Niedersächsisches Forum Gesundheitlicher Verbraucherschutz in Hannover

19. September 2013

Niedersächsisches Forum Gesundheitlicher Verbraucherschutz in Hannover

„Toxikologische Grenzwerte: Trennung zwischen giftig und ungiftig?“ Dieser Frage stellte sich im Eröffnungsvortrag Frau PD Dr. Gaby-Fleur Böl als Abteilungsleiterin der Risikokommunikation im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die wissenschaftliche Bewertung von Risiken erfolge anhand der Betrachtung der Gefährlichkeit eines Stoffes und des möglichen Kontaktes mit dem Stoff unter den üblichen Bedingungen für den Durchschnitt der Bevölkerung. Das bloße Vorhandensein eines Rückstandes stelle aber nicht zwangsläufig ein Risiko für den Konsumenten dar und erst bei Konzentrationen, die weit über den geltenden Rückstandshöchstgehalten in einem Lebensmittel liegen, werden Grenzwerte wie der ADI, also die akzeptierte tägliche Aufnahme, erreicht. Die gefühlte Risikowahrnehmung der Verbraucher sei höher als das tatsächliche Risikopotenzial, denn man orientiere sich in der Bewertung eines Risikos z.B. an Kontrollierbarkeit oder Schrecklichkeit. Gefühlte Risiken beruhten darauf, dass Laien die wissenschaftliche Risikoabschätzung oft nicht oder falsch verstehen bzw. es nicht gelungen sei, die wissenschaftlichen Daten verständlich und trotzdem differenziert dazustellen.

Prof. Dr. Eberhard Haunhorst (LAVES) gab im zweiten Vortrag des Tages einen Überblick über die Erfahrungen der amtlichen Lebensmittelüberwachung. Er subsumierte, dass unter allen beanstandeten Proben des LAVES der größte Teil (58 %) Beanstandungen in der Kennzeichnung/Aufmachung seien, aber auch mikrobielle Verunreinigungen vorkämen.

Nach einer Pause an der Milchbar der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN), gestärkt mit leckerer Schokomilch, startete die zweite Vortragsrunde, in der Prof. Dr. Seitz vom Alkoholforschungszentrum der Universität Heidelberg unter der Fragestellung „Alkohol: Genussmittel oder unterschätzter Risikofaktor“ einen Überblick gab. In wieweit Alkohol einen schädigenden Einfluss haben könne, ließe sich nicht pauschal festhalten. Es sei für jeden individuell und unterliege unter anderem dem Geschlecht, dem Konsummuster, einer bestehenden Mangelernährung oder z.B. einer bereits bestehenden Lebererkrankung.

PD Dr. Thomas Ellrott, Sektionsleiter der DGE Niedersachsen, fasste zum Abschluss die verschiedenen Determinanten der Risikowahrnehmung von Verbrauchern zusammen. Wichtig seien z.B. die Fragen: Kann der Konsument die Ursache beeinflussen oder nicht? Übernimmt er das Risiko freiwillig oder unfreiwillig? Sind die Risiken sofort spürbar oder treten diese erst verzögert auf? Wie sieht die mediale Berichterstattung zum betreffenden Thema aus?

LVN/Kraack

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