Nutri Score: Bundesrat gibt grünes Licht für die Nährwertkennzeichnung

Billigung der Lebensmittelinformations-Durchführungsverordnung

16. Oktober 2020

Der Bundesrat hat den Weg für den Einsatz der Lebensmittelkennzeichnung Nutri-Score in Deutschland freigemacht. Die Länderkammer billigte am 09.10.2020 die entsprechende Änderung der Lebensmittelinformations-Durchführungsverordnung.

Die freiwillige Verwendung der Kennzeichnung geht den Ländern allerdings nicht weit genug – sie fordern die Bundesregierung auf, sich für eine verpflichtende Nährwertdeklaration mit dem Nutri-Score einzusetzen, um ein verbindliches und flächendeckendes System auf EU-Ebene einzuführen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bezeichnete das französische Kennzeichnungssystem als „wichtigen Baustein“ der deutschen Ernährungspolitik. „Für die Verbraucher schaffen wir Orientierung auf den ersten Blick und unterstützen sie damit, ihr Konsumverhalten an die persönliche Situation anzupassen“, so die CDU-Politikerin. Von den Unternehmen erwartet die Ministerin, ihr Sortiment umfassend zu kennzeichnen. Es müsse Transparenz geschaffen und den Verbrauchern ermöglicht werden, ihre Erwartungen an ein Produkt mit der zusammenfassenden Nährstoffbewertung des Nutri-Score abgleichen zu können.

Transparenz über Nutri-Score
Bildquelle: BML

Nachbesserungen an dem System forderte derweil der Bundesverband für Naturkost Naturwaren (BNN). Er sieht Biolebensmittel aktuell benachteiligt. Laut BNN-Geschäftsführerin Kathrin Jäckel sind Biolebensmittel „untrennbar mit einer intakten Umwelt verbunden“. Durch den Verzicht auf „chemisch-synthetische“ Pflanzenschutzmittel bei der Erzeugung und den Einsatz von möglichst naturbelassenen Zutaten seien die Biowaren die „gesünderen“ Lebensmittel. „Deswegen kann es nicht angehen, dass ein Label, das zu gesunder Ernährung hinführen soll, diese Tatsachen unberücksichtigt lässt“, so Jäckel. Aus Sicht der Biobranche müsse der Nutri-Score-Algorithmus überarbeitet werden.

Auch der Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) hatte im Vorfeld Forderungen für eine erfolgreiche Einführung des Nutri-Score-Kennzeichens zusammengestellt: Er sieht die Bewertung des Milchfettes in Käse als kritikwürdig. Ruminante Fettsäuren hätten positive Wirkungen, das fände sich im Nutri-Score nicht wieder. Der MIV forderte deshalb eine Differenzierung zwischen den verschiedenen gesättigten Fettsäuren vorzunehmen. Weiterhin sollten natürlich vorhandener Zucker und zugesetzter Zucker differenziert werden. Auch Eiweiß als positiver Faktor und natürlich vorkommendes Kalzium sollten im Algorithmus Berücksichtigung finden. Die Regelungen des Nutri-Score basierten zudem auf französischen Regelungen. Die deutschen milchrechtlichen Produktverordnungen würden, ebenso wie z. B. die nationalen Verzehrempfehlungen der DGE (10-Regeln der DGE), die nicht mit den französischen Verzehrempfehlungen zu vergleichen seien, außer Acht gelassen.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium begleitet die Einführung der Kennzeichnung nach eigenen Angaben mit einer Informationskampagne für Verbraucher und Unternehmen. Auf der Internetseite des Ressorts werden Informationen, Expertenmeinungen, Antworten auf häufig gestellte Fragen, eine Erkläranimation sowie relevante Publikationen zur Verfügung gestellt.

AgE/LVN

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