Gewinner Milchlandpreis 2025: Familie Diers aus Oldenburg im Interview

Jürn Diers im Interview mit der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN).

09. Januar 2026

Jürn Diers im Interview mit der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN).

Familie Diers mit der goldenen Olga
Familie Diers gewinnt die 25. Goldene Olga beim Milchlandpreis 2025. Foto: Matthias Hornung

Freude und Überraschung waren groß, als Moderatorin Vanessa Kossen dem Ehepaar Diers am 28. November vergangenen Jahres in Rastede verkündete, den Milchlandpreis im 25. Jubiläumsjahr gewonnen zu haben. Freudestrahlend nahmen Sonja und Jürn Diers mit Tochter Berit, Bruder Hanke und Frau Yvonne sowie Vater Helmut aus Oldenburg die Auszeichnung der Goldenen Olga entgegen. Die Milchhof Diers GbR darf sich seitdem bester Milcherzeugerbetrieb Niedersachsens 2025 nennen.

Die Familie Diers bewirtschaftet in der Stadt Oldenburg einen 170 Hektar großen landwirtschaftlichen Betrieb. Rund 26 Hektar der Flächen sind Ackerland, 144 Hektar werden als Grünland bewirtschaftet. Auf dem Hof werden 320 Milchkühe und 50 weibliche Nachzuchttiere gehalten. Die Herde erbringt eine im landesweiten Vergleich sehr gute Milchleistung mit einem gleitenden Herdendurchschnitt von 11.000 Litern Milch. Die Milch wird an die Molkerei Ammerland eG geliefert und über die eigene Hofmolkerei vermarktet.

Interview mit Jürn Diers

Wir als LVN freuen uns, dass Jürn Diers unserer Einladung zum Interview gefolgt ist. Im Folgenden berichtet er, welche Maßnahmen der Betrieb Diers für Tierwohl, moderne Betriebsführung und Direktvermarktung umsetzt, warum ihm der Dialog mit der Öffentlichkeit so wichtig ist und welche Ziele er für die Zukunft der Milchwirtschaft sieht.

Herzlichen Glückwunsch zu der hervorragenden Auszeichnung „Bester Milcherzeuger Niedersachsens 2025“! Wie haben Sie den Moment der Auszeichnung erlebt – und was hat sich seitdem auf dem Betrieb getan?

Erst einmal möchte ich mich für die Einladung zu diesem Interview bedanken! Als nominierter Betrieb dabei sein zu dürfen, war für unser ganzes Team schon eine Auszeichnung an sich. Die festliche Preisverleihung habe ich noch gut in Erinnerung. In dem schönen Ambiente der alten Meierei fühlten wir uns sehr willkommen. Als es dann los ging mit den ersten Hofportraits, stieg die Aufregung dann allmählig und bei jeder Vorstellung ging der Puls dann etwas höher, ob der eigene Betrieb schon dabei ist. Vor der Vorstellung des zweiten Platzes war für uns dann schon die Freude über so eine tolle Platzierung groß. Egal ob wir nun den zweiten oder den ersten Platz bekommen. Das unser Betrieb zu diesem Jubiläum als Bester in Niedersachsen erwählt wurde, ist wirklich eine große Ehre für uns, und wir sind alle sehr stolz darauf! Ich freue mich vor Allem für unser Team, dass wir gemeinsam die Jury mit unseren Ideen und Routinen überzeugen konnten.

Seitdem haben wir viele, viele Glückwünsche bekommen. Dafür möchte ich mich im Namen aller Mitarbeiter herzlich bedanken! Ich war mir über die große Reichweite dieser Auszeichnung nicht bewusst und hoffe nun umso mehr, dass wir als Leuchtturmbetrieb für die Milchwirtschaft in Niedersachsen einen guten Eindruck hinterlassen. Wir sind alle sehr auf das nächste Jahr gespannt.

Auf dem Betrieb wird es nun wie jeden Winter ruhiger. Wir genießen die Atempause und die Zeit auf ein außergewöhnliches Jahr zurückzublicken. Wir hatten eine super Futterernte und vieles hat in 2025 besser geklappt als in vergangenen Jahren. Sicherlich auch, weil alle wissen, was zu tun ist. Unser Uhrwerk ist gerade gut geölt und darauf bin ich sehr stolz!

Die Gutachter lobten Ihr modernes Management, den hohen Tierwohlstandard und die klar strukturierten Abläufe auf dem Hof. Welche Maßnahmen setzen Sie konkret für Tierwohl und Tiergesundheit um?

Unser Betrieb ist wie viele andere in Schritten gewachsen. Mein Vater Helmut hat 1977 mit viel Weitsicht einen Boxenlaufstall für 100 Kühe mit Spaltenboden und einem 8er Fischgrätenmelkstand gebaut. Das war für damalige Verhältnisse sehr innovativ. Als sich dann 2003 abzeichnete, dass die nächste Generation auch in die Milchproduktion einsteigen möchte, entschieden wir uns zu wachsen. Wir konnten den Stall nach hinten verlängern und weitere 100 Stallplätze anbauen. Leider mussten wir die alten Maße des vorhandenen Stalles übernehmen, da ein seitlich am Stall stehender Güllebehälter ein In-die-Breite-Wachsen verhinderte. So müssen wir nun mit nach heutigem Standard eher engen Laufgängen leben und haben auch nicht die breitesten Boxen. Unser Ansatz ist daher: „Wir wollen das Beste aus dem Vorhandenen machen“. So haben wir uns schon sehr früh für den Umbau der alten Hochboxen auf Tiefboxen entschieden. Ein nächster Schritt war die Umrüstung auf flexible Liegeboxenabtrennung -. Diese Veränderung war sofort zu sehen, da sich die Kühe ohne Angst ablegen und die Liegezeiten deutlich verbessert werden konnten. Weiter haben wir viele Quergänge geschaffen, dass der Zugang zum Futtertisch auch für die rangniederen Tiere so einfach wie möglich wird. Darum haben wir auch einen Außenfuttertisch im Wartebereich angelegt, um den Futterplatz zu maximieren. Vor drei Jahren haben wir dann in eine sensorgesteuerte Ventilation des Stalles investiert. Auch durch diesen Schritthaben wir sofort spür- und messbar eine deutliche Verbesserung des Klimas grade in den sehr heißen Sommertagen erreichen können. Des Weiteren legen wir viel Wert auf eine präzise Rationsgestaltung und Futterplanung. Für die Tiergesundheit haben wir einen eigenen Tierarzt angestellt. Unser Marko ist auch meine Vertretung, wenn ich mal nicht auf dem Hof bin. Es war ein großes Glück, einen so engagierten Mitarbeiter für uns gewinnen zu können. Auch bei ihm möchte ich mich an dieser Stelle recht herzlich für seinen täglichen Einsatz bedanken. Er kümmert sich mit Ultraschall und der Gesundheitsüberwachung um alle Belange der Kühe. Zusammen mit ihm schneide ich auch im wöchentlichen Rhythmus die Klauen der Tiere nach Laktationsstadium. Dies vermindert weiteren Stress in der Herde. Als letzten Punkt möchte ich das von Marko eingeführte ausgeklügelte Impfprotokoll erwähnen, das als eine gute Prophylaxe viele Krankheiten schon im Vorfeld verhindert oder stark abschwächt.

Der Betrieb Diers gilt als Pionierbetrieb in der Direktvermarktung. Welche Rolle spielt dieser Vermarktungszweig heute – und was hat sich seit der Gründung der Hofmolkerei 2008 entwickelt?

Die Direktvermarktung hat bei uns schon seit 1949 Tradition und ist eine wichtige Säule in der Wertschöpfung unseres Betriebes. Als mein Bruder Hanke sich 2008 entschied, auch in die Milchhof Diers GbR einzusteigen, gingen die Planungen für den Neubau einer größeren Molkerei auf der anderen Straßenseite los. Wenn man mit seinem Bruder einen Betrieb leiten und weiterentwickeln möchte, sind klare Strukturen und definierte Ziele wichtig. Für uns beide ist die Selbständigkeit immer ein großer Wunsch gewesen. Wir legen beide großen Wert auf unsere Unabhängigkeit. Ich denke, indem wir unsere Arbeitsbereiche gut voneinander abgrenzen können, funktioniert es auch. Die Vorstellung zu Beginn, dass wir uns im Urlaub oder Krankheitsfall gegenseitig vertreten können, war etwas naiv und ist auch nie eingetreten. Dafür sind beide Betriebszweige zu schnell gewachsen. Wir erleben trotzdem die enge Verbindung unserer beiden Betriebe als eine klare Win-Win-Situation. Wir tragen das Image eines familiär geführten Unternehmens mit regional erzeugten Produkten aus Oldenburg für Oldenburg nach außen und profitieren beide von diesem Konzept. Seit mein Bruder Hanke hauptberuflich die Direktvermarktung leitet, konnte der Absatz konsequent verbessert werden, so dass wir heute 4.500 Haushalte, viele Supermärkte, Schulen, Kindergärten und Großküchen beliefern dürfen. Ca 50 % unserer erzeugten Milch wird von Hanke verarbeitet. Es darf natürlich gerne mehr werden, allerdings ist die Vermarktung eine größere Herausforderung als die Produktion und die Wachstumskurve wird doch auch bei uns etwas flacher.

Wir von der LVN bedanken uns bei Jürn Diers für das Gespräch und gratulieren der Familie noch einmal zum Gewinn der „Goldenen Olga 2025“.

LVN


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