Welternährung zu sichern wird Herausforderung der Zukunft
Am Lehrstuhl für Welternährungswirtschaft und Rurale Entwicklung untersucht Qaim dazu die Landwirtschaft unter globaler Perspektive.
Über allen gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft, bei denen in Deutschland häufig Schlagworte fallen wie „Sichere und natürliche Lebensmittel erzeugen“, „Umwelt- und Artenschutz“, „Tierschutz/Tierwohl“, „Erhalt ländlicher Idylle“, „Beschäftigung im ländlichen Raum“ stehe die Sicherung der Welternährung als oberstes Ziel. Weltweit hungern derzeit 805 Millionen Menschen. Dabei leben 65 % der Hungernden in Asien, 27 % in Afrika, 6 % in Lateinamerika und 2 % in den Industrienationen.
Schaut man sich an, dass heute pro Kopf ca. 2.800 Kilokalorien erzeugt werden, ist klar zu erkennen, dass wir den Bedarf von 2.500 Kilokalorien nicht nur decken, sondern übererfüllen können. Ein Verteilungsproblem scheint also Ursache für die große Zahl der Hungernden in der Welt. Wenn man jedoch in die Zukunft schaut, ist der Hunger auch ein Produktionsproblem. Allein aufgrund der anwachsenden Bevölkerung werden rechnerisch im Jahr 2050 nur noch 2.100 Kilokalorien pro Kopf erzeugt werden können. Die Nachfrage nach Agrarprodukten könnte sich jedoch im Jahr 2050 verdoppeln. Grund dafür sind neben Bevölkerungswachstum, steigende Einkommen in Entwicklungsländern und die Bioenergie vom Acker. Die Menge der Ackerfläche ist limitiert und wird nicht wesentlich ausgeweitet werden können. Die ökologischen Kosten steigen aufgrund von Ressourcenknappheit und Klimawandel. Die globale Produktion könne daher aus Sicht Qaims nur durch Ertragssteigerungen erhöht werden. Dazu müsse insbesondere der technische Fortschritt weiter vorangetrieben werden. Das Wachstum der weltweiten Investitionen in Agrarforschung sei dementgegen jedoch seit 1990 deutlich zurückgegangen.
In anschaulichen Illustrationen verdeutlichte Qaim z.B., dass die Landwirtschaft in den Industrienationen, entgegen der häufig vertretenen Meinung, einen wesentlichen Anteil an der Weltversorgung trage und damit einen positiven Effekt gegen den Hunger in Entwicklungsländern hat. Ebenso zeigte er in einer Simulation, welchen Effekt eine Reduktion des Fleischkonsums um 50 % in Deutschland, Europa und allen OECD Staaten hätte. Für Deutschland würde es den Anteil der Hungernden um 0,5 % reduzieren, für die OECD Staaten um 7 %.
Qaim zeigte Ergebnisse einer Befragung der deutschen Öffentlichkeit, die zeigen, dass Hunger vor allem als Verteilungsproblem gesehen wird und extensive Formen der Landwirtschaft bevorzugt werden.
In seiner Schlussfolgerung forderte er jedoch ein Umdenken. Eine Ernährung von zukünftig 10 Milliarden Menschen sei möglich. Die notwendige Produktionssteigerung bis 2050 stelle eine Herkulesaufgabe dar (knappe Ressourcen, Klimawandel). Die technologischen Herausforderungen lägen in der nachhaltigen Steigerung der Agrarproduktion und in mehr Forschung und Innovation (inkl. neuer Technologien). Er sprach sich auch deutlich für ein Umdenken in der Einstellung gegenüber grüner Gentechnik aus.
Als gesellschaftliche Herausforderungen nannte Qaim die Sensibilisierung für globale Zusammenhänge, das Überwinden von falschen romantischen Vorstellungen und ein Überdenken von verschwenderischen Konsummustern.
Im Nachgang zur Tagung befragte die LVN Prof. Dr. Qaim nach seiner Einschätzung für die milchwirtschaftliche Entwicklung. „Für den hiesigen Milchsektor“, so Qaim, „sind eine ressourceneffiziente Produktion und nachhaltige Produktionssteigerungen gut und wichtig für die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung. In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern (momentan vor allem in Asien) wächst die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten sehr stark an. Das ist zunächst mal zu begrüßen, weil dies die Ernährung armer Menschen vielseitiger und ausgewogener macht. Exporte von Milch und Milchprodukten aus Deutschland und Europa in diese Regionen sind also gut, wenn wir hier effizienter produzieren können als andere (und dabei keine versteckten Umweltkosten entstehen). In vielen Ländern Asiens ist die lokale Milchproduktion noch nicht ausreichend entwickelt, um die rasant steigende heimische Nachfrage zu decken.“
LVN/Möhring
Das könnte dich auch interessieren
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen