Verbraucherschutzminister für die Ampelkennzeichnung

28. September 2008

Verbraucherschutzminister für die Ampelkennzeichnung

Nährwertangaben auf Lebensmitteln sollten dem Beschluss zufolge graphisch und farblich dargestellt werden, sich auf eine einheitliche Größe von 100 g bzw. 100 ml beziehen und den absoluten und prozentualenGehalt an Energie, Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren und Salz nennen. Der Gehalt solle in den Farben grün, gelb und rot hinterlegt werden.


Nach den Worten von Bayerns Verbraucherschutzminister Otmar Bernhard, der in diesem Jahr den Vorsitz in der Verbraucherschutzministerkonferenz innehat, bringt gerade die farbliche Hinterlegung der Nährwertangaben ein Plus an Verbraucherinformation, um schnell fett- oder kochsalzarme Lebensmittel im Regal zu erkennen.“Und vier von fünf Verbrauchern wünschen sich einer emnid-Umfrage genau dies“, fügte Bernhard hinzu.


Auch der in Nordrhein-Westfalen für den Verbraucherschutz zuständige Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg verwies auf den Wunsch“vieler Menschen, Ernährungsexperten und Verbraucherorganisationen“nach einer farblichen Kennzeichnung von zusammengesetzten Lebensmitteln, um sich ausgewogen zu ernähren und gesundheitsbewusst einzukaufen. Ähnlich äußerte sich in Berchtesgaden Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Dr. Till Backhaus. Demgegenüber hatte der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) im Vorfeld der Konferenz seine Kritik an der Ampelkennzeichnung bekräftigt unddie Minister vor einer“Scheinlösung“gewarnt. Die Opposition im Deutschen Bundestag warf Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer eine widersprüchliche Haltung zur Ampelkennzeichnung vor. Bernhard äußerte die Erwartung, dass die farbliche Kennzeichnung auch zu Produktinnovationen führen werde. Lebensmittelhersteller würden motiviert, ihre Produkte mit weniger versteckten Fetten oder Zucker auf den Markt zu geben, um keine“gelbe oder rote Karte“zu erhalten.


In bestimmten Fällen wie etwa für Speiseöle, Butter und Milch, Gemüse und Obst sei allerdings keine farbliche Kennzeichnung nötig. Die normierte Bezugsgröße vermeide,“dass die Lebensmittelunternehmer mit unrealistisch kleinen Portionsgrößen niedrige Kalorien-, Fett- und Zucker-Angaben vorgaukeln“. Aus Sicht von BLL-Hauptgeschäftsführer Prof. Matthias Horst wird das Ampelmodell seine Ziele nicht erreichen. Es berge sogar Risiken. Beispielsweise sei nicht geklärt, ob sich durch die missverständlichen Farbsignale nicht die Nährstoffversorgung verschlechtere. Offenbar seien keine Ernährungswissenschaftler zu Rate gezogen worden. Die wüssten, dass einzelne Lebensmittel nicht mit gut oder schlecht zu bewerten seien. Ebenfalls außer Acht gelassen worden seien Kosten, die im Zusammenhang mit diesem“unsachlichen Kennzeichnungsmodell“entstünden.


Erste Erfahrungen aus Großbritannien deuteten darauf hin, dass eine Lebensmittelampel keine positiven Auswirkungen habe.“Demnach geht es nicht um die Sache und wirkliche Lösungen, sondern um populistisch-politsche Debatten“, so Horst. Sowohl auf europäischer Ebene als auch inzwischen in Großbritannien wendeten sich Politiker von der Ampel ab. Keiner glaube noch ernsthaft, dass eine Ampelkennzeichnung auf Lebensmitteln ein Mittel gegen Übergewicht sein könne. Ziel der Politik müsse es stattdessen sein, sich um wirklich hilfreiche Maßnahmenzu bemühen. Dazu zählten Aufklärung, Hilfestellung, Bildung und Motivation, vor allem von besonders betroffenen Risikogruppen. 


AgE

Das könnte dich auch interessieren