Flexitarier

Ernährungstyp mit Klimaschutzpotenzial?

05. Mai 2020

Heute nehmen wir euch mit in den Ernährungstypen-Dschungel und erklären euch die Unterschiede zwischen Vegetariern, Veganern, Frutariern und Co. Einen Ernährungstyp schauen wir uns ganz genau an: den Flexitarier. Hat diese Ernährungsform Klimaschutzpotenzial?

Alternative Ernährungsformen
Foto: © AdobeStock/Eugen Thome

Der Duft von frisch Gegrilltem ist vielen von uns dieses Jahr schon um die Nase geweht. Was lag bei euch auf dem Grillrost? Leckere Bratwürste oder Sojasteaks, Grillkäse und Gemüse? Oder alles aber getrennt? Sag mir, was du grillst und ich sag dir, welcher Ernährungstyp du bist.  

Los geht’s mit den Flexitariern unter uns. Viele von uns sind Flexitarier – wissen es aber gar nicht, weil der Begriff – zumindest bei uns in Deutschland – noch nicht alltäglich ist. Flexitarier sind sozusagen flexible Vegetarier oder auch Teilzeitvegetarier. Sie essen nur gelegentlich Fleisch und ernähren sich überwiegend vegetarisch – also fleischlos. Auf dem Grill kann also mal ein gutes Steak liegen, muss aber nicht.

Eine gemeinsame Umfrage des Datenportals Statista und dem Meinungsforschungsinstitut YouGov zur bevorzugten Ernährungsweise in Deutschland aus dem Jahr 2019 zeigt: Rund 20 Prozent der befragten Männer und 34 Prozent der Frauen ernähren sich flexitarisch und essen  nur selten Fleisch.

Flexitarier haben sich meist für diese Ernährungsform entschieden, weil sie mehr auf Tierwohl, Umweltaspekte aber auch ihre Gesundheit achten möchten (DGE). Klar ist: Die Art und Weise, wie wir uns ernähren, beeinflusst sowohl unsere Gesundheit als auch unsere Umwelt. Ist Flexitarismus also eine Ernährungsform mit Klimaschutzpotenzial? Die Antwort lautet: Es kommt drauf an. Und zwar darauf, wie viel Fleisch Flexitarier zu sich nehmen. Dafür lohnt sich ein Blick in die „Planetary Health Diet“ der EAT Lancet-Kommission.

Damit sich auch noch im Jahr 2050 alle Menschen auf der Erde gesund und nachhaltig ernähren können, hat ein Team aus 37 Wissenschaftlern die Planetary Health Diet entwickelt. Mit diesem Ernährungsplan soll die Gesundheit der Menschen und des Planeten gleichermaßen geschützt werden. Kurz gesagt geben Wissenschaftler mit der Planetendiät Empfehlungen, wie jeder genügend Nährstoffe zu sich nehmen kann, ohne der Umwelt zu schaden. Bei der „Planetary Health Diet“ handelt sich um eine flexitarische Ernährung, die überwiegend auf pflanzlichen Lebensmitteln basiert, aber optional auch bestimmte Mengen an Fisch, Fleisch und Milchprodukten enthalten kann. Fleisch- und auch Milchprodukte werden in den Empfehlungen nicht verboten. Es kommt auf die Menge an. (Kurzversion der Studie, Originalstudie). Wer noch mehr zum Thema „Planetary Health Diet“ lesen möchte: Hier geht’s zum Interview mit dem Ernährungsexperten Dr. Malte Rubach

Wenn ich kein Flexitarier bin, was bin ich dann?

Keine Bange – es gibt für fast jeden Ernährungstypen mittlerweile eine Bezeichnung. Die drei  Haupternährungsformen sind Mischköstler (Allesesser), Vegetarier und Veganer. Zu den Hauptgruppen gibt es dann noch verschiedene Untergruppen.

Mischköstler: Du isst sowohl pflanzliche als auch tierische Lebensmittel? Dann bist du Mischköstler oder anders gesagt: ein Allesesser.

Vegetarier: Du isst neben pflanzlichen Lebensmitteln nur tierische Produkte, die von lebenden Tieren stammen. Milch und Milchprodukte, Eier und Honig gehören für dich also auf den Speiseplan, auf Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte verzichtest du. Dann bist du ein waschechter Vegetarier.

Veganer: Du isst absolut keine tierischen Produkte wie Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte, Honig und Gelatine. Du nimmst nur pflanzliche Lebensmittel zu dir? Dann bist du Veganer!

Pescetarier: Pescetarier oder auch Pesco-Vegetarier gehören zur Hauptgruppe der Vegetarier. Du isst zwar kein Fleisch, aber Fisch kommt bei dir ab und an mal auf den Teller? Dann bist du Pescetarier. Aber auch hier gibt es wieder Unterschiede – je nach Geschmack und Lebensauffassung: Krebstiere und andere Meeresfrüchte werden von manchen Pescetariern gegessen, von anderen nicht.

Frutarier: Frutarier gehören zur Hauptgruppe der Veganer. Du isst keine tierischen Produkte. Und: Du verzichtest auf pflanzliche Lebensmittel, bei deren Gewinnung die Pflanze beschädigt wird? Dann bist du Frutarier und nutzt für deine Ernährung vor allem Fallobst, Nüsse und Samen.

Jeder muss für sich seinen Ernährungsweg bestimmen. Der Ernährungswissenschaftler Dr. Malte Rubach rät: „Insgesamt gilt es aus meiner Sicht, einzelne Lebensmittel nicht zu stigmatisieren, um dann mit einer Verzichtspredigt die Weltrettung zu versprechen. Ansonsten gilt: Man kann alles essen, nur nicht zu viel davon!“

LVN

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