

Die aktuelle Entwicklung zeigt deutlich: Die Kosten für die Milcherzeugung bleiben auf einem hohen Niveau. Besonders die Preise für Treibstoffe sind in den vergangenen Monaten bekanntermaßen gestiegen und liegen aktuell deutlich über dem Niveau der Vorjahre.
Die Futtermittelpreise haben sich nach den extremen Ausschlägen der Jahre 2022 und 2023 zwar beruhigt, bewegen sich aber weiterhin über dem Durchschnitt früherer Jahre.


Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Milchpreis und dem Ölpreis besteht nicht. Dennoch beeinflussen die Energiepreise die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion erheblich. Steigende Ölpreise verteuern Diesel für Traktoren und Erntetechnik, erhöhen die Kosten für den Transport von Milch und Futtermitteln und wirken sich auf energieintensive Bereiche wie Molkereien, Futtermittelwerke und die Düngemittelproduktion aus.
Kostendruck steigt trotz stabilerer Milchauszahlungspreise
Die aktuelle Grafik zeigt, dass die Treibstoffpreise zuletzt wieder deutlich angezogen haben, während sich die Milchauszahlungspreise nach den Höchstständen der Jahre 2022 und 2023 aktuell auf einem niedrigeren Niveau bewegen. Dadurch öffnet sich die Schere zwischen Erlösen und wichtigen Betriebsmittelkosten erneut. Für viele Milchkuhbetriebe bedeutet dies einen zunehmenden wirtschaftlichen Druck.
Steigende Energiepreise betreffen dabei nicht nur die Landwirtschaft. Höhere Kosten für Energie, Produktion und Transport wirken sich auf nahezu alle Wirtschaftsbereiche aus. Gleichzeitig können Verbraucherinnen und Verbraucher durch höhere Lebenshaltungskosten ihre Ausgaben einschränken, was sich wiederum auf die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten auswirken kann. Für die Betriebe steigen die Produktionskosten, während die Erlösentwicklung häufig nicht Schritt hält.
Straße von Hormus bleibt ein Risikofaktor für die Agrarmärkte
Aktuell richtet sich der Blick vieler Marktteilnehmer auf die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Straße von Hormus. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem offenen Meer und zählt zu den wichtigsten Transportwegen für den weltweiten Energiehandel. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls wird über diese Route verschifft.
Gleichzeitig passieren erhebliche Mengen an Düngemitteln und deren Vorprodukten die Region. Schätzungen zufolge wird etwa ein Drittel des weltweit gehandelten Düngers durch die Straße von Hormus transportiert. Produziert werden diese Düngemittel unter anderem in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar.
Kommt es dort zu Einschränkungen oder Unsicherheiten, reagieren die Energiemärkte häufig mit steigenden Preisen. Höhere Kosten für Öl und Gas wirken sich anschließend auf viele Bereiche der Wirtschaft aus – auch auf die Landwirtschaft. Für Milchkuhbetriebe können dadurch Treibstoffe, Dünger, Futtermittel und Transportleistungen teurer werden. Auch wenn die Straße von Hormus geografisch weit von Deutschland entfernt liegt, sind die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Störung dieser wichtigen Handelsroute hierzulande spürbar.
Milchauszahlungspreis wird von vielen Faktoren bestimmt
Neben der Bedeutung der Energiepreise wird der Milchauszahlungspreis von zahlreichen weiteren Faktoren beeinflusst. Entscheidend sind vor allem das nationale und internationale Milchangebot, die Nachfrage auf den Exportmärkten, das Konsumverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Entwicklungen auf den Weltmärkten, Veränderungen im internationalen Handel oder eine schwächere Nachfrage können die Milchpreise ebenso beeinflussen wie steigende oder sinkende Produktionskosten.
Kostenentwicklung bleibt unsicher
Während sich die Milchauszahlungspreise zuletzt eher seitwärts bis leicht rückläufig entwickelt haben, ziehen die Energiepreise wieder an. Die Unsicherheiten auf den internationalen Rohstoffmärkten bleiben hoch. Für die Milchkuhhalter in Niedersachsen bedeutet dies, dass die Kostenseite weiterhin genau beobachtet werden muss. Steigende Energie- und Betriebsmittelkosten können die Wirtschaftlichkeit der Betriebe spürbar belasten und den Strukturwandel weiter beschleunigen. Die aktuelle Entwicklung zeigt einmal mehr, wie eng die Landwirtschaft mit den globalen Energie- und Rohstoffmärkten verbunden ist.
destatis/AMI/DERA/LVN
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