Melkroboter entlasten von Routinearbeiten

Automatische Melksysteme liefern zusätzlich viele Kontrolldaten

10. Januar 2020

Niedersachsens Milchviehhalter entscheiden sich bei der Melkarbeit immer häufiger für ein sogenanntes Automatisches Melksystem.

Nach Recherchen des Landvolk-Pressedienstes haben sich bereits etwa 15 Prozent der Milchviehhalter für einen Melkroboter entschieden, in einigen Regionen wie dem Emsland oder dem Osnabrücker Land fällt der Anteil noch deutlich höher aus. Unter den gut 7.000 Milchviehhaltern, die ihre Kühe der Milchleistungskontrolle unterstellt haben, nutzen knapp 1.100 Höfe einen Melkroboter. Dr. Hubert Kruse, Fachberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, nennt verschiedene Gründe für die Entscheidung zum Melkroboter. „Arbeitskräfte sind zunehmend schwieriger zu bekommen“, hat er festgestellt. Im Melkstand müssen Mitarbeiter jeden Tag zweimal, auch an Wochenenden und Feiertagen zuverlässig ihre Arbeit verrichten, Auszeiten kann man sich hier nicht leisten. Immer öfter beobachtet der Fachberater daneben, dass die ältere Generation die Automatik empfiehlt. „Die Eltern haben leidvoll an ihren eigenen Knochen und Gelenken erfahren, wie anstrengend im Laufe eines Lebens das Melken im kühlen und feuchten Melkstand sein kann, das wollen sie ihren Kindern ersparen“. Für Milchkühe mit einer hohen Milchleistung ist das automatische Melksystem ideal, weil es den Tieren eine höhere Melkfrequenz als zweimal am Tag ermöglicht. Der Melkroboter nimmt den Landwirten stetig wiederkehrende Routinearbeiten ab, er macht sie aber nicht überflüssig. Technik bleibt auch immer störanfällig, dann muss der Tierhalter zur Stelle sein und den Fehler beheben. Neben der Arbeitserleichterung bietet der Melkroboter als Zusatznutzen eine Fülle an Kontrolldaten, sie optimieren die Tierüberwachung und dienen dem Tierwohl.

Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre im vorigen Jahrhundert kamen die ersten Melkroboter auf den Markt. Einige wenige Firmen bieten diese spezielle Technik an, als Marktführer gilt der niederländische Anbieter Lely, der vor 25 Jahren die Automatisierung im Kuhstall angeschoben hat. Die Kammer bezieht etwa seit 2005 die neue Technik in ihre Beratungsempfehlungen mit ein. Die Preise für eine sogenannte Box, die auf etwa 70 Kühe ausgerichtet ist, liegen je nach Anbieter und Ausstattung bei 120.000 bis 150.000 Euro, bei 140 Kühen sind damit schon annähernd 300.000 Euro Investitionssumme für diese Technik fällig. Mit Blick auf die weiter unbefriedigenden Milchpreise eine stolze Summe! Auf jeden Fall muss der Kauf des Mitarbeiters aus Edelstahl einen Wartungsvertrag einschließen, denn Auszeiten darf es bei automatischen Melksystemen nicht geben. Tierhalter gewinnen jedoch Zeit zur Tierbeobachtung und für Managementaufgaben auf ihren Höfen.

LPD

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