und sie sorgen dafür, dass man nicht betriebsblind wird. Auf jeden Fall ist die Auszeichnung eine hohe Anerkennung für unsere geleistete Arbeit.
LVN/Licher

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