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Bio-Milch

Definition

Als „Bio-Lebensmittel“ werden Lebensmittel bezeichnet, die entsprechend den Vorschriften der EU‑Öko‑Basisverordnung (Verordnung (EU) 2018/848) erzeugt werden.1 Zusätzlich zu dieser Verordnung gibt es allgemeine Tierwohl-, Haltungs- und Herstellungsstandards, wie zum Beispiel das Tierschutzgesetz für die Nutztierhaltung oder im Bereich Milchkuhhaltung die Tierschutzleitlinien für die Milchkuhhaltung.2,3


Das Ziel der EU-Öko-Basisverordnung ist es, u.a. die Grundsätze der ökologischen/biologischen Produktion und die Vorschriften für eine derartige Produktion zu definieren sowie die Kennzeichnung ökologischer/biologischer Erzeugnisse zu regeln.

Am Beispiel von Milch und Milchprodukten zeigt die folgende Tabelle auf, welche Vorgaben für die Haltung von Milchkühen es auf konventionellen und ökologischen Betrieben gibt.

Unterschiede Bio-Milch und konventionelle Milch

Bio-MilchKonventionelle Milch
HaltungsformEine artgerechte, verhaltensgerechte Unterbringung ist vorgeschrieben. Diese geht damit einher, dass Kühe in Herden leben. Es ist jedoch keine Mindest- oder Maximalgröße für die Herde vorgegeben.3
FutterDas Futter der Kühe muss aus ökologischem/biologischem Anbau kommen und es dürfen keine gentechnisch veränderten Futtermittel eingesetzt werden.1Keine verpflichtenden Vorgaben zu bestimmten Futteranteilen. Futtermittel werden typischerweise regional erzeugt.
Der größte Anteil des Futters muss Raufutter (z. B. Gras oder Silage) sein.1Hoher Raufutteranteil wird empfohlen, um die Gesundheit der Tiere zu stärken. 3
StallbauMindest-Stallgröße von 6m2 pro Tier vorgegeben.10  Keine Mindeststallgröße vorgegeben, aber Empfehlungen für ausreichend Platz im Stall.3
Vorgaben für die Bodenbeschaffenheit und Gestaltung der Liegeflächen.1Empfehlungen für die Bodenbeschaffenheit und Gestaltung der Liegeboxen.3
Es wird empfohlen, im Stall Möglichkeiten für Kühe zu schaffen, sich zu Schubbern (so genannte Kuhbürsten), um so ihren natürlichen Verhaltensweisen zur Körperpflege nachkommen zu können.3
Weide-/ AuslaufflächeDen Kühen müssen Auslauf- oder Weideflächen in der Größe von min. 4,5m2 pro Tier zur Verfügung stehen.1,11Im Stall muss artgerechte Bewegung möglich sein, jedoch ist keine Auslauffläche oder Weidegang vorgegeben.3
Tierwohl und TiergesundheitBei der Zucht der Tiere muss ein Augenmerk auf Langlebigkeit und hohe Vitalität gelegt werden.1Bei der Zucht der Tiere wird auf eine möglichst geringe Krankheitsanfälligkeit geachtet.4
Antibiotikaeinsatz nur nach tierärztlicher Verordnung bei Erkrankung. Maximal drei Antibiotikabehandlungen pro Jahr zugelassen.1Antibiotikaeinsatz nur nach tierärztlicher Verordnung bei Erkrankung.4 Antibiotikaeinsatz wird engmaschig kontrolliert.12
Die Enthornung von Rindern ist nur im Ausnahmefall erlaubt.1Das Tierschutzgesetz erlaubt die Enthornung bis zur sechsten Lebenswoche.2
Kälber Haltung und AufzuchtKälber können unmittelbar nach der Geburt von der Kuh getrennt werden. Aber auch Mutterkuhgebundene Kälberhaltung ist möglich.
Kälberaufzucht für die ersten drei Monate mit natürlicher Milch.1Kälber dürfen auch mit Milchpulver gefüttert werden. Unmittelbar nach der Geburt muss ihnen jedoch Muttermilch angeboten werden.2
Anforderungen bei der Verarbeitung/ Herstellung von MilchproduktenBei der Verarbeitung und Produktion von Bio-Lebensmitteln ist der Zusatz von Farbstoffen, Stabilisatoren und Geschmacksverstärkern verboten.1Zusatz von Farbstoffen und Stabilisatoren erlaubt.    
Es sind nur bestimmte Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe zugelassen. 5  Es ist eine größere Menge an Zusatz- und Hilfsstoffen zugelassen. Jedoch werden alle Stoffe vor der Zulassung gründlich überprüft.6
Nachhaltige Energieerzeugung für den BetriebNicht vorgegeben, aber häufig genutzt.

Bio-Milch in der Ernährung

Nährwerte von Bio-Milch

Der Nährwertgehalt von Bio-Milch und konventioneller Milch ist nahezu identisch. Lediglich das Fettsäuremuster der Milch unterscheidet sich auf Grund von Unterschieden in der Fütterung der Tiere.

Durch eine vermehrte Weidehaltung und damit verbunden einer Fütterung mit frischem Gras und Klee, verändert sich die Zusammensetzung der Milch. Sie enthält mehr gesundheitsförderliche Omega-3-Fettsäuren und hat dadurch ein besseres Omega-6/Omega-3-Fettsäurenverhältnis.7,8 Durch ein gutes Verhältnis zwischen Omega-6 und Omega-3 Fettsäuren kann die Gesundheit des Menschen gefördert werden und ernährungsbedingte Krankheiten werden verhindert. Die wichtigsten Quellen für Omega-3 Fettsäuren in unserer Ernährung sind jedoch nicht Milchprodukte, sondern pflanzliche Fette/Öle, Nüsse und fettreicher Seefisch, wie z.B. Lachs.9

Diese veränderte Fütterung der milchliefernden Tiere tritt jedoch nicht nur bei Bio-Produkten auf, sondern auch bei mit Weide-Milch-Siegeln gekennzeichneten Produkten. Es ist jedoch zurzeit unklar, ob aus den erhöhten Omega-3 Fettsäuregehalte relevante gesundheitliche Vorteile für den Konsumenten resultieren.12

Weidemilch-Kennzeichnung

Weidemilch kann z. B. mit dem Siegel „Pro Weideland“ gekennzeichnet werden. Für die Kennzeichnung gibt es, ähnlich wie bei den Bio-Siegeln, feste Anforderungen die eingehalten werden müssen. Diese unterscheiden sich jedoch von denen der EU‑Öko‑Basisverordnung. Die Kriterien für das Pro Weidelandsiegel beziehen sich vor allem auf die Anzahl der Weidetage, die Größe der vorhandenen Weidefläche und die Fütterung der Kühe. Die Kriterien können auf der Website von Pro Weideland nachgelesen werden. 10

Kennzeichnung

Im Bereich der Bio-Lebensmittel gibt es verschiedene Kennzeichnungssiegel. Das weit verbreitetste Bio-Siegel ist das EU-Biosiegel. Dieses kennzeichnet Produkte, die nach den Vorgaben in der EG-Öko-Verordnung hergestellt wurden.1

Neben dem EU-Siegel gibt es weitere Bio-Verbände, wie Naturland, Bioland oder Demeter, welche eigene Siegel haben. Damit ein Produkt mit einem Siegel der Verbände ausgezeichnet wird, müssen bei der Herstellung noch strengere Vorgaben an die Produktion und Herstellung der Lebensmittel erfüllt werden, als in der EG-Öko-Verordnung festgelegt sind. Folgende Tabelle zeigt eine Übersicht über Zusatzanforderungen im Bereich Milch und Milchprodukte einiger ausgewählter Bio-Siegel.

Bio-SiegelZusatzanforderungen 13
NaturlandUnterbringung von Kälbern in Einzelbox verboten Zusatzfutter muss Naturland-zertifiziert sein.
BiolandZugang zur Weide vorgeschrieben, Mindestgröße für Weide vorgeschrieben Unterbringung von Kälbern in Einzelbox verboten Zusatzfutter muss Bioland zertifiziert sein. 
Demeter Zugang zur Weide vorgeschrieben, Mindestgröße für Weide vorgeschrieben Landwirtschaftliche Betriebe müssen immer auch Wiederkäuer oder Raufutterfresser, z.B. Kühe halten. Jedoch sind max. zwei Kühe pro ha landwirtschaftliche Nutzfläche erlaubt. Unterbringung von Kälbern in Einzelbox verboten Futter zu mind. 70 % Demeter-zertifiziert, höherer Raufutter Anteil (75 %) vorgegeben Besondere Vorgaben für den Anbau von Futtermitteln.14

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Quellen (Stand 08.12.2025):

1 Verordnung (EU) 2018/848 über die ökologische/ biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen

2 Tierschutz Nutztierhaltungsverordnung (2001)

3 Tierschutzleitlinie für die Milchkuhhaltung (2007); LAVES, Tierschutzdienst Arbeitsgruppe Rinderhaltung

4 Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL, 2024); Antibiotika in der Nutztierhaltung

5Durchführungsverordnung (EU) 2021/1165 der EU Komission 

6 Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe  

7 Bioland (2025) Milch & Milchprodukte – 3 Grüne für Bioland-Milch   

8 I.C. Acosta-Balcazar et al. (2023); A meta analysis to determine the optimal values of precursors in the diet of dairy cows that increase the concentration of conjugated linoleic acid (CLA) in milk

9 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2025); Referenzwerte Fett, essenzielle Fettsäuren (Stand 08.12.2025)  

10 Pro Weideland; Label-Kriterien

11Durchführungsverordnung (EU) 2020/464 gestützt auf die Verordnung (EU) 2018/848

12 Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Antibiotika-Einsatz bei Nutztieren  

13 Greenpeace 2023 Milch-Kennzeichnung – Was sagen die Siegel aus?

14 Demeter-Richtlinie und Zertifizierung – Richtlinien 2025 und 2026