Milchwirtschaft in Niedersachsen: Auszeichnung der Jahresbestleistungen 2007

08. Juni 2008

Milchwirtschaft in Niedersachsen: Auszeichnung der Jahresbestleistungen 2007

Trotz des sommerlich heißen Wetters waren am Freitag, dem
30.05.2008, zahlreiche Milchwirtschaftler und Ehrengäste nach Verden gekommen,
um an der Auszeichnung der besten Qualitätsleistungen der Molkereien in
Niedersachsen und Sachsen-Anhalt für das Jahr 2007 teilzunehmen. Die Ehrungen,
die traditionell anlässlich dergemeinsamen Frühjahrsveranstaltung des
Landesverbandes der Milchwirtschaftler Weser-Ems e.V. und des Landesverbandes
der Milchwirtschaftler in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt e.V. stattfinden,
standen dieses Mal im Zeichen der turbulenten Entwicklung auf den Milchmärkten
in den vergangenen zwölf Monaten und dem aktuellen Milchlieferstreik. Leo
Heymann, Vorsitzender des Verbandes der Milchwirtschaftler Weser-Ems e.V.,
eröffnete die Veranstaltung und berichtete eingangs über die Gründung des
Dachverbandes der beiden Fachleuteverbände. Zu der neuen Dynamik der
Milchmärkte mit bisher nicht bekannten Preissteigerungen, die von einem
erheblichen Medieninteresse begleitet wurden, und dem darauf folgenden
Preisverfall merkte er an, dass sie auch den Molkereien ein Höchstmaß an
Flexibilität abforderten. Zum Milchlieferstreik fügte er an, dass es
hoffentlich nicht zu einer Kluft zwischen Erzeugern und Molkereien kommt.

Auf großes Interesse stießen wieder die Grußworte der
Ehrengäste. Friedrich-Otto Ripke, Staatssekretär im Niedersächsischen
Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und
Landesentwicklung überbrachte die Grüße des durch einen Krankenhausaufenthalt
verhinderten Ministers Hans-Heinrich Ehlen. Er ging auf die Namensänderung
seines Ministeriums nach der letzten Landtagswahl ein und erläuterte die
Vorzüge der Ansiedlung der Landesentwicklung im Landwirtschaftsressort. So
könnten beispielsweise Ausgleichsmaßnahmen für Verkehrs- und
Industrieprojekte sinnvoller mit landwirtschaftlichen Maßnahmen verbunden
werden. Er sprach in diesem Zusammenhang die Konkurrenz um die Fläche an, die
gerade in Niedersachsen als einem Bundesland mit starker tierischer Veredelung
und einem großen Anteil Bioenergienutzung deutlich wird. Zum Milchlieferstreik
merkte er kritisch an, dass auf Verbraucherebene zwar großes Verständnis für
die prekäre Situation der Milcherzeuger vorhanden ist, dass aber viele
Verbraucher die Vernichtung von Milch über einen längeren Zeitraum hinweg
nicht gutheißen.

Für das Landvolk Niedersachsen Landesbauernverband e.V.
sprach dessen Präsident Werner Hilse die äußerst schwierige wirtschaftliche
Situation der Milcherzeuger an. Die Auszahlungspreise für Milch liegen wieder
auf dem Niveau wie vor 30 Jahren, während die Betriebskosten drastisch
gestiegen sind. Die hart arbeitenden Milcherzeuger müssen in der Lage sein, ein
auskömmliches Einkommen zu erwirtschaften. Er setzt dabei auf Gespräche mit
dem Handel. Seiner Meinung nach muss der Verbraucher darauf vorbereitet werden,
dass der Kostenanteil für Lebensmittel an den Gesamtlebenshaltungskosten
steigen wird.

Sigrid Fredrich, Milchreferentin im Ministerin für
Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, übermittelte die Grüße
von Ministerin Petra Wernicke. Sie freute sich über die zahlreichen
Auszeichnungen, die nach wie vor ein Beleg für die Leistungsfähigkeit der
Milch verarbeitenden Unternehmen sind, die in Sachsen-Anhalt den stärksten
Zweig der Ernährungswirtschaft stellen. Bezüglich der Preisentwicklung ging
sie darauf ein, dass die Bundesbürger trotz gestiegener Preise für
Nahrungsmittel und Getränke insgesamt nicht mehr ausgegeben haben als im Jahr
zuvor (11,1 %). Aber die Nachfrage ging beispielsweise bei Butter um 6,7 % und
bei Quark um 4,4 % zurück. Auch die Lebensmittelindustrie hat auf die
gestiegenen Preise mit Veränderungen der Rezepturen reagiert. Die Aussage, dass
Verbraucher bereit sind, höhere Preise zu zahlen, wenn sie beim Landwirt
ankommen, stimme nur bedingt – die Praxis zeige, dass der Verbrauch bei höheren
Preisen eingeschränkt wird.

Peter Cornelius, Vorsitzender der Landesvereinigung der
Milchwirtschaft Niedersachsen e.V., dankte den milchwirtschaftlichen Fachleuten
für ihre Leistung, die der gesamten niedersächsischen Milchwirtschaft zugute
kommt. Auf der Stufe der Milcherzeugung steht das QM-Milch-System als ein Garant
für nachweisliche Qualität. Zurzeit werden die Weichen für eine
Akkreditierung des Systems gestellt. Mit Blick auf den Milchlieferstreik
befürchtet er, dass das Verhältnis der Molkereien zu ihren Milchlieferanten,
aber auch das Verhältnis der Milcherzeuger untereinander darunter gelitten hat.
Andererseits sieht er eine realistische Chance für Verhandlungen mit dem
Handel.

Die hervorragenden Ergebnisse der amtlichen und freiwilligen
Güteprüfungen des Jahres 2007 kommentierte Dr. Lutz Rudzik, Leiter des
Instituts für Lebensmittelqualität der LUFA Nord-West in Oldenburg. Er nutzte
gleichzeitig die Gelegenheit, um auf die Schaffung neuer
Unterbringungsmöglichkeiten für die gestiegene Zahl von milchwirtschaftlichen
Auszubildenden in der überregionalen Ausbildungsstätte in Oldenburg
hinzuweisen. Zurzeit wird nur eine Übergangslösung genutzt. Den Wanderpreis
des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft,
Verbraucherschutz und Landesentwicklung in Hannover erhielten vier Molkereien.
· NORDMILCH AG, Werk Edewecht für Deutsche Markenbutter – mildgesäuert ·
NORDMILCH AG, Werk Zeven, für Speisequark 40 % F.i.Tr. · Humana Milchunion eG,
Werk Georgsmarienhütte, für Labkäse – Standardsorte Tilsiter 45 % F.i.Tr. ·
Rücker GmbH, Aurich, für Labkäse – freie Sorte; Feta in Öl mit Kräutern45
% F.i.Tr. Vier weitere Betriebe wurden mit einer Urkunde der Landesvereinigung
der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. für Jahresbestleistungen ausgezeichnet
sowie zwei Molkereien für mehrjährige Spitzenleistungen bei der Herstellung
von Deutscher Markenbutter. Die Landesverbände würdigten darüber hinaus sechs
Fachleute, die sich in ihren Unternehmen in besonderem Maße um die Sicherung
und Verbesserung der Produktqualität verdient gemacht hatten. Gleichzeitig
erfolgte die Auszeichnung von sechs Unternehmen und fünf Fachleuten aus
Sachsen-Anhalt durch das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt in
Magdeburg.

Eine vollständige Aufstellung der ausgezeichneten
niedersächsischen Betriebe und Fachleute für das Jahr 2007 finden Sie hier.

Den abschließenden Festvortrag hielt der ehemalige Leiter des
Pflanzenschutzamtes Hannover, Dr. Manfred Reschke, zum Thema“Nahrungsmittelproduktion national-global, rational-emotional“. Da die
Bevölkerung weltweit schneller steigt als der technische Fortschritt in den
Industrieländern und da die Erschließung neuer Agrarflächen, ohne den Urwald
anzugreifen, begrenzt ist, geht er zusammenfassend davon aus, dass 90 % des
steigenden Bedarfs an Nahrungsrohstoffen aus der Intensivierung der Produktion
kommen muss. 

LVN/Fritsch

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