Anmerkung zu unserem Beitrag Kriseninstrumente: Kleines Rechenbeispiel

Milchmengenreduktion mit staatlicher Förderung versus Private Lagerhaltung (PLH)

13. Mai 2020

Unser Beitrag „Kleines Rechenbeispiel | Milchmengenreduktion mit staatl. Förderung versus Private Lagerhaltung (PLH)“ rief teilweise unterschiedliche Reaktionen hervor: Von Beifall bis zu süffisanter Kritik.

Melken, Melkstand
Foto: Marco Grundt

Insbesondere ein kritischer Kommentar „Von der Sehnsucht nach einem Machtwort, dem Trostpflaster vor der Amputation und einem falschem Rechenbeispiel“, der auch in den sozialen Netzwerken geteilt wird, hat bei einigen Lesern zur Verunsicherung geführt.

Wir nehmen das Thema deshalb erneut auf, erweitern unsere Ausführungen und beziehen noch einmal fachlich zum genannten Kommentar Stellung.

Magermilch und Magermilchpulver Koppelprodukte bei der Butterproduktion?

Magermilch und Magermilchpulver sind – wie im Aufsatz behauptet – keineswegs Koppelprodukte bei der Butterherstellung, sondern Buttermilch. D. h. beim Produktionsverfahren der Butterherstellung fällt Buttermilch an. Beim Produktionsverfahren der Käseherstellung fällt, wie der Autor korrekt beschreibt, Molke an.

Bei Magermilch wiederum handelt es sich um die „vollentrahmte Milchphase“, die bei der Standardisierung und Milchreinigung (Zentrifugation) anfällt. Vielfach wird die Magermilch direkt nach der Zentrifugation zur Einstellung des gewünschten Fettgehalts der Rahmphase wieder zugeführt. So wird z. B. frische Konsummilch unterschiedlicher Fettgehaltsstufen entweder als „Fettarme mit 1,5% Fett“ oder „Vollmilch mit 3,5% Fett“ mit Magermilch eingestellt. Magermilch fällt bei diversen Produktionsverfahren an. Beispielsweise wird Speisequark im Thermoverfahren (gängigstes Verfahren) immer erst in der Magerstufe aus Magermilch hergestellt und anschließend im weiteren Produktionsprozess mit Rahm auf die gewünschten Fettgehaltsstufen eingestellt.

Da eine Rohmilch häufig um oder über 4,00 % Fett enthält, fällt Magermilch bei vielen verschiedenen Herstellungsprozessen an.

Dies als kleiner Ausflug in die „Welt der Produktionsverfahren“…

Falsches Rechenbeispiel?

Die Umrechnung von einem Endprodukt mit Hilfe von Milchäquivalenten ist absolut gängige Praxis.

Zur Definition von Milchäquivalent:

Ein Milchäquivalent entspricht dem durchschnittlichen Fett- und Proteingehalt eines kg Rohmilch (73 g) und dient als Maßstab zur Berechnung der in einem Milchprodukt verarbeiteten Milchmenge.

Folgen wir dieser offiziellen Definition, so geht es eben tatsächlich um die hauptsächlich wertbestimmenden Inhaltsstoffe der Milch.

Zur Butterherstellung:

Im Rahmen der Butterherstellung wird im Herstellungsprozess das Milchfett konzentriert. Geht man vom Fettgehalt im Endprodukt aus, so enthält Butter 82% Fett. D. h. in einem kg Butter sind 820 g Fett enthalten. Das Koppelprodukt Buttermilch ist die „wässrige Phase“. Buttermilch enthält maximal 1% Fett und 3,4% Eiweiß sowie Milchzucker und weitere wichtige wasserlösliche und ernährungsphysiologisch wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente. Da der größte Anteil der Butterherstellung auf mildgesäuerte Butter entfällt, erhält man als Koppelprodukt eine süße Buttermilch. Diese wird häufig in Fruchtbuttermilchen, Milchdesserts und weiteren Milchfrischprodukten eingesetzt. Ein weiterer Teil wird mit Kulturen angesäuert oder entstammt direkt der Herstellung von Sauerrahmbutter und gelangt als „Reine Buttermilch“ auf den Markt. Dieses Koppelprodukt ist durchaus vielfältig marktgängig und gerade in den Sommermonaten eher knapp, so dass der Marktdruck nicht über das Koppelprodukt, sondern nur über die Butter entsteht.

Zur Käseproduktion:

Die insbesondere bei der Schnittkäseherstellung anfallende Molke enthält 94% Wasser, Milchzucker und ca. 1% Molkenproteine. Der Hauptteil des Eiweißes (Casein) und auch des Milchfettes verbleiben in der Käsemasse. Molke ist aufgrund der ernährungsphysiologisch sehr wertvollen Molkenproteine häufig ein Vorprodukt für die Weiterverarbeitung (Babynahrung, Eiweißergänzungsnahrung usw.) und auch wichtig als Futtereiweißlieferant. Trotzdem ist natürlich die Preisentwicklung beim Hauptprodukt Käse mit einem Anteil von 50% an der Gesamtverwertung auschlaggebender für die Entwicklung der Erzeugerpreise als es die Verwertung aus der Molke erwarten lässt.

Für das Koppelprodukt „Molke“ lässt sich eigentlich ähnliches konstatieren wie bei der Buttermilch. In Phasen von Marktkrisen hat sich schon häufig gezeigt, dass Molkenprodukte (insbesondere entmineralisierte, getrocknete Molke), enthalten in beispielsweise Babynahrung, vielfach weniger stark unter Druck geraten sind als die jeweiligen äquivalenten Hauptprodukte. Dies lässt sich aus Erfahrungen vergangener Marktkrisen belegen.

Die Verwertung von Magermilchpulver und Butter als Alternative zur Käseverwertung ist eine Möglichkeit, wie die Branche -allerdings im begrenzten Umfang- auf Marktentwicklungen reagieren kann. Gerät beispielsweise die Käseverwertung unter Druck, so kann die Branche den Rohstoff durchaus zeitweise stärker in die Produktion von Magermilchpulver und Butter lenken. Bei kurzzeitigen Überhängen hilft dies häufig schon, die Käsepreise leicht zu stabilisieren. In solchen Phasen ist dann oftmals festzustellen, dass die Preise für Molkenpulver aufgrund der Verknappung bei der Käseproduktion am Markt fester tendieren.

Fazit:

Das modellhafte und vereinfachte Rechenmodell hat sich auf die Rückberechnung mittels Milchäquivalenten gestützt und beinhaltet keine fehlerhafte Berechnung. Aufgrund bekannter Markthintergründe, die bereits erläutert wurden, erübrigt sich die gesonderte Betrachtung der Koppelprodukte.

Das Rechenbeispiel hat lediglich aufgegriffen, welche Wirkungen mit 30 Millionen Euro EU-Beihilfen am Markt erzielt werden könnten. Zudem sollten die Größenordnungen dargestellt werden, in welcher Höhe Aufwendungen für eine Marktminderungsmaßnahme, die mit Beihilfen unterstützt werden soll, anfallen würden, um eine Milchmengenreduktion auf EU-Ebene von 2,6% erreichen zu können. Die Grenzen der Wirksamkeit der PLH wurden klar benannt. Eine Forderung nach Beihilfen für eine nennenswerte Reduzierung der Erzeugungsmengen auf EU Ebene wurde in dem Rechenbeispiel weder kritisiert noch unterstützt.

Was uns wichtig ist:

Eine kritische Auseinandersetzung mit unseren Beiträgen begrüßen wir sehr. Dabei setzen wir als Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. auf den Dialog: Wir treten mit unseren Kritikern gern direkt in Kontakt und diskutieren zu unterschiedlichen Denkansätzen – ganz im Sinne des „Runden Tisch der Milchwirtschaft“.            

LVN/Feuerriegel                        

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