Neuer Geschäftsführer der LVN: Frank Feuerriegel im Interview

10 Fragen - 10 Antworten

05. März 2021

Seit dem 01. März 2021 ist Frank Feuerriegel alleiniger LVN-Geschäftsführer. Wir ließen keine Zeit vergehen und haben die Chance für ein gemeinsames Interview genutzt.

LVN: Seit Oktober 2015 waren Sie Teil-Geschäftsführer der LVN für die Bereiche Qualität und Statistik sowie als Milchreferent beim Landvolk Niedersachsen – Landesbauernverband e.V. tätig. Nun haben Sie die Nachfolge von Kristine Kindler übernommen und sind damit zu 100 Prozent in der Geschäftsführung der Landesvereinigung. Was bedeutet dieser neue Meilenstein für Sie?

Feuerriegel: In erster Linie bin ich sehr dankbar für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. Andererseits ist mir natürlich bewusst, dass ich damit eine große Verantwortung übernommen habe. Wir haben ein kleines und sehr gut funktionierendes, kreatives Team an beiden Geschäftsstellen. Mit unserer gemeinsamen Arbeit möchten wir weiterhin einen Beitrag leisten, die Akzeptanz für die Milch hochzuhalten.

LVN: Sie sind Diplom-Ingenieur für Milch- und Molkereiwirtschaft und bringen umfassende Erfahrungen aus den Bereichen Molkerei- und Handelsunternehmen mit. Wie sind Sie zu dieser Berufswahl gekommen?

Feuerriegel: Wie so häufig im Leben vielmehr durch Zufall. Ich war als Jugendlicher schon immer sehr interessiert an Tieren. Als Schüler hatte ich den Wunsch, Tierarzt zu werden, und absolvierte in diesem Bereich auch ein Praktikum. Dieser Wunsch hatte sich dann im weiteren Verlauf bis zum Abitur ein wenig verändert. In der Schule haben mich neben Geschichte die Fächer Biologie und Chemie am meisten fasziniert. Als es nach dem Abitur schließlich darum ging, welchen beruflichen Weg ich einschlagen könnte, brachte mich ein Berufsberater bei der Agentur für Arbeit auf die Idee, in Richtung Lebensmitteltechnik zu denken. In dieser Zeit habe ich auch in Nordhorn im Verein aktiv Hundesport betrieben. In Gesprächen mit Sportfreunden und Bekannten hat mir ein damaliger Vereinskollege, der selbst im Vertrieb von Verarbeitungsanlagen für die Lebensmittelindustrie tätig war, die Empfehlung gegeben, erst einmal eine Lehre zu absolvieren. Damals reagierte ich im Alter von 18 Jahren im Gespräch recht unbedacht: „Wenn du mir da einen Tipp geben könntest, bin ich nicht abgeneigt.“ Eine Woche später meldete sich der damalige Werksleiter des Hansano Milchhof in Niedersachsen bei uns zu Hause. Er erreichte meine Mutter und erzählte ihr, dass er hörte, dass ich Interesse an einer Lehrstelle hätte. Ich mach es nun kurz: Ich meldete mich zurück, vereinbarte einen Vorstellungstermin und war wenige Wochen später einer von drei Auszubildenden im ersten Lehrjahr beim Hansano Milchhof Niedersachsen eG. Einige Monate später war ich bereits milch-infiziert, und wusste, nach der Ausbildung geht’s für dich zum Studium.

LVN: Was hat Sie bewegt, Ihre Karriere bei der LVN weiterzuführen? Was zeichnet die Landesvereinigung in Ihren Augen aus?

Feuerriegel: Ich war durch meine vorherige Tätigkeit bei der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in Nordrhein-Westfalen in Krefeld bereits in die Verbandsarbeit eingestiegen, nachdem ich zuvor viele Jahre in der Produktion einer Molkerei und fünf Jahre in der Qualitätssicherung der Großverbrauchersparte eines großen deutschen Handelsunternehmens gearbeitet habe. Während meiner Tätigkeit bei der Landesvereinigung in NRW wurde mir immer stärker bewusst, dass Verbände sehr gut „verbindende Aufgaben“ (vom Landwirt über die Molkereien bis zum Verbraucher) übernehmen können, die im Interesse der gesamten Wertschöpfungskette liegen. Reizvoll ist dabei vor allem, dass man gemeinsam mit allen beteiligten Mitgliedsorganisationen Dialogprozesse anstoßen kann. Aus denen lassen sich wiederum konkrete Maßnahmen ableiten, die im Idealfall für alle Beteiligten Nutzen stiften und die Milch insgesamt stärken.

LVN: In den vergangenen Jahren haben Sie zahlreiche Projekte im Bereich der Tiergesundheit für die niedersächsische Milchwirtschaft maßgeblich vorangetrieben. Warum liegt Ihnen dieses Thema besonders am Herzen?

Feuerriegel: Ich bin von Grund auf ein Tierliebhaber und stelle immer wieder fest, dass auch die meisten Milcherzeuger eine emotionale Bindung zu ihren Tieren aufbauen. Das bedeutet, die Basis, sich über die Verbesserung der Tiergesundheit zu unterhalten und gemeinsam etwas erreichen zu wollen, ist dadurch ohnehin gegeben. Darüber hinaus denke ich, dass die Fragen, unter welchen Bedingungen Milch erzeugt wird und wie es um die Nachhaltigkeit bestellt ist, mittlerweile von gesellschaftlichem Interesse sind. Grundsätzlich sind die Förderung von Wissenstransfer und der Austausch wichtig, um Verbesserungsprozesse anzustoßen. Wenn wir die Tiergesundheit verbessern, verbessert sich meiner Meinung nach auch die Situation auf den Betrieben. Letztendlich kann eine Lösung für ein Tiergesundheitsproblem auch ein Beitrag dafür sein, die Lebenssituation der Milcherzeuger zu verbessern. Außerdem bietet eine solide Weiterentwicklung von Qualitätsfragen auch die Basis für die Öffentlichkeitsarbeit. Nur wer auf dem Weg ist, Dinge aktiv zu verbessern, kann dieses auch glaubhaft kommunizieren. Die überwiegende Akzeptanz der Milchwirtschaft in der Gesellschaft ist zum Teil auch darin begründet, dass sie mit dem QM Milch Standard, dem QM Milch Nachhaltigkeitsmodul, aber eben auch mit vielen weiteren Maßnahmen bereits heute viele positive Ergebnisse vorweisen kann.

LVN: Erst jüngst haben Sie in Ihrem Kommentar zu den Protesten der Milcherzeuger Anfang des Jahres erneut gezeigt, dass Sie in der Branche ein anerkannter Kenner des Milchmarktes sind. Was ist Ihnen für die zukünftige Entwicklung der Milchwirtschaft wichtig?

Feuerriegel: Die Milch in Niedersachsen und Deutschland wird bereits heute im internationalen Vergleich zu vergleichsweise hohen Standards erzeugt, verarbeitet und verkauft. Milch ist ein sehr empfindliches Lebensmittel und die Branche hat erreicht, sehr sichere, qualitativ hochwertige Produkte in einer großen Vielfalt herzustellen. Milch und Milchkonsum sind ein Bestandteil unserer Kultur. Die Milcherzeuger und Milchverarbeiter setzen sich sieben Tage in der Woche rund um die Uhr dafür ein, dass wir Verbraucher gut versorgt werden. Die Landwirtschaft hat zudem einen großen Beitrag zum Wohlstand in der Bevölkerung geleistet. Wer dies anerkennen will, muss auch bereit sein, einen Preis zu zahlen, der es den landwirtschaftlichen Familienbetrieben ermöglicht, davon zu leben und die Betriebe weiterzuentwickeln.

LVN: Welche Herausforderungen kommen auf Sie als neuer Geschäftsführer der LVN zu?

Feuerriegel: Die Herausforderungen sind vielfältig. Weiterhin werden wir uns den Herausforderungen im Hinblick auf den Klima- und Umweltschutz, das Tierwohl, aber auch den Erhalt einer ökonomischen Perspektive für die heimische Milchwirtschaft stellen müssen. Wir Landesvereinigungen möchten uns gerne weiterhin einbringen und beispielsweise im Rahmen der Strategie 2030 unser starkes Pfund in der Öffentlichkeitsarbeit einbringen. Wir haben in den letzten Jahren gezeigt, dass wir die moderne Milchwirtschaft authentisch mit unserem Netzwerk von Botschaftern sowohl in den konventionellen als auch in den sozialen Medien zeigen können. Zugleich möchten wir weiterhin der Motor sein, um qualitätsverbessernde Maßnahmen anzustoßen, weiterzuentwickeln und den Wissenstransfer für alle Partner in der Kette zugänglich zu machen.

LVN: Welches sind die ersten Themen, die Sie in Ihrer neuen Position angehen möchten?

Feuerriegel: Aktuell arbeiten wir auf Bundesebene mit an der Weiterentwicklung eines freiwilligen Moduls QM Tierwohl. Dieses Modul soll einen höheren Haltungsstandard charakterisieren. Der höhere Standard soll ausgelobt werden und teilnehmenden Betrieben ein Plus an Wertschöpfung bieten. Viele Betriebe in Niedersachsen erfüllen bereits heute höhere Haltungsstandards, die deutlich über dem rechtlich geforderten Niveau liegen. Es ist von hohem Interesse, dass möglichst viele niedersächsische Milcherzeuger die Möglichkeit erhalten, an diesem Standard zu partizipieren. Weiter sind wir überzeugt davon, dass wir als Landesvereinigung im Milchland Niedersachsen der ideale Bündler für alle Fragen rund um das Thema Milch sind. Wir möchten im Rahmen der Strategie Milch 2030 weiterhin einen wichtigen Beitrag im Sinne aller unserer Mitglieder leisten und dafür setze ich mich gerne ein.

LVN: Sie sind in der Grafschaft Bentheim geboren und aufgewachsen. Seit vielen Jahren ist Isernhagen in der Nähe von Hannover Ihr Lebensmittelpunkt – Also ein Niedersachse durch und durch. Warum fühlen Sie sich dem Milchland so verbunden?

Feuerriegel: In meiner beruflichen Zeit beim Handel und bei der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in NRW verbrachte ich acht Jahre in Nordrhein-Westfalen und war ein typischer Wochenendpendler. In NRW habe ich mich definitiv wohlgefühlt. Nichts desto trotz kamen auf meinem Weg am Freitagabend auf der A2 in Richtung Niedersachsen spätestens ab dem Weserbergland Heimatgefühle auf. Ich mag es sehr, wenn die Landschaft flächig wird, man das Grünland im Wechsel mit Ackerflächen und kleinen Wäldchen und weiteren Landschaftselementen sieht. In der Grafschaft haben wir eine ähnliche Landschaft, die mich durchaus geprägt hat. Niedersachsen mit seinen Dörfern, den Hofcafés, Fahrradwegen und Landgasthöfen hat schon einen besonderen Reiz und ist an vielen Stellen, beispielweise in der schönen Grafschaft Bentheim oder auch in der Heideregion, touristisch nicht überlaufen.

LVN: Wie entspannen Sie nach einem langen Arbeitstag in Ihrer Freizeit? Wie gelingt es Ihnen, Ihre Batterien immer wieder aufzuladen?

Feuerriegel: Ich fahre gerne Fahrrad und im Urlaub liebe ich es zu lesen. Zudem haben meine Frau und ich zwei Islandpferde, bei denen wir in der Freizeit viel Zeit verbringen. Wir sind dadurch viel an der frischen Luft und schon beim Putzen der Pferde entspanne ich. Regelmäßige Ausritte an Wochenenden fühlen sich gleich wie ein kurzer Urlaub an.

LVN: Worüber können Sie herzhaft lachen?

Feuerriegel: Ich lache unheimlich gerne. Lustige, ungeplante Alltagssituationen bereiten mir am meisten Freude, die etwas von Situationskomik mit sich bringen.

Kristine Kindler übergibt Logo Milchland Niedersachsen an Frank Feuerriegel
Wechsel in der LVN-Geschäftsführung: Frank Feuerriegel übernimmt Nachfolge von Kristine Kindler (Foto: Timo Jaworr).

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