FLI bestätigt weitere Shamonda-Virus-Variante in Deutschland

In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Thüringen breitet sich eine zweite Virus-Variante bei Rindern aus

04. September 2026

Die neuesten Untersuchungsergebnisse des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) weisen auf ein zweites Einschleppungs- und Ausbreitungsereignis in Deutschland hin.

Untersuchungen von PCR-positiven Proben aus dem Nordwesten und Osten Deutschlands zeigen, dass derzeit zwei unterschiedliche Varianten des Shamonda-Virus auftreten. Die erste Variante wurde seit Juli vor allem in Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich nachgewiesen. Zusätzlich wurde nun eine zweite, ebenfalls mit dem Shamonda-Virus verwandte Variante festgestellt. Die entsprechenden Rinderproben stammen aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Thüringen.

Beide Virusvarianten gehören weiterhin zur Spezies Orthobunyavirus Schmallenbergense aus der Simbu-Serogruppe und sind mit dem ursprünglich in Afrika und Japan beschriebenen Shamonda-Virus verwandt. Die neu nachgewiesene Variante unterscheidet sich jedoch eindeutig von der zuerst in der Schweiz, Frankreich und Süddeutschland festgestellten Variante.

Zur besseren Unterscheidung werden die beiden Varianten nun als Shamonda-Virus Europe 1 (SHAV-EU1) und Shamonda-Virus Europe 2 (SHAV-EU2) bezeichnet.

Das aktuelle Seuchengeschehen geht damit auf zwei voneinander unabhängige Ereignisse zurück. In einigen Bundesländern überschneiden sich die Verbreitungsgebiete der beiden Varianten bereits.

Um die zweite Virusvariante genauer einordnen zu können, laufen derzeit weitere Untersuchungen zur genetischen Verwandtschaft. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich alle drei Genomsegmente von SHAV-EU2 von denen des SHAV-EU1 unterscheiden. Noch ist unklar, ob eine Infektion mit einer der beiden Varianten auch ausreichend vor einer Infektion mit der jeweils anderen Variante schützt. Dazu sind weitere Untersuchungen notwendig.

Auch das genaue Wirtsspektrum der neuen Variante ist derzeit noch nicht bekannt. Alle bisher positiv auf SHAV-EU2 getesteten Proben stammen von Rindern. Infektionen mit SHAV-EU1 wurden dagegen bereits bei Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen nachgewiesen.

Zur FLI-Tierseuchenseite Shamonda

Damit zirkulieren in Deutschland derzeit drei Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe: das Schmallenberg-Virus sowie die beiden Shamonda-Virus-verwandten Varianten SHAV-EU1 und SHAV-EU2. Es ist daher möglich, dass diese Viren untereinander Genomsegmente austauschen und sich dadurch genetisch verändern. Dieser Vorgang wird als Reassortierung bezeichnet.

FLI/LVN

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