Qualitätsarbeit ist aktiver Verbraucherschutz
In seiner Begrüßung bezog sich Vorsitzender Leo Heymann „desillusioniert“ auf die aktuelle Preisrunde mit dem Handel: das Preisniveau sei nun so niedrig, dass man von einer Bezahlung der Qualitätsarbeit auf den Höfen und in den Molkereien kaum noch sprechen könne. Die Branche habe die aktuelle Lage indes als Ansporn für noch mehr Innovation und Qualität zu verstehen, um möglichst schnell wieder aus der prekären Preissituation herauszukommen.
Der sachsen-anhaltinische Landwirtschaftsminister Dr. Hermann Onko Aeikens unterstrich den hervorragenden Ruf, den Milch als Nahrungsmittel hat, die Milchwirtschaft sei bisher von Skandalen verschont geblieben. Die langfristigen Perspektiven für den Milchmarkt seien gut, jeden Tag wachse die Weltbevölkerung um 200.000 Menschen (so viele Einwohner wie z.B. Magdeburg hat). Dem werde der aktuelle Trend mit nachgebenden Preisen nicht gerecht. Er, so Aeikens, sei froh, dass die Quote bald der Vergangenheit angehört. Seine Aufgabe zur Einkommenssteigerung habe dieses Marktinstrument ohnehin nie erfüllt. Vielmehr habe die Quote bewirkt, dass die Landwirtschaft nicht ausreichend am steigenden Weltmarkt teilnehmen konnte und nicht die Wertschöpfung erreicht wurde, die hätte erreicht werden können. Aeikens: „Wir brauchen keine Quote und auch keine Ausgleichszahlungen für temporäre Marktschwankungen – das ist Politik von gestern!“. Dagegen sei die jüngste Festlegung der EU gegen ein Wiederaufnehmen der Exporterstattungen vorschnell gewesen. Die Gemeinsame Agrarpolitik, so die Feststellung des Ministers, werde ohnehin viel zu oft in zu kurzen Abständen reformiert.
Sorge bereitet Aeikens die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft auf den Bodenmärkten. Das EEG habe Auswirkungen, die nicht gesund für den Markt seien. Mit Biogas sei mehr zu verdienen als mit agrarischer Produktion, die sich am Markt schlagen muss. Biogas sei für die Gülleveredelung zu begrüßen, müsse aber insgesamt in ein Gleichgewicht gebracht werden, sonst drohe der Boden an kapitalkräftige Investoren zu gehen. Auch beim Naturschutz forderte Aeikens ein Umdenken: dieser müsse produktionsintegriert erfolgen, es dürften nicht zu viele Flächen aus der Produktion genommen werden.
Friedrich-Otto Ripke, Agrarstaatssekretär in Niedersachsen, wies auf das positive Image der Kuh hin, das weit über die Milchwirtschaft hinaus auch von anderen Branchen genutzt wird. Gleichwohl steige die Bedeutung des Tierschutzes in der Verbraucherschaft. Produkte, die Tierschutz beinhalten, würden von Verbrauchern bevorzugt – und genau dies könne Milch auch leisten (Ripke: „Milch ist das Paradeprodukt bei den Verbrauchern“). Die Qualitätsarbeit in den Molkereien bezeichnete Ripke als aktiven Verbraucherschutz. Während Fachkompetenz in den Betrieben das entscheidende Kapital für die Branche ist, fördere die Politik die Veredelung von Milch, die für die nötige Wettbewerbsfähigkeit auch im Weltmarkt nötig ist.
Vize-Landvolkpräsident Heinz Korte erklärte, dass die Milcherzeuger es den Molkereien in starkem Maß zu verdanken haben, dass sie ihr Produkt auch auf dem Weltmarkt zunehmend absetzen können und dabei ein angemessenes Einkommen erzielen. Die Erzeuger könnten auf die Ernährungsbranche stolz sein, so Korte.
Den aktuellen Preistrend bezeichnete Korte als ganz normale Marktschwankung, die von den steigenden Preisen und damit auch steigenden Mengen in den letzten zwei Jahren ausgelöst wurde. Die Landwirte hätten erkannt, dass solche Entwicklungen vor dem Hintergrund globaler Märkte zu sehen sind. Daher sei es auch unsinnig, gerade jetzt wieder die Systemfrage zu stellen und eine Weiterführung von Mengenregelungen zu fordern. Die Frage sei vielmehr, ob die Angebotsseite gut genug aufgestellt ist. Hier lasse das Kartellrecht, so Korte, durchaus noch Optimierungsspielraum. Korte ist aber davon überzeugt, dass sich der Markt bald wieder drehen wird, im Gegensatz zu 2007 gebe es nämlich keine vollen Lager.
Jan Heusmann, Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen, befasst sich in seinem Grußwort mit Nachhaltigkeit. Diese sei mehr als bloß Energieeinsparung, und Kühe seien keine Klimakiller, sondern Erzeuger wertvoller Nahrungsmittel. Hierzu hat die LV bereits Unterrichtsmaterial für Schulen erstellt, so der Hinweis Heusmanns. Die Landesvereinigung wolle die Milchwirtschaft in ihren Nachhaltigkeitsbemühungen unterstützen, eine Kooperation läuft hierfür u.a. mit dem VTI in Braunschweig.
Dr. Lutz Rudzik, LUFA Nord-West, wies darauf hin, dass die Produktqualität mittlerweile so gut geworden ist, dass es kaum noch Unterschiede zwischen den Produkten einzelner Molkereien gibt. In der sensorischen Bewertung schnitten 97% von 4.862 an der LUFA Oldenburg untersuchten Proben mit 5 Punkten ab, bei Geruch waren es 86% von 5.063 Proben (dazu kamen weitere 10% mit 4 Punkten). Auch bei Schadstoffrückständen gebe es keine Probleme für Milch, die Proben liegen weit unter den EU-Höchstmengen. Probleme machten im Gegenzug aber Produkte, die aus Drittländern eingeführt werden.
Kerstin Petsch, Landwirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt, erklärte für ihr Bundesland, dass von den 273 gezogenen Qualitätsproben bei Milchprodukten 90% ohne jede Beanstandung waren.
Unmittelbar anschließend wurden die Ehren-, Leistungs- und Qualitätspreise an Molkereien und deren Mitarbeiter vergeben (siehe Anlage).
Den Abschluss der Frühjahrstagung bildete ein Vortrag des NDR-Moderators Ludger Abeln zum Thema „Die Kommunikationsfalle – was erwarten Politik, Medien und Wirtschaft voneinander?“. Abeln wies dabei auf die Konkurrenz der Medien hin (120 TV-Sender, Zeitungen, Magazine, Internet). Gute Nachrichten würden vom Leser eher ignoriert, „knackige“ Schlagzeilen dagegen begierig aufgenommen. Themen mit vermeintlich hoher gesellschaftlicher und politischer Relevanz würden dagegen kaum Resonanz bei den Lesern/Zuschauern/Usern finden. Im Umgang mit Medien sei Offenheit wichtig, den Kontakt mit Medien sollte die Person im Unternehmen führen, die es am besten kann, was nicht immer auf den Firmenchef zutreffen müsse. In Pressemitteilungen müsse alles stimmen, so Abeln, wenn es etwas Schlechtes zu berichten gibt, müsse man sich dem stellen, denn Geheimhaltung funktioniert in der Mediengesellschaft längst nicht mehr.
molkerei-industrie
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