Preisabstand zwischen ökologisch erzeugter und konventioneller Milch sinkt

Aktuelle Entwicklungen auf dem Milchmarkt

01. April 2022

Laut Informationen der AMI startet die Biomilcherzeugung mit einem Mengenplus von 3,3 Prozent (Januar 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat) in das Jahr 2022. Die Anlieferung von konventionell erzeugter Milch lag in den ersten elf Wochen 1,6 Prozent unterhalb des Vorjahreszeitraums.

Ob sich die Mengensteigerungen im Biosektor weiter fortsetzen, ist zurzeit mehr als fraglich. Zum einen dämpfen unterdurchschnittliche Futterqualitäten des Vorjahres die Mengenentwicklung in vielen Bundesländern, zum anderen besteht eine Verunsicherung im Hinblick auf eine ausreichende Versorgung mit GVO-frei und ökologisch erzeugten Futtermitteln. Zudem belasten die explodierenden Energie-, Futter- und Betriebskosten die ökologisch wirtschaftenden Betriebe ebenso wie die Betriebe im konventionellen Bereich.

Die Nachfrage nach Biomilchprodukten steigt weiterhin ungebrochen, so dass der im Jahr 2021 auf 4,1 Prozent gestiegene Anteil erzeugter Bio-Milch ohne weiteres vom Markt aufgenommen werden konnte. So stieg 2021 beispielsweise der Bio-Anteil an den gesamten Trinkmilcheinkäufen (Frischmilch und haltbare Milch) der privaten Haushalte auf ein bisheriges Spitzenniveau von rund 13 Prozent. Bei der Bio-Frischmilch ist der Marktanteil sogar von 21,9 auf 24,2 Prozent gestiegen.

In den anderen Produktsegmenten sind die Wachstumsraten moderater. Der Anteil von Biobutter an den Gesamteinkäufen erhöhte sich zum Beispiel von 4,1 auf 4,8 Prozent und bei Bio-Käse von 3,8 auf 4,0 Prozent.

Grafik Vergleich Verbraucherpreise für Bio- und konventionelle Milchprodukte in Deutschland 2021-2022

Trotz der guten Marktentwicklungen fallen die durchgesetzten Preiserhöhungen im Biobereich im Vergleich zum konventionellen Segment deutlich moderater aus. Vergleicht man den Februar 2022 mit dem Februar 2021 konnten für viele Bioprodukte keine oder nur geringfügig gestiegene Verbraucherpreise festgestellt werden (Bio-Frische Sahne 30 Prozent +1 Cent/200 g, Bio-Speisequark Magerstufe +3 Cent/250 g).

Der Preis bei der Deutschen Markenbutter (konventionell) für das 250 g Stück legte hingegen im Februar 2022 mit 1,65 Euro um 31 Cent bzw. 23 Prozent zu, während die Biobutter 250 g unverändert im Durchschnitt mit 2,35 Euro im Kühlregal lag. Einige Bioprodukte wurden im Februar 2022 sogar günstiger angeboten als im Vorjahresmonat. So wurde Bioweichkäse mit einem Kilopreis von 11,08 Euro sogar um 1,09 Euro billiger verkauft als im Vorjahr. Der Preis für konventionellen Weichkäse (1 kg) hat sich im Februar 2022 um 0,39 Euro im Vergleich zum Vorjahr auf 9,36 Euro erhöht.

Grafik Entwicklung der Milcherzeugerpreise für Bio und konventionell in Niedersachsen 2021-2022

Der vergleichsweise stärkere Anstieg der Preise im LEH für konventionell erzeugte Milchprodukte spiegelt sich auch bei den Entwicklungen der Erzeugerpreise wieder. Der durchschnittliche Erzeugerpreis für konventionell erzeugte Milch in Niedersachsen erreichte im Januar 2022 einen Wert von 45,17 Cent/kg, der für ökologisch erzeugte Milch lag mit 52,7 Cent/kg um 7,53 Cent/kg höher (Milch ab Hof 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß). Im Januar 2021 war der Abstand zwischen den Erzeugerpreisen Bio und konventionell mit 14,4 Cent/kg noch fast doppelt so hoch.

LVN/Feuerriegel

Ansprechpartner für diesen Bereich

Frank Feuerriegel
Dipl.-Ing. Milch- und Molkereiwirtschaft 
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feuerriegel@milchland.de

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