Zwei Premieren an einem Tag

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast startete zu ihrer dritten ML-Tour

31. Juli 2020

Mit zwei Premieren wartete die Sommerreise von Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast am 29.07.2020 auf. Zunächst wurden die Eckpunkte der Niedersächsischen Ackerbau- und Grünlandstrategie erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Danach ging es um die neue Modellregion nachhaltige Nutztierhaltung Südniedersachsen.

© ML / Timo Jaworr

Start war auf der Domäne Schickelsheim (Kreis Helmstedt). Dort ist das PraxisLabor Digitaler Ackerbau der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen angesiedelt. Auf die Ministerin warteten zahlreiche Vorführungen „digitaler Helfer“ für den Ackerbau. Darunter ein Spaten, der in Echtzeit Analysedaten über den Bodenzustand liefert; ein Feldroboter, der die Qualität der aufgehenden Saat präzise dokumentiert sowie ein Schlepper, der mit einem Stickstoffsensor für exakte Düngung ausgerüstet ist. „Mit den Versuchsergebnisse aus dem PraxisLabor werden die Landwirte bei der Verbesserung ihrer ackerbaulichen Verfahren unterstützt. Das wiederum hilft bei der Umsetzung der Niedersächsischen Ackerbau- und Grünlandstrategie“, erklärte Ministerin Barbara Otte-Kinast.

Was ist die Niedersächsische Ackerbau- und Grünlandstrategie?

Ein Landwirt ernährt heute 155 Menschen – im Jahr 1900 waren es etwa zehn. Diese Produktionssteigerung bringt Herausforderungen für Umwelt- und Naturschutz, Ökonomie und gesellschaftlicher Akzeptanz mit sich.

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Nur ein gesunder Boden sichert das Einkommen unserer Landwirte und liefert uns hochwertige Lebensmittel.“ Sie hat deshalb vor gut einem Jahr Experten gebeten, in sieben Arbeitsgruppen eine Ackerbau- und Grünlandstrategie zu entwickeln. Diese ist eingebettet in die Ackerbaustrategie des Bundes, die aktuelle Gesetzgebung zur Förderung der Biodiversität im Rahmen des „Niedersächsischen Weges“ und den künftigen Anforderungen des Klimaschutzes.

Die Niedersächsische Ackerbau- und Grünlandstrategie widmet sich der Ertragssicherung, der Ressourcenschonung, der Biodiversität und Nachhaltigkeit sowie der Ökonomie und gesellschaftlicher Akzeptanz. Darüber hinaus geht es um die Erhaltung der Moore sowie des Grünlandes.

Das Ziel ist eine Nutzung des Zuchtfortschritts zur Steigerung der Effizienz, eine konsequente Umsetzung des integrierten Pflanzenbaus und Pflanzenschutzes sowie die stärkere Verzahnung konventioneller und ökologischer Produktion.

„Wir brauchen eine Landwirtschaft, die von der Gesellschaft akzeptiert wird. Mit der Ackerbau- und Grünlandstrategie verbinden wir Wertschöpfung mit Wertschätzung“, betonte Ministerin Barbara Otte-Kinast. Sie dankte den Teilnehmern der Arbeitsgruppen für ihr Engagement.

Die Strategie ist kein fertiges Papier. Es sollen ständig Maßnahmen aufgenommen werden, die sich als positiv herausstellen. Deshalb werden auch die Arbeitsgruppen weiter tagen. Zur besseren Vernetzung zwischen Landwirtschaft, Gesellschaft und Politik wird ein Beirat am Ministerium eingerichtet. Im November ist im Thünen-Institut (Braunschweig) eine weitere Veranstaltung mit der Diskussion zu den vorgestellten Eckpunkten der Ackerbau- und Grünlandstrategie geplant.

Ackerbau- und Grünlandstrategie – neun Arbeitsfelder:

1 Pflanzenbau – Düngung
Status quo: Konzentration der Tierhaltung, Nährstoffüberschüsse; erhöhte Nitrat- und P-Konzentration in Gewässern; Emissionsprobleme
Ziele: Effiziente Düngung, Erhalt der Produktivität; Verminderung der Nährstoffüberschüsse und Emissionen

2 Fruchtfolge und Sorten
Status quo: Wenig ökonomisch relevante Kulturarten; begrenzte Zuchtziele mit Schwerpunkt auf Ertrag; Klimaveränderung – Resistenzen
Ziele: Vielfältige Fruchtfolge; Senkung der Intensität bei Erhalt der Rentabilität; Erhalt und Ausbau der genetischen Vielfalt; Züchtung auf weitere Ziele und Anbau von standortangepassten Sorten

3 Pflanzenschutz
Status quo: Emissionen in Luft und Wasser; Verminderung der Biodiversität; Zunahme der Resistenzen, negatives Image
Ziele: Sicherung und Stärkung der Biodiversität; Verringerung der Effekte auf Nichtzielorganismen; Pflanzenschutzmittelreduktionsprogramm

3 Boden – Moore
Status quo: Co2 Freisetzung bei Nutzung, Umwandlung von Grünland in Ackerland, Nutzung in Verbindung mit Tierhaltung und intensivem Maisanbau
Ziele: Senkung CO2 Freisetzung; Erhalt und ggf. Renaturierung von Mooren

4 Pflanzenbau – Bewässerung/Beregnung
Status quo: Abnahme der Grundwasserreservoire; Nutzungskonflikte (Dürre, mehr Beregnung); Inneffizient bestehender Beregnungsverfahren
Ziele: Erhaltung einer nachhaltigen Beregnung zur Sicherung der Erträge

5 Klimaveränderung/-anpassung
Status quo: Höhere Jahresdurchschnittstemperaturen und Temperaturextreme; Veränderung, Verschiebung der Vegetationsperioden; stärker auftretende Witterungsextreme; länger anhaltende Trockenperioden
Ziele: Senkung der Treibhausgasimmissionen aus der Landwirtschaft (bis 2030 politisch fixiert); Absicherung der Erträge/Einkommen durch Anpassung an Klimabedingungen

6 Gesellschaftliche Akzeptanz
Status quo: Negatives Image der Landwirtschaft; Auswirkungen auf Konsumverhalten; Selbstwertgefühl der Landwirtschaft
Ziel: Stärkung der gesellschaftlichen Akzeptanz

7 Biodiversität
Status quo: Rückgang der Biodiversität; Umsetzung des „Niedersächsischen Wegs“
Ziel: Trendumkehr bei der Entwicklung der Biodiversität in Agrarlandschaften

8 Grünland
Status quo: Speziellen Nutzungskonflikten ausgesetzt (Klima, Biodiversität, Futter, etc.); Starke Abhängigkeit von lokalen Bedingungen; In der Regel durch Tierhaltung in Wert gesetzt: Milchviehhalter mit hohem Arbeitsdruck; „Koppelprodukte“ (Vorteile für Klima, Biodiversität etc.) oft nicht ausreichend honoriert; Schwankende Milchpreise und politische Rahmenbedingungen erschweren Planungs- und Investitionssicherheit
Ziele: Unabhängigkeit von Klimafolgen bzw. Wetterextremen | Nachhaltige und planungssichere Honorierung für die Bereitstellung öffentlicher Güter (insbesondere CO2-Bindung sowie Beiträge zur Verbesserung der Biodiversität) | Erhalt der flächengebundenen Tierhaltung und Unterstützung der Weidehaltung | Arbeitsdruck für Tierhalter vermindern

LVN nach ML

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