Bedeutet ein höherer Verkaufspreis im Lebensmitteleinzelhandel mehr Erlös auf der Erzeugerebene?

Stellungnahme und Statistiken

28. Dezember 2020

Eine Einschätzung der aktuellen Preisdiskussion durch die LVN.

Aktuell wird sehr deutlich, dass die Situation der Nutztierhalter insbesondere im Bereich der Schweinehaltung, der Kälber- und Rindermast, aber eben auch in der Milchviehhaltung sehr beunruhigend ist. Die Ursachen sind in den einzelnen Bereichen der Nutztierhaltung unterschiedlich und sind aufgrund multifaktorieller Einflüsse der letzten Jahre entstanden. Vielfach haben diese Einflüsse die Kostensituation in den einzelnen Erzeugungsbereichen deutlich belastet. 

Grundsätzlich sind hier u. a. steigende Anforderungen aufgrund sich verschärfender rechtlicher Rahmenbedingungen sowie die Auswirkungen der letzten drei Dürrejahre mit den einhergehenden Ertragsverlusten und den wiederum daraus resultierenden höheren Grundfutterkosten zu nennen. Es gibt hier sicherlich noch zahlreiche weitere Einflüsse zu nennen, auf die in diesem Beitrag nicht näher eingegangen wird.

Betrachtet man im Bereich der Milchwirtschaft zudem die Entwicklung der Verbraucherpreise in einzelnen Produktsegmenten, so sind hier aber gegenläufige Tendenzen festzustellen. Insgesamt liegen die Verbraucherpreise in den einzelnen Produktsegmenten, wenn man das langjährige Niveau vergleicht, gar nicht mal so niedrig. Trotzdem scheint sich die Erlössituation auf der Ebene der Milcherzeugung verschlechtert zu haben. In folgender Grafik sind die Verbraucherpreise (im Jahresdurchschnitt) der letzten zehn Jahre aufgeführt:

Entwicklung Verbraucherpreise Molkereiprodukte seit 2010

Betrachtet man nun die Situation weiter, so ist festzustellen, dass der Kostenanteil für den Rohstoff prozentual gesunken ist. Am Beispiel Konsummilch 3,5% lässt sich das exemplarisch veranschaulichen:

Anteil Rohstoffkosten am Verbraucherpreis für Beispiel Vollmilch

Ähnliche Entwicklungen sind zu erkennen, wenn man die Ergebnisse der Amtlichen Notierung für Schnittkäse mit dem Verbraucherpreis Schnittkäse 1 kg SB grafisch aufbereitet. Auch anhand dieser Grafik, die die Jahre 2013 bis 2020 abbildet, ist zu erkennen, dass die Ergebnisse der Notierung trotz tendenziell höher erzielter Verbraucherpreise auf vergleichsweise niedrigem Niveau verharrt:

Verbraucherpreise i. V. m. Notierungsverlauf Schnittkäse von 2013-2020

Fazit: Der Verkaufspreis im Geschäft ist kein eindeutiger Indikator dafür, dass auf Erzeugerebene höhere Erlöse erzielt werden. In den letzten Jahren haben sich die Verbraucherpreise im Einzelhandel tendenziell erhöht.

Diese Entwicklungen finden aber keinen Niederschlag im Milchauszahlungspreis für den Milcherzeuger. Während sowohl bei den Verbraucherpreisen und den Margenentwicklungen Steigerungen erkennbar sind, ist im Diagramm zur Milchauszahlungspreisentwicklung seit Jahren eine negative Trendentwicklung zu verzeichnen. Grundsätzlich liegt auch hier eine weitere Ursache, die die aktuelle Situation der Milcherzeuger nachteilig beeinflusst.

Durchschnittlicher Milchauszahlungspreis seit 2013

LVN/Feuerriegel

Ansprechpartner für diesen Bereich

Frank Feuerriegel
Dipl.-Ing. Milch- und Molkereiwirtschaft
Geschäftsführung
0511 / 85653-10
feuerriegel@milchland.de
Michael Gebhardt
Dipl.-Ing. (FH) Milchwirtschaftliche Lebensmitteltechnologie
Markt & Qualität
0511 / 85653-33
gebhardt@milchland.de

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